Eine Rede zum Internationalen Tag der Muttersprache - 21. Februar

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(Foto: fotosearch - lizenzfrei)
Es gibt auf der ganzen Welt nur eine einzige Sprache, von der wir nicht wissen, wie wir sie erlernt haben, aber mit ihr können wir die ganze Welt zum Reden bringen (Franz Firla).

Liebe Muttersprachlerinnen, liebe Muttersprachler!

Wo von Muttersprache die Rede ist, ist auch das Vaterland nicht weit. Und in manchen Ohren mag dieser Gedenktag fast nationalistisch klingen. Vor allem bei jenen, die von jeglicher Gleichmacherei profitieren. Dass viele Sprachen ausgestorben sind oder im Sterben liegen, wissen wir nicht erst seitdem als Händlersprache Englisch dominiert. Als hübsche Randbemerkung sei hier bemerkt, dass Englisch auch nur „Platt“ ist, also eine aus dem Germanischen entwickelte Sprache. Ich habe nichts gegen Weltsprachen, wohl aber, wenn alles andere dafür vergehen muss.
Beunruhigend ist nämlich folgende Frage, unsere Mundarten betreffend: Wird mit den Dialekten auch die landsmannschaftliche Sprachfärbung im Hochdeutschen verschwinden. Anders gesagt: Wird eines Tages –nimmt man mal den Geschlechterunterschied aus - Seehofer wie Merkel reden? Und Scheuer wie Kauder, Özdemir wie Lindner, Kraft wie Dreyer, Anton Hofreiter wie Martin Schulz klingen?
Das wäre so, als wenn eine Amsel wie eine Elster oder eine Flöte wie eine Trompete tönt, eben alles gleich.
Die Arbeitslosigkeit der Stimmenimitatoren ließe sich sicher leichter verkraften als der Wegfall eines bisher prägenden Eindrucks von individueller Persönlichkeit.
Martin von Eisenach hat – im Gegensatz zu Martin von Würselen - zur sprachlichen Uniformität der Deutschen beigetragen, indem er guten Glaubens die Gleichberechtigung zwischen bibelkundigen Geistlichen und dummem Glaubensvolk beseitigen wollte. Kann man aber nach 500 Jahren guten Gewissens behaupten, dies habe entscheidende Fortschritte in geistlichen wie in weltlichen Dingen gebracht?
Deshalb stelle ich noch einmal die Frage: Stirbt mit dem Dialekt, also mit den Wörtern und spezifischen Wendungen, auch die regionale Klangfarbe, die ja den Dialekt ausmacht und selbst noch beim Hochdeutschreden erhalten bleibt? Übrigens auch beim Englischsprechen. Die „Vererbung“ der Klangfärbung geschieht durch Gewöhnung und Imitation wahrscheinlich schon im Mutterleib und hat natürlich auch einen ganz individuellen Anteil. Wenn die Umgebung des Kindes also akzentfreies Hochdeutsch spricht oder solches ertönt, wird es dieses so als seinen Muttersprachenklang erlernen. Ein hochdeutsch gesprochener Satz wird dann bei einem Münchner Kindl fast genauso klingen wie bei einer Hamburger Deern. Akzentfrei!
Wir haben heute schon Hochdeutschsprecher, die klanglich in keine deutsche Landschaft passen. Das sind die mit dem sogenannten ausländischen Akzent. Das klingt bei sicheren Herkunftsländern wie Frankreich und England für Biodeutsche angenehm, bei anderen eher nicht so, obwohl der Sprecher vielleicht Deutscher ist und für seine Sprachfärbung die Mutter zuständig war (mother tongue).
Auf der anderen Seite wird akzentfreies Deutsch häufig als Ideal hingestellt. Ist dieses seelenlose Buchstabenaneinanderreihen nicht der Ausverkauf jeder Individualität? Wollen wir der sprachgesteuerten Apparaturen zuliebe alle reden wie ein Bahnhofslautsprecher oder Nachrichtenpastor? Sprechen wir so im Alltag?
Denken wir also beim Begriff „Artenschutz“ nicht nur an Vogelstimmen und Walgesänge!
Es geht am 21. Februar nicht um olle Dialekte oder längst ausgestorbene Sprachen!
Es geht um die Vielfalt und Individualität unter uns Menschen!
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10 Kommentare
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Claudia Jacobs aus Mülheim an der Ruhr | 21.02.2017 | 00:28  
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Franziskus Firla aus Mülheim an der Ruhr | 21.02.2017 | 08:06  
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Gottfried (Mac) Lambert aus Goch | 21.02.2017 | 10:28  
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Franziskus Firla aus Mülheim an der Ruhr | 21.02.2017 | 12:31  
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Claudia Jacobs aus Mülheim an der Ruhr | 21.02.2017 | 14:29  
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Franziskus Firla aus Mülheim an der Ruhr | 21.02.2017 | 14:49  
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Claudia Jacobs aus Mülheim an der Ruhr | 21.02.2017 | 14:59  
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Renate Smirnow-Klaskala aus Essen-Nord | 21.02.2017 | 17:43  
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Franziskus Firla aus Mülheim an der Ruhr | 21.02.2017 | 18:10  
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Claudia Jacobs aus Mülheim an der Ruhr | 22.02.2017 | 13:22  
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