MGV - EVAG: Vom Betriebsleiter zum Museumsbahn-Schaffner

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So schick waren die Uniformen von Anno dazumal.
 
Diplom Ingenieur und Museumsschaffner Hans Albrecht war bis zur Pensionierung 2000Betriebsleiter Fahrzeuge bei der Essener Verkehrs AG.
Mülheim: Eichbaum U-Bahnhof (U18) | Woher weiß der freundliche „Museums-Schaffner“ mit der historischen Flügelrad-Mütze im Triebwagen von 1930 soviel darüber zu erzählen?

Kein Wunder: Im Arbeitsleben war der pensionierte Dipl.-Ing. Hans Albrecht bis 2000 Betriebsleiter Fahrzeuge bei der Essener Verkehrs AG.

Das liebt er, auf der ruckeligen und in den Schienen laut quietschenden Museums-„Bahn 500“, die nur zu besonderen Anlässen auf der „Normalspur“ der 100 Jahre alten Städteverbindung Linie 18 verkehrt : Alles über Technik und Besonderheiten den Jubiläums-Fahrgästen zu erzählen. Die sich fast krampfhaft im Stehen an den Schlaufen festhalten. Oder quer zur Fahrtrichtung an den winzigen Tischchen zwischen sich und dem Nachbarn Halt suchen. Denn der TW „Roter Karlsruher“ wurde 1930 gebaut, hat 86 Jahre auf dem Buckel, da gabs die Linie schon 14 Jahre !.

Eine Hand an der Bahn - eine Hand an den Fahrscheinen

Das nicht nur technische Fachwissen des Straßenbahn--Spezialisten Albrecht will an diesem heißen Jubiläums-Samstag aus allen Poren, daher macht er diese Fahrt im weißen Hemd statt in historischer Uniform. Die wird im Vereinsraum seiner Verkehrs-Historischen Arbeitsgemeinschaft VHAG bewacht. Schaffnermütze und Ledermappe mit Fahrscheinblöcken müssen aber dabei sein – eine Hand an der Bahn, eine Hand an den Fahrscheinen: Wer wüßte besser, wann es gleich besonders ruckeln wird, auch auf den modernen Schienen? Gleich nach der Haltestelle Gracht zum Beispiel, wegen der Rampe.

Hans Albrecht wollte einst zur Eisenbahn, hat aber nie „Straßenbahner-Komplexe“ gegenüber dem großen Schienen-Bruder gehabt: die DB hat einfach schlechter gezahlt in der Ausbildung ! So ging der junge, schienengebundene Hans erst zum Hersteller BBC und kam 1973 zu den Essener Verkehrsbetrieben, wo er stolze Karriere machte. Die Hauptwerkstatt liegt übrigens genau an der Grenze Frohnhausen-Heißen, direkt am früheren Zechengelände, auf dem heute das Rhein Ruhrzentrum steht.

Man könnte wetten, folgendes zB ist O-Ton Albrecht übers aktuelle „Restaurations-Projekt“ der Vereins-Bahner; Zitat aus dem Spenden-Flyer Großraumzug TW 1501 mit Anhänger (beschreibt den, allen älteren Ruhris gut bekannten „elfenbeinfarbenen Elefanten“ unter den Tramzügen, beim Umbau vom 1951er-Typ zum 1960er): „Unterflurig montierter BBC-Feinstufenfahrschalter wurde durch Kiepe-NockenFahrschalter mit liegender Längswalze ersetzt“. Alles klar?

Vorteil:

hinterm Fahrersitz gab´s nun bis 1982 eine Sitzbank in Fahrtrichtung mehr. Solch Wissen hat die Fachwerkstatt in Gera begeistert, wo derzeit Korrisionsschäden beseitigt werden, bis die renovierte Hauptwerkstatt an der Stadtgrenze rechtzeitig zum 125. Straßenbahn-Jubiläum 2018 das Finishing am TW 1501 vollbringt.

Klar, dass 2018 Hans Albrecht wieder dabei ist mit seinen ehemaligen Mitarbeitern und jetzigen Vereinsfreunden. Und stolz blickt er auf den restaurierten roten Triebwagen von 1930. Wie der mit historisch unkorrekter Anzeige „U18“ bei der Jubiläumsfahrt zum 100-jährigen der Strecken-Ehe MH-E-MH, aus den Tiefen des Mülheimer Hbf zur Rückfahrt heraufkeucht: “Keine Sorge, der macht seine 100 Jahre auch noch voll“. Kein Zweifel: Jetzt schon dafür bitte Einmal einfache Fahrt, Herr Schaffner ehrenhalber! (cd)
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