Nicht perfekt - aber einzigartig: Ruhr Reggae Summer 2017

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Der Ruhr Reggae Summer 2017 – Foto: Joshua Belack
 
MIWATA beim Ruhr Reggae Summer 2017 – Foto: Joshua Belack

Es hätte besser sein können – das Wetter. Doch das hielt 15.000 Fans der jamaicanischen Volksmusik nicht davon ab, circa 4.000 Zelte auf den Wiesen aufzubauen und ihr großes Musikfest zu genießen. Sie ließen sich drei Tage entspannt treiben von wummernden Bässen, rollenden Grooves, exotischen Gerüchen der internationalen Küche.


Nackte, schmutzige Kinderfüße, die über den zum Teil aufgeweichten Boden vor der Bühne tapsten. Auf den Ohren trugen die Kinder leuchtende Kopfhörer als Geräuschschutz. Eine gigantische Bühne, auf der die Musiker sich fast verloren. Bässe, die nicht nur die Ohren in gewünschte Schwingungen, sondern auch den Magen in unerwünschte Schwingung versetzen konnten. Vor der Bühne mischten sich die Duftwolken des Kreuzkümmel, Cumin, Kurkuma, Knoblauch und Kokos.

Haarpracht zum Hinsehen

Haartürme, deren Anblick ehrfürchtig machten: Wie tragen die Rastas dieses Gewicht? Wie Schlangennester sitzen die Dreadlocks auf den Köpfen. Oder sie hängen in langen Strängen bis in die Kniekehlen. Riesige Rastafari-Mützen verbargen manche verfilzte Haarpracht. Bunte weite Hosen, T-Shirts mit Aufdruck „Peace, Love and Unity“, geben Statements ab.

Kunst und Kommerz

Jede Menge afrikanischer und südamerikanischer Klamotten waren zu kaufen. Bunt, fröhlich und manchmal originell und hochwertig. Die internationalen Garküchen rund um die Bühne waren eine Entdeckung für die Sinne: Ob südamerikanisch, indisch, afrikanisch, niederländisch, italienisch oder einfach nur Pommes Schranke und Currywurst. In dieser Beziehung blieben keine Wünsche offen.

Musik gegen alle „Isten“ und Sendungsbewusstsein

Der Lead-Sänger einer deutschen Rap-Reggae Band nutzte am frühen Sonntagabend die Chance, mehrere Vorträge an die Gemeinde zu halten, die von einer selbst durchgemachten schweren Depression über Therapien, Wege und dem „Niemals aufgeben", erzählten. Die Menge jubelte mit hochgestreckten Armen. Ein Depri-Rap schloss sich an.
Danach folgte ein Statement des Sängers gegen den „Ismus“: Rassismus, Sexismus und Populismus, Nazismus, Narzissmus und Faschismus ... es fehlte nur noch ein Aufruf, auch gegen den Hyperparathyreoidismus zu sein. (Da dieser eine Schilddrüsenerkrankung ist, wurde sie vom Sänger ausgespart).
Die fröhliche Menge war sich einig, auch gegen alle Isten und Ismusse aufzubegehren. Es folgte - endlich - ein klassischer Reggae-Groove, der mit Fröhlichkeit den Vortrag des Sängers untermauerte.

Rastafari sein ist Philosophie

Reggae zu lieben ist scheinbar eine Philosophie und eine Art Religion. Rastafari sein ist eine innere Haltung, die sich bis ins Privateste auswirkt. Die nächste Generation wächst heran. Wenn sie so wird wie es die Eltern vorleben, dann wird es eine entspannte, gelassene, unaufgeregte Generation. Sie werden es verstehen, sich selbst, die Musik und das Leben zu feiern ohne Aggressionen und mit Toleranz für andere Menschen.

Übrigens: Die Rude Reminders aus Mülheim spielen einen ausgezeichneten Reggae. Da müssen Fans nicht warten bis es wieder heißt: Ruhr Reggae Summer 2018 in Mülheim an der Ruhr.
Text: Heike Marie Westhofen

Fotos: Joshua Belack
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