Noh amal, noh amal, noh amal: Der Zauberhändler mit der Vogelflöte 

Anzeige
Wie mein Ahnl zwanzig Jahr'
Und a g'sunder Wildschütz war,
Hat beim Mondschein er voll Lust
's erste Mal sein Reserl bußt.





Mit 13,5 Jahren saß ich schon in dem Bonner Akkordeon-Orchester, das 1958 im Atomium der Brüsseler Weltausstellung auftrat. Wir klauten dort wunderbare Notenständer, indem wir unsere Akkordeons über die Schulter hängten und die zerlegten Edelstative in unseren Instrumentenkoffern durch die silbernen Atomkugeln nach unten trugen. Die Anregung kam glaube ich vom Chef. Die nach uns werden auswendig oder gar nicht gespielt haben oder gar kein Orchester gewesen sein.

Und an noch etwas erinnere ich mich dabei: Wir spielten den Vogelhändler. Weil, wir spielten immer den Vogelhändler. Ich verstand nie, was die Leute dabei so toll fanden. Weil ich den Text nicht kannte. Jetzt ist er wieder auferstanden, der Vogelhändler, in meiner Wahlheimatstadt Mülheim. Und ich habe zum ersten Mal den Text gelesen. Nicht in der „Mülheimer Woche“. Der ist ja nicht jugendfrei. Muss er auch nicht, denn er wird ja meist von 90+ gesungen. Und zahlreich sind die Zeitungsartikel über Hundertjährige, die beim obligaten AusdemFensterspringen den Vogelhändler singen; „Noh amal, noh amal, noh amal…“
Die Älteren unter uns Übersiebzigjährigen werden sich erinnern: Der Titelsong aus dem „Vogel(!)händler“ beschreibt des Großvaters aktiven und passiven Geschlechtsverkehr im Wald: „‘s erste Mal sein Reserl bußt“. Das war mit zwanzig (!).
Natürlich wird hier die internationale Kopulationsumschreibung benutzt, aber jeder 90+ weiß, wie man Küssen im Wald zu deuten hat. Mit siebzig gedenkt er dann seines ersten Geschlechtsverkehrs mit Reserl und seufzt dazu. Therese von Konnersreuth, die in diesem Zusammenhang selten genannt wird, kann es nicht gewesen sein, da der Komponist im Jahr ihrer Geburt augenblicklich starb.

Hier der weitere Originaltext von Carl Zeller Schwarze Katz:


Wie er's küßt, singt grad im Tal
Wunderschön a Nachtigall !
Seit der Zeit hab'n Tag und Nacht
Die zwoa sich oft gedacht,
Noh amal, sing mir sing, Nachtigall!


Und hier noch schnell Wiki: Die Nachtigall ist eine Vogelart aus der Ordnung der Sperlingsvögel, Unterordnung Singvögel. Familie der Fliegenschnäpper. Aber jetzt kommt’s: … ist auch und besonders das Symbol der Liebe.

Aber jetzt mal reine Satire:

Die Sopranistin Désirée Brodka, bekannt für auf 1,5 Stunden zusammengeschnurrte Zeitraffer-Opern (sog. Espresso-Stil, was nicht unbedingt etwas mit dem starken Kaffee aus Puppentassen zu tun hat), bringt nun auch Kombinationen z.B. „Der Zauberhändler mit der Vogelflöte“, was sich sehr anbietet, weil in beiden Singspielen der Umgang mit Vögeln musikalisch gepflegt wird.
Und nicht nur das. Sie kündigt an, sie werde Mozarts Zauberjoint unter dem Titel „Der Drogenhändler von Carl Zeller“ für die 20+ überarbeiten.

Hier ein fader Vorgeschmack:

Lied des Papadröhnung:

Der Drogenhändler bin ich ja
Stets listig, heißa, hoppsassa
Ich Drogenhändler bin bekannt
Bei alt und jung im ganzen Land.
Weiß mit den Stoffen umzugehn
Und mich aufs Dealen zu verstehn,
drum kann ich froh und listig sein
denn alle Junkies sind ja mein-


Nein, bitte nicht. Dann doch lieber: Noh amal, noh amal, noh amal…
3
Diesen Mitgliedern gefällt das:
1 Kommentar
9.481
Franziskus Firla aus Mülheim an der Ruhr | 04.08.2017 | 12:14  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.