Osterwasser an der Ruhr?

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(Foto: Spreewald.de)

Um das Osterwasser ist es still geworden. Als kostenloser heidnischer Osterbrauch hat er es schwer gegen die Konkurrenz der eierlegenden Schokonickel. Aber es gibt noch andere Hindernisse.

Seit meinem Übertritt zum Thüringischen habe ich unter Umgehung christlicher Zeitabschnitte wieder mehr Zugang zur Lebensart unserer heidnischen Vorfahren und darf aus gegebenem Anlass das Osterwasser in unserer Mitte begrüßen. Ein Wasser, das immer frisch bleibt, jedenfalls bis nächsten Ostern, Krankheiten abwendet und eine schöne glatte Haut erzeugt.
Mit Bottichen und Krügen wurde es in der Osternacht geschöpft. Und zwar von Jungfrauen. Aus dem nahen Fluss. Einen nahen Fluss haben wir. Aber selbst wenn auch Ersteres aufzutreiben wäre, dürfte diese seltene Spezies bei der ganzen Verrichtung nicht ein einziges Wort verlieren. Und das erscheint doch noch viel ausgeschlossener. Zumal wenn man schließlich auch noch erfährt, dass die Burschen mit ihrem eher trockenen Humor bei der Prozedur nicht untätig waren.
Davon erzählt uns Anton Sommer, und die ein oder andere Zeile habe ich übersetzt.
Ach, ja, wir sehen uns beim Osterwasserschöpfen – in der ein oder anderen Funktion…



Anton Sommer

s‘ Usterwasser

Ä jedes Jahr in d’r Usternacht,
da wird de Botte zerachte gemacht,
da wird der Bottich zurecht gemacht
da giht’s mottermeischenstölle
da geht’s mucksmäuschenstill
om zwölf an de Saale,
da därf kä Mächen fahle,
da ös änne Völle!
Die wolln alle Wasser schäpfe,
da schleppen se Krige häm on Täpfe,
denn’s Usterwasser ös nur rar
on bleibt frösche ‘s ganze Jahr.
Aber ‘s Schlimmsten ös bei d’r Sache,
se därfen känn Spektakel mache;
wenn äne derbei hat gegart,
wenn eine dabei geschwätzt hat
nachen ös ‘s Wasser nischt wart.
Ist danach das Wasser nichts wert
On wemmer nun wöß, wie de Mächen alle sinn,
daß ‘n se ‘s Maul nech halte könn,
da merkt mer wuhl, daß ‘n muß sauer ware,
wenn se su lange nech därfen gare.
Das wössen aber de Borsche a,
drom sinn se schon bei Zeiten da
on lassen de Mächen nech gih
on gab’n sich alle Mih
on probieren allerlä Dönge,
dass se se wolln zun Schwatzen brönge,
on hann se’s ämal su weit gebracht,
nachen wird dröber gelappscht on gelacht,
nachen war umsonst ihre Mih,
on se missen leer hämgih.
Gramersch Mine hats pföff’ger gemacht,
Kramers Wilhelmine hat’s pfiffiger gemacht
die hat ihr’n Schatz mötgebracht,
dar mußt’r de Laterne tra
on mußte se beschitze a.
Die hat kä Sterbenswärtchen gesaht
On brachte ihr Wasser häm delekat.
Die Mädchen halten gruße Stöcke droff
On heben’s Usterwasser gar heilig off
On waschen sich dermöt ‘s ganze Jahr,
da war’n de Ägelchen höbsch on klar,
on de Haut wird renklich on fein,
on ‘s kommen käne Ronzeln nein,
ech glabe, ‘s kömmt bluß dadervon,
daß mer su völe schiene Mächen hier honn.
dass wir so viele schöne Mädchen hier haben
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5 Kommentare
17.603
Renate Croissier aus Lünen | 13.04.2017 | 12:51  
9.657
Franziskus Firla aus Mülheim an der Ruhr | 13.04.2017 | 13:55  
17.603
Renate Croissier aus Lünen | 13.04.2017 | 17:09  
30.211
Elmar Begerau aus Kamp-Lintfort | 16.04.2017 | 02:28  
9.657
Franziskus Firla aus Mülheim an der Ruhr | 17.04.2017 | 12:09  
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