Rasenmähen in Callisto: Buchtipp

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Wenn Du eine ehrliche Haut bist, und sie Dir deswegen über die Ohren gezogen wird ... Callisto.

Ein älteres Schätzchen aus meinem Regal, das für immer bleiben darf - und das dürfen nicht viele Bücher bei mir. Top aktuell, da es um die USA geht - vor allem um die Bewohner der USA. Die dürfen alles sein, nur eines nicht: anders. Der Protagonist ist aber so ganz anders:

„Callisto, oder die Kunst des Rasenmähens.“
von Torsten Krol, Heyne Verlag. Taschenbuch, 2007.

„Ich habe wie eine Maschine gegraben, weil ich vor Wut gekocht habe. Die Arbeit war nicht so anstrengend, weil die Erde noch locker war. Die ist ja jetzt schon dreimal ausgebuddelt worden. Wenn man das erste Mal mitzählt, wo Dean das gemacht hatte.“ (Zitat)

Odell Deefus, der Erzähler, ist sehr groß, sehr stark und ziemlich blond. Er ist gerade mal Ende Zwanzig und es ist zu vermuten, dass er nicht die hellste Kerze auf der Torte ist. Viele behaupten sogar, er sei richtig gehend dumm.

Doch Odell hat ein grandioses Talent:
Immer ist er zur falschen Zeit am völlig falschen Ort.

Dann verharrt er dort, bis sich die Schlinge um seinen Hals immer mehr zuzieht.
So buddelt er zum Beispiel mißmutig dieselbe Leiche immer wieder aus- und ein, weil er zufällig und versehentlich einen Mann erschlug. Der Tote wurde nur deswegen als Terrorist gesucht, weil Odell sich aus Geltungssucht einen kapitalen verbalen Fehler vor laufenden Kameras erlaubte.

Rasant, überraschend und lebensbedrohlich

Aber das reicht noch nicht: Kurz darauf entdeckt er eine Oma in einer Kühltruhe, gerät mit der örtlichen Polizei, dem FBI und dem Secret Service in Konflikt. Und befindet sich rasant und unerwartet in einer ausweglosen, lebensbedrohlichen Situation.

Sehr groß, sehr stark, sehr blond: Odell

Wie Odell die Leser teilhaben läßt an seiner unglaublichen Kriminalkomödien-Satire, das ist einfach Spitzenklasse und bereitet größtes Lesevergnügen. Bei aller Doofheit und Tumbheit ist Odell hoch sympathisch, ohne direkt mitleiderregend zu wirken. Man drückt ihm kräftig die Daumen, diesem großen Trottelkind, das von einer Katastrophe in die nächste stolpert und keine Ahnung hat, warum?

Niemand hat den Autor je gesehen

Das Tempo der Story hat der Autor bestens gewählt. Man will das Buch gar nicht aus der Hand legen.
Der Autor - Torsten Krol - hält die fast durchgehend stoische und lakonische Erzählweise - geprägt von deutlicher Unintelligenz - hervorragend durch.
Alleine das ist eine stilistische Meisterleistung, die mir viel Lesespass bereitete.

Ganz nebenbei erfährt der Leser einiges über den „echten Amerikaner“ und seine Haltung zu seinem Land. Über Moslems, Terroristen, Selbstjustiz, Foltermethoden auf Guantanamo und natürlich über das „Rasenmähen in Callisto“.

Schade, dass der Autor sich nicht outet: Er schreibt unter Pseudonym. Angeblich soll Torsten Krol im australischen Outback leben und niemand hat ihn jemals gesehen.
Sein zweiter Titel „Kleine Kannibalen“, hat mich nicht überzeugt und bleibt weit hinter den Erwartungen zurück, die Callisto in Aussicht stellte. Schade!
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