Schwertsturz

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Soll ich über das wunderbare "Agni Parthene" aus dem Kloster Walaam in Rußland oder über Salvatore Ortisis neue Theorien um die Varus-Schlacht berichten?
Als Bürgerreporter steht man immer wieder oft vor solch schwierigen Entscheidungen. Ich habe hier und heute seit gestern versucht, einen postfaktischen Mittelweg zu finden:




Wann haben Sie sich zuletzt gestürzt? Reflexiv! Stürzen tun ja viele, das ist ja mittlerweile ein Versicherungsrenner. Aber „sich stürzen in“ ist schon eine Kunst, die bisher nur Leute wie Varus erfolgreich praktizierten. Und natürlich die in den Ausverkauf Gestürzten.

Nun hat höchst wahrscheinlich der vornehme Suicidius Varus sich eher stürzen lassen. Auf Latein natürlich. Das könnte aber missverstanden werden, als ob der Diener oder ein Freund aus dem Fernsehen, Entschuldigung, aus Versehen ihn ins Schwert hat stürzen lassen. „Kannst du denn nicht aufpassen, du hast mich schon wieder in mein Schwert stürzen lassen“, wäre so ziemlich das Letzte gewesen, was er gesagte haben könnte. Aber dass er sich eigenhändig in’s eigene Schwert stürzte, nur weil der Kaiser ihm gemailt hatte: „Varus, Varus, wo sind meine Millionen, Entschuldigung, Legionen?“ Tsss! -
Obwohl die Römer relativ häufig unter Schwertsturz litten. Siehe Brutus! Hohe Offiziere führten ihre Schwerter hauptsächlich zu diesem Zweck mit sich rum: „Ist das Leben nix mehr wert, stürze ich mich in mein Schwert.“ Im Original: „Nixius wertus, stürzius schwertus!“
Nach den Römern sind die Zahlen aber rückläufig, - zugunsten einer Steigerung anderer Formen. Man muss sich nicht mehr stürzen, die Kugeln kommen in einen hineingestürzt. Aber, ich bitte Sie, was sollten sie damals machen? Sie konnten ja nicht in die Schweiz fahren. Sie hatten die Methode eben von den Griechen, die damit die römische Kultur bereichert hatten. Schon Ajax rammte ein Schwert in den Boden und stürzte sich sorgfältig hinein. Das muss man den Griechen ja lassen. Am besten.

PS: Ajax hat nichts zu tun mit Amsterdam und aktuellen Ereignissen

Bonustext:

Ein Sturz, das Wort gibt es schon im 8.Jh., ist ein Umfall. Ich bezweifle allerdings, dass man „sich umfallen“ kann.
Dennoch ist diese reflexive Form sehr beliebt. Hier eine Auswahl:
• Kölner stürzte sich erst in Alkohol und dann in die Fluten
• Er stürzte sich in die Arbeit (und überlebte nur leicht verletzt)
• Chef stürzte sich in den Tod (so einfach ist das)
• Er stürzte sich in neue Abenteuer
• Sie stürzte sich in die Tiefe (was denn sonst?)
• Ertappter Dieb stürzte sich in die Freiheit
• Der Vater stürzte sich in den Irrglauben
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2 Kommentare
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Renate Smirnow-Klaskala aus Essen-Nord | 09.07.2017 | 10:07  
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Gitte Hedderich aus Herten | 09.07.2017 | 16:19  
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