Stadthalle Mülheim - 90 Jahre und noch immer nicht aus der Mode

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Stadthalle historisch - so sah das Mülheimer Veranstaltungsschmuckstück in seiner Kassen- und Eingangshalle in den ersten Jahren seiner Existenz aus. (Foto: MST)
 
Stadthalle historisch - so sah das Mülheimer Veranstaltungsschmuckstück mit seinem großen Saal in den ersten Jahren seiner Existenz aus. (Foto: MST)
Mülheim an der Ruhr: Stadthalle |

Ob es wohl einen Mülheimer gibt, der noch nie in der Stadthalle war? Die meisten erinnern sich an Abifeiern, ADAC-Ball, Konzerte, Theater, Messen oder Ü-30-Partys. Letztere finden seit ein paar Jahren aber nicht mehr statt. Jenny Baran, Leiterin Projektmanagement der Stadthalle, erinnert sich nicht gern: „Für Ü-30-Parties musste die komplette Stadthalle immer ganze vier Tage gebucht werden.“



Von Claudia Leyendecker

Sie verweist auf die Wände, die im oberen Teil cremefarben und im unteren Bereich weiß gestrichen sind. Nach Partys muss eigentlich immer im unteren Bereich nachgestrichen werden, weiß die Stadthallen-Managerin. Ihre Aufgaben liegen im Bereich Vermarktung, Veranstaltungsdurchführung und Kundenbetreuung. 85 Prozent sind Bestandskunden und wenn sie angibt, dass die Raumbelegung in der Stadthalle jährlich 500 mal inklusive Ab- und Umbau gebucht wird, müsste man doch denken, dass die Vermarktung der Stadthalle Gewinne erzielt. Dem ist aber nicht so, erfahren wir von Jenny Baran. Die Stadthalle kostet 120.000 Euro fix pro Monat. Baran: „Seitdem die Stadthalle der MST (2002) zugesprochen wurde, sind bis heute 10 Mio. Euro Investition zugeflossen.“ Dazu muss man wissen, dass die Stadthalle bereits 1926 auf Initiative und mit finanzieller Beteiligung der Mülheimer errichtet worden war.

Stadthalle am 5. Januar 1926 feierlich eingeweiht


Durch die „Initiative Mülheimer Bürger“ konnte 1999 die heutige Bestuhlung finanziert werden. Lederstühle aus der Zeit der Wiedereröffnung nach dem Krieg 1957 sind noch im sogenannten Wandelgang, der Verbindung von Kammermusiksaal und Theatersaal zu sehen. Probesitzen ist erlaubt. Durch Anbauten hat sich der „Wandelgang“ stark geändert: Wo es 1926 Fensterfronten gab, sind heute zwei Aufzüge entstanden, die bei Messen genutzt werden können. 3.000 Besucher pro Tag bewegen sich an Messetagen durch das alte Gemäuer. Eine neue Messe werden die „Mülheimer Bautage“ am 19./20. Februar sein. Dann geht es verschärft um Planung, Timing, Ausstellerverteilung und Ständeaufstellung, weiß Jenny Baran. Bei hoher Auslastung schreibt die Stadthalle aber dennoch keine schwarzen Zahlen. Diese Aussage der Stadthallen-Managerin gibt zu denken.

Bis zu 600 Besucher finden Platz


Sie führt zum Festsaal im Neubau zur Schlossbrücke hin, der sich großer Beliebtheit erfreut. Bis zu 600 Besucher finden hier Platz. Der Festsaal verfügt über eine Bühne mit Kulissenaufbau, ist unbestuhlt und über einen separaten Eingang erreichbar. Ebenfalls beliebt ist der Kammermusiksaal. Das Foyer des Kammermusiksaals wurde 2013/14 saniert und verfügt heute über einen Fliesenboden nach dem Vorbild der 1920er Jahre. Noch ist die Diskussion über Denkmalschutz allerdings nicht abgeschlossen, da durch die Renovierung der „rote Teppich“ entfernt wurde. Vielleicht einigt man sich auf den Kompromiss „roter Läufer“, mutmaßt Jenny Baran. Ebenfalls renoviert wurden die beiden Konferenzräume, die in den 1920er Jahren als Gastronomie-Räume genutzt wurden. Die Räume bieten einen atemberaubenden Blick auf Ruhr und Schlossbrücke.

Atemberaubender Blick von der Stadthalle auf die Ruhr- und Schlossbrücke


„Kompliziert wird es, wenn Festsaal und Theatersaal gebucht werden. Aufgrund von Brandschutz-Vorschriften dürfen beide Räume nicht gleichzeitig belegt sein.“
Jenny Baran erinnert sich an eine Großveranstaltung im Festsaal und anschließender Vorführung im Theatersaal. Logistische Herausforderungen stellen sich auch regelmäßig vor den Sommerferien. 12 Abi-Feiern im Mai/Juni sind normal, und auf Abi-Partys passiert das eine oder andere Malheur. „Die Wände geweißt werden müssen eigentlich immer, wenn auch nur partiell,“ weiß die Fachfrau. „Die Brandsicherheitswache ist immer vor Ort, auch bei Theatervorstellungen.“ Seit den 1950er Jahren wird der „eiserne Vorhang“ vor jeder Aufführung nach oben gefahren. Die Balustrade im Theatersaal soll die Besucher vor dieser Technik schützen. Brennt es auf der Bühne wird sofort abgeriegelt - eine Vorsichtsmaßnahme seit es in einem deutschen Theater zu einem verheerenden Bühnenbrand mit vielen Toten gekommen war. Von modernster Technik in der Stadthalle ist man heute leider weit entfernt, es muss immer wieder nachgerüstet werden. „WLAN ist schwierig, da die Stadthalle auf einer steinernen Platte erbaut wurde.,“ erläutert Jenny Baran. Trotz hoher Auslastung werde die Stadthalle auch in Zukunft ein Zuschussgeschäft bleiben.

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Noch mehr Bilder von der Stadthalle und ein spannendes Portrait von Projektleiterin Jenny Baran finden sie hier.
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