Zeitzeichen: 25. Juni 1966: Ankunft der Beatles am Bahnhof Mülheim

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Zeitzeichen 25. Juni 1966

Im Sommer des Jahres 1966 stand die britische Rockband „The Beatles“ im Zenit ihrer Karriere. Sie dominierten damals sämtliche Hitlisten, hatten etliche Tourneen in Europa sowie in Übersee absolviert und waren auf ihren Konzerten weltweit frenetisch gefeiert worden. Die deutsche Jugendzeitschrift „Bravo“ wollte auf dieser Welle der Begeisterung mitschwimmen und hatte daher bereits 1965 über ihren London-Korrespondenten mit dem Manager der Gruppe Brian Epstein Kontakt aufgenommen. So kam es im Juni 1966 zu einer Blitztournee durch Deutschland, die sechs Konzerte in drei Städten vorsah – und dies alles innerhalb von nur vier Tagen. Ausgewählt wurden München, Essen und Hamburg, wobei in jeder Stadt zwei Konzerte aufeinanderfolgten: eines am späten Nachmittag, das andere am Abend.



Von Jens Roepstorff, Stadtarchiv

Am Donnerstag, den 23. Juni flog die Band von London nach München, wo sie am folgenden Tag ihre ersten beiden Konzerte gab. Am Samstag fuhren sie dann mit einem eigens für sie bereitgestellten Sonderzug bis zum Bahnhof Mülheim (Ruhr), dem heutigen Bahnhof Mülheim-West. Dort wurden sie von einem Limousinen-Korso abgeholt und zu ihrem nächsten Auftritt in die Essener Gruga-Halle gebracht. Zwischenstopp und Umstieg in Mülheim waren zuvor in der Presse angekündigt worden, so dass rund 2.000 Fans die „Pilzköpfe“ am Bahnhof erwarteten.

„Aber als der Sonderzug um 16.34 Uhr einlief, kreischte die Menge los, Mädchen warfen die Arme in die Luft, Jungen versuchten die Polizeiabsperrung am Sturmlauf zu durchbrechen. 2000 Mülheimer Beat-Fans zwischen 12 und 45 Jahren harrten geduldig – die ersten schon ab 14 Uhr – vor dem Bahnhof an der Oberhausener Straße der Ankunft der Beatles. Und mit ihnen 100 Polizeibeamte aus Mülheim, Essen und Oberhausen, 36 Bahnpolizisten und bellende Hunde“, so die WAZ in ihrer Berichterstattung am darauffolgenden Montag.

Nach den beiden Konzerten in Essen brachten die Limousinen die Bandmitglieder noch in derselben Nacht wieder zurück zum Bahnhof. Doch als sie gegen Mitternacht zum zweiten Mal nach Mülheim kamen, um sich zum Schlafen in ihren Sonderzug zu begeben, gab es keinen großen Rummel. Die meisten Fans schliefen offenbar bereits und bekamen von der erneuten Stippvisite der Beatles nichts mit.

Die sogenannte Bravo-Beatles-Blitztournee sollte die einzige Deutschland-Tournee der Band bleiben. Zu Preisen zwischen 10 und 25 DM waren ingesamt rund 34.000 Karten für die sechs Konzerte verkauft worden. Trotz der von der Presse im Vorfeld kritisierten hohen (!) Eintrittspreise, konnten die Tournee- und Gagenkosten durch die Einnahmen aus den Kartenverkäufen nicht gedeckt werden. Zuzahlungen im fast sechsstelligen DM-Bereich seitens der Zeitschrift BRAVO waren erforderlich, um ein finanzielles Debakel zu verhindern.
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