Chinchilla-Drama der letzten Wochen: Ein persönlicher Kommentar

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Chinchillas brauchen Platz zum Klettern und Toben und sind in der Haltung anspruchsvoll.

Hans Dieter Hüsch hätte wohl in so einem Fall gesagt: "Da könnt ich mich kriminal drüber aufregen!" Doch der ist schon länger verstorben. Darum erledige ich heute diesen Part für ihn: Ich reg mich auf! Dabei ist mir ausnahmsweise nicht zum Lachen.

Unrecht gegen Schutzbefohlene

Es gibt zwei Dinge, über die sich Menschen jeder Altersstufe zurecht aufregen können:

1. Unrecht an Tieren
2. Unrecht an Kindern.

Gerade die Lebewesen, die unsere Fürsorge, Zuwendung und Hilfe besonders brauchen, sollten unter besonderem Schutz des Staates und der Gesetze stehen. Und das tun sie auch. Aber ist dieser Schutz ausreichend?

Chinchilla- Beschlagnahme in Mülheim und Gelsenkirchen

In Mülheim und in Gelsenkirchen wurden in wenigen Wochen 515 Chinchillas sichergestellt und in städtische Obhut genommen. Was die Städte vor Herausforderungen stellte und kreative Lösungen in separaten Räumen mit extra Personal erfordert.
In Gelsenkirchen wurden die Tiere bei einer Halterin gesichert, die bereits im Jahr 2013 ein Tierhaltungsverbot bekommen hatte. Sie zahlte damals 200 Euro Bußgeld.

Dann machte sie weiter mit der Zucht – und niemand hat überprüft, ob sie sich an das Verbot hält.

Bereits schon einmal Halterverbot verhängt

Vermutlich taten ihr die 200 Euro Strafe nicht sehr weh, denn Chinchillas tragen bekanntlich wertvolle Pelzchen auf dem Leib. Je ausgefallener die Farben, desto mehr bringen sie in die Kasse. Da kann ein einziges Fellchen schon mal 2000 Euro wert sein im Verkauf. Und wenn man 515 in der Familie hat … und besondere Farbschlägen züchtet, dann könnte ein großer Gewinn daran hängen. Was sind da 200 Euro? Eine lächerliche Summe, angesichts des erwarteten Umsatzes mit den niedlichen, weichen Nagern.

Bis jetzt ist es nicht geklärt, warum diese Tierchen von ihren Haltern in solchen Mengen gezüchtet und weder artgerecht noch verhaltensgerecht untergebracht wurden: Einige Tiere starben, viele andere sind krank und behandlungsbedürftig. Die Überlebenden werden nicht mehr zurückgegeben und anderweitig hoffentlich schnell in gute Hände vermittelt.

Argumente der Halter sind nicht bekannt

Es wäre interessant, auch die andere Seite zu hören: Die Frauen der Familie - Mutter und Tochter - , die über 450 Tiere abgeben mussten und den Lebenspartner der Mutter aus Gelsenkirchen, der weitere 53 Chinchillas in einem Wohnwagen in Saarn vor sich hinvegetieren ließ und sich nicht kümmerte.
Vielleicht gibt es Gründe und Umstände, über 500 Tiere nicht artgerecht zu halten, sie in viel zu kleine Käfige zu sperren. Sie in Massen zu halten ohne die Käfige zu reinigen und ohne Fürsorge, Luft und Licht?
Kurzum: Chinchillas so zu halten, dass die Feuerwehr nur mit Atemschutzmasken die ammoniakverseuchten Räume betreten kann, da die Käfige lange Zeit nicht gesäubert wurden?

Alles schwer vorstellbar

Gibt es nachvollziehbare Argumente, warum Menschen so etwas tun? Es ist schwer vorstellbar, dass es irgendeine Begründung gibt, bei der ich sagen könnte:
Klar! Verstehe ich. Unter den Umständen hätte ich meine Tiere auch so schlecht behandelt!

Es gibt für mich keinen einzigen Grund der so eine "Behandlung" rechtfertigen könnte.

Es bleibt zu hoffen, dass diese Familie gar keine Tiere mehr halten darf und dass genau das dann auch regelmäßig kontrolliert wird. Denn auch das Züchten kann zu einer Sucht werden, die nicht kontrollierbar ist.


Das Tierhaltungsverbot ist hier geregelt:


Gemäß § 16 a Satz 2 Nr. 3 TierSchG1 kann die zuständige Behörde u.a. demjenigen, der den Vorschriften des § 2 TierSchG wiederholt oder grob zuwiderhandelt und dadurch den von ihm gehaltenen Tieren erhebliche oder länger anhaltende Schmerzen oder Leiden oder erhebliche Schäden zugefügt hat, das Halten und Betreuen von Tieren einer bestimmten oder jeder Art untersagen, wenn Tatsachen die Annahme rechtfertigen, dass er weiterhin derartige Zuwiderhandlungen begehen wird.
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