Der große Wurf; Wie Schüler beim "Judo-Opa" Edmund Hausmann etwas für ihr Leben lernen

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Edmund Hausmann legt so schnell keiner aufs Kreuz. (Foto: PR-Fotografie Köhring)
 
Die Schüler der Schule am Hexbachtal freuen sich auf das wöchendliche Training. (Foto: PR-Fotografie Köhring)

Man sieht Edmund Hausmann seine 80 Jahre nicht an. Der pensionierte Maschinenbauingenieur, der ein halbes Leben für Siemens von einer Kraftwerksbaustelle zur nächsten reiste, macht einen ausgesprochen vitalen und drahtigen Eindruck.

„Ich bin nicht der Mensch, der mit der Fernbedienung und einer Flasche Bier vor dem Fernsehen sitzt. Ich brauche Bewegung und Action“, sagt er. Deshalb geht auch einmal pro Woche zur Gathestraße, um Fünft- und Sechstklässlern zwei Stunden lang zu zeigen, wie sie ihre Mitschüler aufs Kreuz legen können. Denn der dynamische Mann aus Dümpten ist Judotrainer und gibt sein Judo-Wissen nicht nur in Mülheim, sondern auch in Duisburg und Düsseldorf an Kinder und Jugendliche weiter.

"Beim Judo geht es um Werte!

Immer wieder mittwochs trifft er sich in der der Sporthalle an der Gathestraße mit den 12- und 13-Jährigen, um sie in das kleine Einmaleins des Judos einzuweihen. „Beim Judo kann man alles lernen, was man im Leben braucht“, sagt der Trainer mit dem schwarzen Meister-Gurt, den seine Schützlinge liebevoll „Judo-Opa“ nennen. Den Spitznamen lässt der ansonsten streng und konsequent agierende Trainer gelten, weil er diesen Spitznamen, „als einen Ausdruck des Respekts“ empfindet. „Respekt, Wertschätzung, Verantwortungsgefühl, Vorbild sein, Bescheidenheit, Mut, Ausdauer, Rücksichtnahme und das Akzeptieren von Regeln.“ All das bringt Hausmann den Jungen und Mädchen von der Hexbachtalschule auf den mit finanzieller Hilfe der Sparkasse Mülheim angeschafften Judomatten ganz spielerisch bei.

Konsequentes Training

Regelverstöße, wie etwa Nachtreten oder Beschimpfungen, lässt Hausmann nicht gelten. Da geht er sofort dazwischen und maßregelt den Delinquenten. In einem Fall, als auch mehrfache Ermahnungen im Guten nichts brachten, musste Hausmann einen Jungen, „der den Judounterricht gut gebrauchen konnte“ schweren Herzens aus der Gruppe ausschließen. „Aber auch das war für den betroffenen Jungen ein schmerzhafter, aber wichtiger Lernprozess. Kinder brauchen Erziehung, Regeln und Grenzen, wenn sie zu einer sozialen Persönlichkeit heranreifen sollen“, betont der Judo-Trainer.

„Mir gefällt, dass Herr Hausmann alles mit schönen Beispielen macht. Er hat für alles ein Schlagwort. Er vergleicht die Judobegriffe mit alltäglichen Sachen, sodass man sich das gut vorstellen kann. Judo hat dazu geführt, dass ich sehr viel Spaß habe. Ich fühle mich heute sicherer dadurch. Mich beeindruckt, dass sich Herr Hausmann die Zeit für die Schüler nimmt und dass er auch Schülern etwas beibringt, die nicht so oft kommen. Er hat ganz viel Geduld.“, lobt Schüler René Handke seinen Judo-Trainer.

Bevor Hausmann und seine jungen Judokas an die ersten Wurfübungen herangehen, wärmen sie sich erst mal auf, damit ihre Knochen und Muskeln elastisch werden. Dann sind die Fallübungen dran, mal nah rechts, mal nach links, mal nach vorne und mal nach hinten. Spätestens jetzt erkennt der Zuschauer: Beim Judo geht es zuerst um Körperbeherrschung und erst in zweiter Linie um Selbstverteidigung im Ernstfall. Wer beim Judo auf der Matte im geschützten Raum der Sporthalle gelernt hat, richtig zu fallen, ist auch draußen, auf der Straße sicherer unterwegs und weiß, wie er oder sie sich im Falle eines Sturzes abrollen kann und muss, um keine Knochenbrüche zu erleiden.

Auch in den stressigsten Zeiten seines internationalen Berufslebens hat Hausmann, der selbst als Schüler bei einem kriegsversehrten Trainer seine ersten Judo-Stunden bekam, das Judo nie aufgegeben, „weil es mir immer wieder geholfen hat, den Kopf frei zu bekommen.“

Auch im Alter noch fit und fröhlich

Und wie lange will der „Judo-Opa“ im Rahmen des von CBE-Mitarbeiterin Marlies Rustemeyer betreuten Ziel-Projektes noch als ehrenamtliche Judo-Trainer mit den Hexbachtal-Schülern auf die Matte gehen? „Also am Rollator werde ich nicht mehr auf die Matte gehen. Aber solange ich noch fit bin, mich gerne bewege und den Kindern etwas auf ihren Lebensweg mitgeben kann, mache ich weiter“, sagt der Judo-Altmeister und lächelt mit spitzbübischem Charme. Marlies Rustemeyer, die sein Judo-Training im Auftrag des Centrums für bürgerschaftliches Engagement organisatorisch begleitet, bewundert Hausmann, „weil er mit seinen 80 Jahren noch so fit ist, immer gute Laune hat und als Mensch eine herausragende Persönlichkeit ist.“ Thomas Emons
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