Ein Projekt, das Leben rettet

Ein tödlicher Kanu-Unfall 2003 in Bochum gab den Anstoß: Ein Mann ertrank, weil der Rettungswagen auf der falschen Seite des Flusses gelandet war. Ein Augenzeuge rief daraufhin das „Ruhr-Standortinformations-System“ ins Leben: Tafeln mit Hinweisen zum exakten Standort entlang der Ruhr. Eine Schüler-AG sorgt nun dafür, dass „RuSIS“ nun auch in Mülheim verwirklicht wird.

Vielleicht werden diese acht Schüler irgendwann einmal durch ihren Einsatz zum Lebensretter. Dann, wenn dank der Schilder entlang der Mülheimer Ruhrufer die Feuerwehr schnell genug zu einem Verunglückten findet. Bis dahin werden aber noch einige Monate ins Land gehen.

Vorangetrieben hat das Projekt der Mülheimer Gitarrenbauer Dirk Jungbluth. Er erfuhr von RuSIS, auch, dass es diese hilfreichen Schilder in Mülheim nicht gibt. Bei den Leitern der Rembergschule, Peter Kalde, und der Realschule Stadtmitte, Sabine Dilbat, fand er motivierte Partner. Gemeinsam bildeten beide Schulen zu Beginn des Schuljahres eine Arbeits-AG.

Drei Schüler der Rembergschule und fünf Schüler der Realschule beschäftigen sich seit Monaten nun mit „RuSIS“. „Wenn wir gewusst hätten, was auf uns zukommt, dann hätten wir das vielleicht nicht gemacht“, bekennt die 13-jährige Desiree. Denn den bürokratischen Aufwand haben die Schüler sicher unterschätzt. Unter der Anleitung von Dirk Jungbluth kümmern sie sich um alles: Diverse Ämter mussten angeschrieben werden, acht an der Zahl, um die Genehmigung zur Aufstellung der Schilder einzuholen. Anträge wurden gestellt, und gemeinsam mit der Feuerwehr unter der Federführung von Einsatzplaner Florian Lappe Stellen und Zuwegungen ausgesucht, an denen die Schilder aufgestellt werden können.

Umso stolzer sind die Schüler auf ihren Erfolg. „Das war schon was anderes als in der Schule“, bekennt der 15-jährige Mike. „Hier haben wir auch Briefe schreiben geübt, aber die gingen ja nicht an einen echten Empfänger“. „Am Anfang waren wir schon sehr unsicher, das hat sich aber schnell gelegt“, weiß die 13-jährige Jana. „Wir haben immer schnell eine Antwort auf unsere Briefe bekommen. Besonders gefreut hat uns, dass man uns nicht wie Kinder behandelt hat, sondern wie Bürger, die ein Anliegen haben“.

Auch um die Finanzierung des Projektes mussten sich die Schüler selber kümmern, haben bei Sponsoren vorgesprochen - und überzeugt. Alleine Sparda-Bank, RWW und Vollmer-Gruppe geben je 1000 Euro und übernehmen damit den Hauptteil der Finanzierung des Projektes, das rund 3500 Euro kosten wird.

"Hier lernen die Schüler etwas fürs Leben"

58 Schilder sollen entlang des 14 Kilometer langen Mülheimer Ruhrufers auf beiden Seiten aufgestellt werden, der Höchstabstand beträgt 600 Meter. In den nächsten Monaten wird es weitere Begehungen mit der Feuerwehr geben und Preise für die Schilder werden eingeholt. Es folgt ein praktischer Teil in der Werkstatt der Rembergschule, wo Schilder und Pfosten für das Einsetzen vorbereitet werden. Im Laufe des kommenden Jahres sollen dann die Schilder unter Begleitung der zuständigen Ämter von der Schüler-AG eingesetzt werden.

Eltern und Schulleiter sind jedenfalls unisono begeistert: „Die Schüler lernen bei diesem Projekt fürs Leben“, freut sich Peter Kalde. Und auch Burkard Klein, Leiter der Mülheimer Feuerwehr, freut sich. „Wir halten das Projekt für sehr sinnvoll, nur hatte die Stadt bisher kein Geld, das zu finanzieren“. Die genauen Koordinaten der Schilder werden in Zukunft in den Einsatzleitrechner eingespeist, so dass die Retter im Notfall nicht nur wissen, wo sich eine verunglückte Person befindet, sondern auch den kürzesten Weg dorthin kennt.

Autor:

Regina Tempel aus Mülheim an der Ruhr

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