Einrichtung "Wir sind töfte" jetzt auch in Mülheim

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In der geräumigen Küche kann gemeinsam gekocht und gegessen werden. (Foto: PR-Köhring/AK)

Die erste Einrichtung „Wir sind töfte“ gibt es seit vier Jahren in Essen. Seit Juni ist die einzigartige Wohn-Einrichtung auch auf der Mellinghoferstraße 254 ansässig. Eine Art Trainingswohnung steht jungen Müttern, überforderten Familien oder für Familienzusammenführungen zur Verfügung. Judith Möll leitet die Einrichtung und ist wie ihre Kollegin Valerie Meyer Sozialpädagogin.

Derzeit werden in der Dümptener Wohnung fünf Familien betreut. „Jeder der kommt, hat seine eigene Bezugsperson, erläutert Valerie Meyer. Judith Möll: „Wir leben hier Alltagsstrukturen vor.“ Morgens wird gemeinsam gefrühstückt, geputzt und später eingekauft. „Bei uns bekommen Familien Hilfe zur Verselbständigung.“ Alle, die in die Einrichtung kommen, haben eigene Wohnungen. Valerie Meyer: „Wir arbeiten ausschließlich für das Jugendamt Mülheim.“ Sie war nach ihrem Studium in einer Mutter-Kind-Einrichtung in Oberhausen tätig, bevor sie sich „Wir sind töfte“ angeschlossen hat. Zuschüsse bekommen sie nicht, abgerechnet und gefördert wird die Einrichtung über „die pflegepartner GmbH“, die das Projekt unterstützen.

Die Grundidee der Einrichtung ist, dass die Familien Organisationsstrukturen mit nach Hause nehmen und in den eigenen Haushalt integrieren. Strukturen zur Alltagsbewältigung werden hier 1:1 vermittelt. Damit wird eine Nische zwischen ambulanter und stationärer Unterbringung abgedeckt. Die zumeist deutschen Familien werden bei Behördengängen oder bei schulischen Problemen begleitet, aber in ihrem häuslichen Umfeld belassen. Im Gegensatz zur Tätigkeit von Jugendämtern bleibt die Privatsphäre gewahrt. „Wir gehen nicht ausschließlich zu den Leuten nach Hause,“ erläutert Judith Möll zum Konzept der Einrichtung. Sie selbst kommt beruflich aus der Heim- und Hortunterbringung und ist seit 2007 für „die pflegepartner GmbH“ tätig, seit dem Sommer ist sie Leiterin der neuartigen Einrichtung in Mülheim.

Die Anforderungen an die Sozialpädagogen sind ganz unterschiedlicher Art: Zurzeit wird eine Mutter mit zwei Kindern begleitet, die sich von ihrem Mann unter schwierigen Bedingungen getrennt hat. Ein Frauenhaus kam nicht in Frage. Sie ist vor allem dankbar, ihr Leben allein in den Griff zu bekommen. Ein junger Vater hatte sich von seiner neuen Lebenspartnerin getrennt und stand mit seinem Sohn von jetzt auf gleich auf der Straße. Beide konnten in der Einrichtung für vier Wochen aufgenommen werden und das Kind musste nicht in fremde Obhut. Nach ein paar Wochen konnte der alleinerziehende Vater eine eigene Wohnung finden und mittlerweile auch einen neuen Arbeitgeber. Er und sein Sohn kommen immer wieder in die Einrichtung. Es können aber auch Kinder, die in fremder Obhut waren, langsam wieder in das eigentliche Familienleben integriert werden – und das in der neutralen Wohnung an der Mellinghofer Straße. Die Wohnung ist eine ehemalige Arztpraxis und verfügt über Wohn- und Essbereiche, Schlafzimmer, Babyzimmer, Spielzimmer und eine geräumige Küche. Dort kochen die Familien gemeinsam mit dem Team.
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Claudia Jacobs aus Mülheim an der Ruhr | 01.11.2016 | 19:58  
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