Ihre große Chance: 13 junge spanische Apotheker freuen sich auf Festanstellungen

Anzeige
Empfang der spanischen Apotheker im Schalkestadion. (Foto: Foto: privat)

Die Apotheker-Kooperation Migasa hat in ihrem Pilotprojekt junge arbeitslose Kollegen aus Spanien geholt und begegnet so dem hiesigen Apothekermangel. Nach einem halben Jahr in Deutschland legen die Pharmazeuten nun ihre Sprachprüfungen ab.


Paula Navarro ist aus Sevilla nach Mülheim gekommen und will sich hier ein neues Leben als Apothekerin aufbauen. In Spanien war sie nach ihrem fünfjährigen Studium arbeitslos. Genau wie zwölf weitere junge Pharmazeuten, die seit Sommer letzten Jahres in Apotheken im Ruhrgebiet und Ostwestfalen hospitieren.
Nachdem sie schon in Madrid drei Monate lang gemeinsam Deutsch lernten, konnten sie im Dezember nach einem Intensivsprachkurs die anspruchsvolle C1-Sprachprüfung ablegen. Die zusätzliche Fachsprachprüfung für Apotheker haben bereits vier von ihnen erfolgreich absolviert.
Paula Navarro lernt nun fleißig, um sich Ende Februar in der Bezirksregierung prüfen zu lassen. Wie die gesamte Gruppe ist die 24-Jährige hoch motiviert und hat sich trotz des grässlichen deutschen Winterwetters gut hier eingelebt. „Ich lerne jeden Tag sehr viel und habe ein Ziel.“
„Wir sind äußerst zufrieden damit, wie das erste Halbjahr unseres Pilotprojekts verlaufen ist“, freut sich der Mitinitiator und Mülheimer Apotheker Patrick Marx, Paula Navarros Chef. „Wir hatten erwartet, dass die jungen Leute mehr Probleme haben, sich hier einzuleben, und vielleicht einige doch nach Spanien zurück wollen.“ Nur ein junger Mann trat schweren Herzens die Heimreise an, um die Stelle seines erkrankten Onkels in der Apotheke seiner Familie einzunehmen.
Die Gruppe der spanischen Uniabsolventen ist ständig in Kontakt und unterstützt sich gegenseitig beim Einleben in Deutschland. Ihre Arbeitgeber haben mit ihnen nicht nur das Migasa-Blisterzentrum, sondern zum Beispiel auch den Essener Weihnachtsmarkt besucht, wo passenderweise „spanische Woche“ war.
Noch hospitieren die Nachwuchskräfte nur in den Apotheken. Sobald sie die Fachsprachprüfung geschafft haben, können ihre neuen Vorgesetzten sie fest anstellen und ihnen auch Verantwortung für beispielsweise Nachtdienste übertragen. „Ich rechne fest mit Frau Navarro“, erklärt Patrick Marx. Wie viele deutsche Kollegen hat er schon länger Schwierigkeiten, die Stellen in seinen drei Mülheimer Apotheken mit Fachpersonal zu besetzen. In Spanien hingegen sind sehr viele Pharmazeuten arbeitslos. So ist das Projekt der Migasa ein großer Gewinn für beide Seiten: Die jungen Spanier bekommen hier unbefristete Stellen in ihrem erlernten Beruf und verdienen doppelt so viel wie zu Hause; die deutschen Apotheker können auf ehrgeizige junge Leute zurückgreifen.
Alle 13 Auswanderer wollen hier bleiben, einige zieht es allerdings in Großstädte wie Hamburg oder Berlin. Paula Navarro hat doppeltes Glück: Sie freut sich auf ihre Stelle in Mülheim und hat hier ihren Freund kennengelernt.
„Im nächsten Schritt holen wir nun eine Pharmazeutisch-Technische Angestellte (PTA) aus Spanien nach NRW, um zu sehen, wie das mit ihrer Anerkennung läuft“, erzählt Patrick Marx, der seine junge Kollegin als neues Teammitglied sehr schätzt. Bald sollen weitere PTA und Apotheker aus Spanien folgen. Laut Patrick Marx hat das Projekt schon Nachahmer gefunden. Er hält aber gerade die Dynamik der Gruppe für wichtig, denn sie hilft enorm bei der Herausforderung, ohne Familie und Freunde in einem anderen Land zu leben, Deutsch sowie die deutsche Fachsprache zu lernen und sich an den Arbeitsalltag zu gewöhnen.
0
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.