In der Weihnachtsbäckerei: Rezepte gesucht

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Peter (l.) und Bernd Hemmerle führen die Stadtbäckerei Hemmerle mit Sitz an der Neckarstraße. (Foto: PR-Foto Köhring/AK)
 
Bernd Hemmerle kümmert sich um die Pumänner. (Foto: PR-Foto Köhring/AK)
 
Vielfältiges Weihnachtsgebäck wird in diesen Wochen angeboten. (Foto: PR-Foto Köhring/AK)
Mülheim: Stadtbäckerei Hemmerle | Da kommen Erinnerungen hoch: Kaum betrete ich die Großbackstube der Stadtbäckerei Hemmerle an der Neckarstraße 20, fühle ich mich wieder wie ein kleines Mädchen.

Damals, ich war vielleicht sieben oder acht Jahre alt, bin ich das erste Mal ganz allein zu unserem Bäcker um die Ecke gelaufen. Um kurz vor sieben. Mama und Papa haben noch geschlafen und ich wollte sie unbedingt mit einem Frühstück überraschen. Pech nur, dass die Bäckerei geschlossen hatte. Zumindest offiziell. Denn: Wer zu früh kam, musste trotzdem nicht mit leeren Händen nach Hause - im Gegenteil. Die Frühaufsteher kamen in einen ganz besonderen Genuss. Sie durften über den Hof, direkt zum Hintereingang der Backstube und die ofenfrischen Brötchen direkt vom Blech in die Tüte packen und mit nach Hause nehmen. Diesen Duft, der einem entgegenströmte, wenn die Hintertür aufging, werde ich wohl nie vergessen. Das ist eine echte Kindheitserinnerung. Kein Wunder also, dass ich mich freiwillig bereit erklärte, der Stadtbäckerei Hemmerle einen Besuch abzustatten und mit den beiden Geschäftsführern Brötchen, Stuten und Pumänner zu backen.
Zugegeben: Ein bisschen überrascht war ich schon, als ich die Halle an der Neckarstraße betrat. Wenig erinnert hier an die kleine „Bäckerei umme Ecke“. Backbleche, Regal- und Hordenwagen sowie Backöfen, so weit das Auge reicht. In der einen Ecke kneten die Bäcker noch die letzten Brote, in einer anderen wird den Pumännern die typische Tonpfeife verpasst.
Insgesamt werden pro Tag wohl zwischen 13.000 und 14.000 Brötchen, 1.000 Stuten und zahlreiche Gebäcke, Teilchen und Kuchen gebacken. Einzig aufwendige (Sahne-)Torten können hier nicht gemacht werden. Ansonsten stammten 100 Prozent der Waren aus dem Verkauf aus eigener Produktion. Weiter hinten in der großen Halle versucht sich eine Gruppe Grundschulkinder an ihren ersten Teilchen. Direkt vor mir steht ein Regalwagen mit Spekulatius. Da ist die Versuchung groß.

Die Chemie zwischen den Brüdern stimmt

„Spekulatius gibt es ab Anfang September“, erklärt mir Bernd Hemmerle. Er führt gemeinsam mit seinem Bruder Peter den Familienbetrieb und ist vor allem Herr über die Backstube. Aus gesundheitlichen Gründen - „Ich bin allergisch gegen Mehl!“ - kümmert sich Peter Hemmerle vorwiegend um den kaufmännischen Bereich, eben „das Alltagsgeschäft“. Dass die beiden das Unternehmen der Eltern einmal übernehmen, war ursprünglich nicht geplant. Aber: Die Chemie habe einfach gestimmt, man könne sich blind auf den anderen verlassen. „Ein Baustein unseres Erfolgs“, sind sich die Bäckermeister einig. Sie sind mit Leidenschaft dabei, viel Herzblut stecke drin. Darüber hinaus dürfe man das Privatleben allerdings nicht vergessen. Den beiden beratend zur Seite steht Vater Heinz Hemmerle. Auch bei meinem Besuch hat er es sich im Büro bequem gemacht und erzählt aus alten Zeiten. Die gute Seele des Hauses ist jedoch Leni Hemmerle geb. Arens. „Sie ist 52 Jahre lang aktiv im Beruf gewesen, ohne sie würde der Betrieb nicht funktionieren“, schwärmt der Ältere von seiner Mutter. „Jetzt ist sie im wohlverdienten Ruhestand und kommt nur noch zu Besuch.“
Viel Zeit können die Brüder im Moment nicht für sie erübrigen. Auch sie stecken mitten in den Vorbereitungen für die Weihnachtszeit. Neben dem Spekulatius sind vor allem Christstollen gefragt. „Die gibt es schon seit Anfang November“, erklärt Bernd Hemmerle. Ein hochwertiges Produkt, weil „sehr aufwendig in der Produktion“, ist der Amarena-Walnuss-Stollen. Beliebt sind im Winter aber auch Backwaren mit Äpfeln oder Kartoffeln. „Das Sortminent wird immer größer“, weiß Peter Hemmerle. Aber: „Wir versuchen gern, jeden Wunsch zu erfüllen.“ Auch Bestellungen werden entgegengenommen. An erster Stelle stünden der Service und die Qualität sowie die Optimierung. „Wir haben nicht das Bestreben zu expandieren, möchten nicht zu groß werden“, erklärt der Bäckermeister die Philosophie des Familienbetriebs. Lieber möchte man das, „was wir in Mülheim und drum herum haben, halten und behaupten“. Derzeit beschäftigen die Brüder rund 150 Mitarbeiter im Hauptsitz und in zwölf Filialen in den Bereichen Verkauf, Produktion, Büro, Lieferung und Reinigung.

Gewinnspiel: Bestes Rezept gesucht

Sie backen selber leidenschaftlich gern? Und würden Ihre Backware gern in der Auslage beim Bäcker sehen? Dann schicken Sie einfach bis Sonntag, 22. Dezember, Ihr Lieblingsrezept sowie Name, Adresse, Alter und Telefonnummer mit dem Betreff „Mein bestes Rezept“ an info@baeckerei-hemmerle.de. Unter allen Einsendungen suchen Peter und Bernd Hemmerle das beste Rezept aus - und backen dieses im Januar nächsten Jahres gemeinsam mit dem Gewinner in der Großbackstube an der Neckarstraße. Anschließend wird das Produkt in ausgewählten Filialen der Stadtbäckerei verkauft.

Zeittafel der Stadtbäckerei Hemmerle

- Im Jahr 1927 gründet Albert Arens die Mülheimer Stadtbäckerei. Die war jedoch mehr als eine Backstube: Vor allem während der (Nach-)Kriegszeit wurden allerhand weitere Lebensmittel angeboten. Regelmäßig ist der Gründer außerdem mit seinem Motorrad mit Beiwagen durchs Dorf gefahren und hat die Waren auf Wunsch geliefert.
- Die Jüngste der drei Töchter, Leni Arens, heiratete in jungen Jahren Heinz Hemmerle. Gemeinsam mit ihrem Mann übernahm sie im Jahr 1961 den elterlichen Betrieb und benannte diesen in „Stadtbäckerei Hemmerle“ um.
- Im Jahr 1962 wird Peter Hemmerle geboren, sechs Jahre später kommt sein Bruder Bernd zur Welt. Heute sind die beiden Geschäftsführer der Stadtbäckerei Hemmerle. Bruder Jörg arbeitet im technischen Bereich in Aachen.
- Die Backstube befand sich am Dickswall. Die erste Filiale wurde 1963 an der Leineweberstraße eröffnet. „Zu dieser Zeit war es ungewöhnlich, eine Filiale zu eröffnen“, erinnert sich Peter Hemmerle. Sein Vater Heinz ließ sich davon jedoch nicht abschrecken - im Gegenteil.
- In den Folgejahren wurden weitere Filialen eröffnet: 1974 an der Honigsberger Straße in Heißen, 1982 an der Düsseldorfer Straße 55 in Saarn, 1989 am Kohlenkamp (heute Schloßstraße).
- Zu dieser Zeit zeichnete sich schon ab, dass die beiden Brüder Peter und Bernd das Unternehmen einmal weiterführen.
- Im Jahr 1992 wurde die zweite Filiale in Saarn, diesmal an der Düsseldorfer Straße 87, in Betrieb genommen. Eigentlich sollte in diesem Zuge die erste geschlossen werden. Da aber beide Filialen gut angenommen wurden, entschieden sich die Unternehmer, an beiden Adressen weiterhin Backwaren zu verkaufen.
- An der Duisburger Straße 255 in Speldorf wurde im Jahr 1994 ein weitere Geschäft eröffnet.
- Im Oktober 1996 wurden die Backwaren erstmals in der neuen Großbackstube an der Neckarstraße 20 produziert. Weil die Räumlichkeiten am Dickswall zu klein geworden waren, war ein Umzug Richtung Mülheimer Hafengebiet unausweichlich.
- Im Februar 1997 machte das erste Geschäft im Forum Mülheim auf. Dieses wurde vor zwei Jahren komplett renoviert.
- Umfangreiche Maßnahmen sind auch in Broich (Januar/Februar 2014), an der Leineweberstraße (Sommer) und in Speldorf (Oktober/November) vorgenommen worden. Weitere sind in Saarn und Heißen geplant.
- Ebenfalls existieren an der Ulmenallee in Broich, an der Oberhausener Straße in Styrum, an der Kappenstraße in Dümpten und an der Kölner Straße in Selbeck weitere Filialen.
- Alle zwölf Filialen verfügen über einen Cafébereich in unterschiedlichen Größen.
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