Je tauber, desto Beethoven 

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Oskar ("auf Platte")


Wenn Ihnen in einer tierlieben Sendung oder auch im wirklichen Leben ein Hund angeboten wird, der Beethoven heißt, lassen Sie die Finger davon und hören Sie bitte auf mich, denn der Hund kann es nicht, er ist taub!

Sehr wahrscheinlich jedenfalls. Warum hieße er sonst Beethoven? Gut, der Wiener Klassiker war nebenbei auch knurrig. Aber das macht ihn als Namenspatron für Ihren armen wehrlosen Bernhardiner auch nicht gerade sympathischer.

Inspektor Columbo wollte seinen Zeitlupen - Bassett zunächst auch Beethoven nennen, hatte dann aber eine tiefere Einsicht in das Wesen tierischer Individuen und nannte ihn schlicht „Hund“. Denn wissen wir, wie die Tiere wirklich heißen, wie sie sich untereinander nennen? Möglicherweise geben sie uns Menschen Namen, die uns schaudern machten, wenn wir sie denn erführen! Das wäre nur rechtens, denn kein Tierschutzverein schreitet ein, wenn wir unseren vierbeinigen Schutzbefohlenen die albernsten Namen anhängen, wenn wir uns mit „Anselm“ und „Gottfried“ an einer hündischen Reinkarnation verstorbener Verwandter ergötzen oder eine „Rex“ benannte Schäferhündin brutal zur namentlichen Geschlechtsumwandlung zwingen.

Dabei ist es so einfach, einen sinnvollen Namen zu wählen. Längst gibt es - wie weiland unsere Vornamenlisten im Familienstammbuch - umfangreiche Listen von Tiernamen, nach Katzen, Hunde, Kaninchen, Pferde und Vögel geordnet. Hunde haben dabei die größte Auswahl. Selbst unter Q, X, und Y gibt es noch so eine erstaunliche Vielfalt, dass man damit bequem ganze Glossenspalten ausfüllen könnte. Natürlich sind da angloamerikanische Quincys dabei, und die Yennas und Yakkos könnte man auch mit J schreiben. Aber Xerro, Xenia und Xilo erinnern doch eher an Geräusche als an Namen. Gut möglich, dass sich ein solcherart gerufener Hund durch das ständige „Kss - Kss“ ein chronisches Ohrenleiden zuzieht und lieber nichts mehr hören möchte - wie etwa Beethoven.

Hand auf’s Herz: Wir Menschen geben den Tieren ja nicht Namen, damit wir sie rufen können. Sie kommen auch, wenn wir statt „Herbert“ schlicht „Hierher“ rufen oder „I-ah“ oder auch nur pfeifen. Die Namen sollen doch nur Bewunderung auslösen bei den Menschen, die uns beim Rufen zuhören. Z.B. „Nobelpreis“ oder „Oscar“!

Zu Zeiten eines hyperaktiven FDP-Bundesministers rief ich unseren Hund, der überwiegend auf den Namen Charly hörte, zum Gaudi aller Gassigeher stets und laut „Möllemann“. So würde ich auch, wenn ich mal keinen Hund mehr haben sollte, nicht davor zurückschrecken, unser Meerschweinchen „Merkel“ und den zugelaufenen Igel im Garten „Seehofer“ zu nennen - wenn uns denn jemand zuhören würde.
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Renate Smirnow-Klaskala aus Essen-Nord | 14.06.2018 | 11:40  
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Franziskus Firla aus Mülheim an der Ruhr | 14.06.2018 | 12:08  
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