Jonas bester Freund - über "filiz-rollidogs" fand Jonas seinen Behindertenbegleithund

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Jonas (li.) und Claudia Hofelich üben mit der Trainerin Filiz und den beiden Collies im Garten. (Foto: Foto: PR-Foto Köhring/SM)

Es gibt wenige Dinge, die so wertvoll sind wie die Freiheit, den Alltag selbstständig zu bewältigen. Mit Fargo wurde dem schwerbehinderten Jonas aus Mülheim die einzigartige Chance geboten, gelegentlich ohne Hilfe von Mitmenschen auszukommen



Von Yara Deeb

Schon seitdem er zwölf Tage alt ist, lebt Jonas bei seinen Pflegeeltern Barbara und Claudia Hofelich. Da war noch nicht ganz klar, was der kleine blonde Junge für eine Behinderung hat. Denn neben einer Epilepsie-Erkrankung und einer Tetraspastik leidet der Sechsjährige zusätzlich an einem Gendefekt, der bis heute unbekannt und nicht erforscht ist. Für Barbara und Claudia - die selbst psychiatrische Krankenschwester ist - war das aber nie ein Problem. "Durch seine Krankheit ist er sehr früh wach, meistens schon um 4 Uhr morgens - dann beginnt auch mein Tag", schmunzelt Claudia, die für Jonas ihren Beruf als Krankenschwester aufgegeben hat.

Und trotzdem merkt die Familie, dass Jonas etwas fehlt. "Er ist extra in einem integrativen Kindergarten, aber da ist er der Einzige mit einem Rollstuhl und wird deswegen oft ausgegrenzt", fügt die Mutter hinzu. In der Hoffnung, Kontakte zu knüpfen, gingen die Hofelichs auf die Messe Rehacare nach Düsseldorf. Dort sind sie auf Filiz Erfurt und ihren Verein filiz-rollidogs getroffen. Die türkischstämmige Frau bildet über ihren Verein Behindertenbegleithunde aus.
Das Außergewöhnliche: Filiz ist selbst seit ihrem elften Lebensjahr querschnittgelähmt und weiß deshalb genau, welche Situationen Rollstuhlfahrern im Alltag zum Verhängnis werden. Nachdem sich Filiz mit Claudia und Barbara lange über Jonas unterhalten hatte, war für die Familie klar- Jonas soll einen vierbeinigen Freund und Helfer bekommen. Da Jonas zu dem Zeitpunkt erst vier Jahre alt war, wurde noch zwei Jahre gewartet.

Im Winter dieses Jahres konnte das Abenteuer dann beginnen. Die Ausbildung bei Filiz ist besonders. "Ich möchte, dass von Beginn an die Besitzer mit einbezogen werden und den Hund mittrainieren, denn Bindung, Vertrauen und Respekt sind die Basis einer guten Ausbildung," sagt Filiz. Dieses Konzept fing schon bei der Wahl des Hundes an. Bei der Züchterin Britta Steckelmann vom Hasslinger Bruch wurde mit der ganzen Familie ein Wurf besichtigt. Nur eines war schon vorher klar: Es wird ein Collie. Filiz ist von dieser Hunderasse vollkommen überzeugt. "Als Behindertenbegleiter muss ein Hund hochintelligent, sehr sensibel und trotzdem ruhig sein. Collies vereinen alle positiven Eigenschaften in sich", schwärmt die Trainerin. Die Welpen, die sich Jonas und seine Eltern angeschaut haben, waren erst drei Wochen alt. In dieser Zeit ist schon gut zu erkennen, ob das Tier die nötige Gelassenheit hat, ein Behindertenbegleithund zu werden.

Sobald Welpen auf einen fremden, anders riechenden Arm gelegt werden, bedeutet das Stress und Unruhe. Der kleine Rüde Fargo hingegen lag auf Jonas Arm und schlief ganz entspannt weiter. "Es war toll, Fargo hat sich Jonas ausgesucht", erzählt Filiz glücklich. Nun ist der kleine Collierüde schon fünf Monate alt und das Verhalten von Jonas hat sich durch ihn sehr verändert. Jetzt hat er einen Freund, auf den er sich nach dem Kindergarten freuen kann. Dann sitzt Fargo schon an der Treppe und wartet sehnsüchtig auf Jonas. "Das hat ihm neues Selbstbewusstsein geschenkt, er ist stolz darauf, einen eigenen Hund zu besitzen." erzählt Claudia. Aber auch in brenzligen Situationen kann Fargo Jonas helfen.

"Er ist ein Epilepsie-Warnhund und hat schon einmal angeschlagen, als Jonas einen Anfall hatte und wir es nicht bemerkt haben", fügt sie hinzu. Der kleine Hund ist aber noch in der Ausbildung, die insgesamt 8.000 Euro kostet und zwei Jahre lang dauert. Einmal die Woche kommt Filiz vorbei und trainiert, meistens draußen im Garten der Hofelichs, mit Jonas, Claudia und Fargo. "Der Kleine kann für sein Alter schon sehr viel, aber das ist auch wichtig, weil er bald die Prüfung zum Behindertenbegleithund bestehen soll", erwähnt Filiz. Bis dahin wird der beige-weiße Rüde weiter üben, Gegenstände zu apportieren, Jonas Socken auszuziehen und ihn schon bald ein paar Meter mit dem Rollstuhl zu schieben.

Als gemeinnütziger Verein ist filiz-rollidogs von Spendengeldern abhängig.
Filiz möchte nicht nur Menschen die viel Geld haben helfen, sondern denen, die hilfsbedürftig sind. Besonders stolz sind Familie Hofelich und Filiz über die Spendenaktion "Lauf für die Liebe", bei der für Jonas und zwei andere behinderte Kinder Geld "erlaufen" wurde. Insgesamt 4.000 Euro kamen für Jonas und Fargo zusammen.

>>Der Verein freut sich über Spendengelder zur Unterstützung der Ausbildung von Behindertenbegleithunden, denn die 8000 Euro teure Ausbildung wird nicht von Krankenkassen bezuschusst und muss privat bezahlt werden. Kontakt per Mail unter info@filiz-rollidogs.de oder unter Tel. 0201-368764.
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