Perlen der Medienkunst im „Makroscope“

"Esthétique" (1993) von Jean-François Robic | Foto: Makroscope
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  • "Esthétique" (1993) von Jean-François Robic
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Seit nunmehr vier Jahren ist der gemeinnützige Kunstverein „Makroscope“ im Ruhrgebiet aktiv. Dabei werden die Räumlichkeiten an der Friedrich-Ebert-Straße 48 regelmässig als Ausstellungsort für verschiedenste künstlerische Disziplinen genutzt. Ab Sonntag, 3. Dezember, 15 Uhr, präsentiert Klaus Urbons die Ausstellung „Perlen der Medienkunst“. Gezeigt werden nationale wie internationale Künstler, deren Werke aus der frühen Medienkunst zu ihrer Zeit kaum bekannt geworden sind.

Den Stein zur Ausstellung ins Rollen gebracht, hat laut Klaus Urbons der Hamburger Galerist und Kunstgeschichtler André Chalil. „Er rief mich eines Abends aus heiterem Himmel an und erzählte mir, er habe einige spannende Bücher gefunden, die er mir unbedingt zukommen lassen muss“. Einige Tage später bekam Klaus Urbons fünf Bücher per Post zugestellt. Beim durchstöbern wurde Klaus Urbons unter anderem auf die Gemeinschaftsarbeit „Global-Art-Fusion“ aufmerksam.

Symbolik für Frieden

Diese Fax-Kooperation zwischen den Künstlern Joseph Beuys, Kaii Higashiyama und Andy Warhol wurde 1985 von Ueli Fuchser konzipiert und kurariert. Bei dieser Gemeinschaftsarbeit der drei Künstler wurde ein Fax um die Welt geschickt und ein gemeinsames Werk kreiert. Dabei soll die Gemeinschaftsarbeit als eine Symbolik für den Frieden fungieren. „Mich begeistert die Idee dahinter“, schildert Klaus Urbons. „Vor allem aber auch welche Künstler an dem Werk mitgearbeitet haben. Das Werk ist für mich ein Bonbon für die Ausstellung“.

Doch Klaus Urbons Sammlung umfasst nicht nur die „Global-Art-Fusion“. Neben dem deutschen Künstler Joseph Beuys werden auch Werke der Amerikanerin Sonia Sheridan, der Kanadierin Sarah Jackson, der Holländerin Lieve Prins, des Franzosen Jean-Francois Robic sowie den Mülheimer Künstlerinnen Dore O. und Ingrid Lievenbrück ausgestellt.

Die Werke der beiden Mülheimerinnen Ingrid Lievenbrück und Dore O. beschäftigen sich mit dem Thema „Wärme“. Der elfminütige Experimentalfilm „Thermoment“ von Dore O. ist eine visuelle Thermokomposition in Analogie zu einer musikalischen Komposition. „Ich habe den Musiker Eckard Koltermann beim Spielen seiner Klarinette mithilfe von zwei Kameras gefilmt“, erinnert sich Dore O. „Dazu habe ich Eckard Koltermann in mein Atelier gesetzt und zwei Kameras auf ihn gerichtet. Zum einen war das eine Wärmebildkamera, die sonst zur Krebserkennung benutzt wird und zum anderen habe ich ihn mit meiner normalen Kamera aufgenommen.“

Die Aura der Musik

Dabei habe der Jazzmusiker mehrmals an seiner Klarinette Melodien improvisiert, die aufgenommen und im Sieben-Viertel-Rhythmus übereinander geschichtet wurden. „Mit meinen Fotos und Filmen will ich die Aura von Musik abbilden. Während der Improvisation hat die abstrahlende Wärme das Gesicht von Eckard Koltermann wärmetechnisch neu gestaltet“, erklärt Dore O. „In meinen Augen ist der Film sehr eindrucksvoll“, ergänzt Klaus Urbons.

Auch Ingrid Lievenbrücks Werke stellen das Thema „Wärme“ in den Vordergrund. Bei ihren Arbeiten nutzt sie ein Bügeleisen um aus normalem Faxpapier Kunstwerke entstehen zu lassen. „Dabei stelle ich immer wieder fest, dass zu viel Druck beziehungsweise Wärme auf dem Papier das Werk negativ beeinflussen kann. Den gleichen Effekt stelle ich aber auch fest, wenn ich nicht fest genug auf das Papier drücke“, erklärt Ingrid Lievenbrück.

Bei einem ihrer Werke zur Ausstellung hat sich Ingrid Lievenbrück von der Geschichte eines Vulkanologen inspirieren lassen. „Ich habe in einem Zeitungsartikel von ihm erfahren“, erinnert sich Ingrid Lievenbrück. „Der Vulkanologe hat einen Internetblog betrieben und ist eines Tages bei einer Expedition spurlos verschwunden. Seine poetischen Texte im Blog und die Geschichte haben mich dann zu meinem Werk „Wie zufällig ist der Zufall“ angeregt.

Öffnungszeiten

Die kostenlose Ausstellung „Perlen der Medienkunst“ öffnet am Sonntag, 3. Dezember, nach der Verleihung des Ruhrpreises an Klaus Urbons gegen 15 Uhr. Einlass zur Verleihung ist bereits um 13.30 Uhr. Die Ausstellung ist bis 1. Februar 2018 donnerstags von 16 bis 19 Uhr zugänglich oder täglich nach telefonischer Vereinbarung mit Klaus Urbons unter Tel. 01577 9217803.

Shiny-Toys-Festival zum achten Mal im Ringlokschuppen

Bereits am Samstag, 2. Dezember, verwandelt das Shiny-Toys-Team rund um Jan Ehlen ab 17 Uhr den Ringlokschuppen in ein Kunsthaus. „Wir feiern das Shiny-Toys-Festival mittlerweile zum achten Mal und versprechen wieder ein spannendes Programm mit internationalen Künstlern“, so Jan Ehlen. „Mit unserem auditiven, visuellen und audiovisuellen Festival möchten wir disziplinübergreifend Kunst und Wissenschaft vereinen und so eine Nische füllen.“

Wie in den Jahren zuvor sind die Gäste laut Jan Ehlen eingeladen sich durch den Ringlokschuppen zu bewegen um jede Performance zu sehen. „Es werden wieder alle Bühnen bespielt. Die Bühne zwei widmen wir dabei dem Freund und Unterstützer des Shiny-Toys-Festivals Werner Nekes, der in diesem Jahr leider verstorben ist. Dazu zeigen wir drei seiner experimentellen Langspielfilme aus den siebziger Jahren.“ Weitere Gäste sind unter anderem der Komponist und experimentelle Instrumentenbauer Pierre Bastien mit seinem mechanischen Orchester. Aus New York kommt der Pianist und Künstler Charlemagne Palestine. Er ist Pionier der Minimal Music, Installationskünstler und Besitzer hunderter Kuscheltiere, die Platz in seinen Installationen finden.

Johannes Bergmarken, Schwedischer Klang- und Performancekünstler, wird von zwei Klavierseiten von der Decke hängen und so ein Klavier stimmen. Das holländische Duo Mariska de Groot und Dieter Vandoren bieten eine Lichtshow mit Klang. Dabei orchestrieren laut des Duos skulpturale Lichtstrahlen das auftauchende pulsierende und wogende Feld. „Gerade durch die Leute, die sich durch den Raum bewegen, ist das Klangbild immer abwechselnd und spannend“, so Jan Ehlen.

Weitere Infos zum Festival sowie das komplette Programm und Karten gibt es auf der Homepage unter www.shinytoys.eu

Autor:

Fabian Kloster aus Mülheim an der Ruhr

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