Mit einem Tanz fing alles an: Die Seehafers feiern Heiligabend ihre Eiserne Hochzeit

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Albert und Waltraud Seehafer heirateten am 24. Dezember 1952. Fotos: PR-Foto Köhring
 
Nach 65 Jahren Ehe noch immer sehr verliebt.

Am 24. Dezember 2017 gibt es für Albert und Waltraud Seehafer einen ganz besonderen Anlass zum Feiern: Vor 65 Jahren, im Jahr 1952, haben sie an diesem Tag vor dem Standesamt in Mülheim geheiratet. Dieses Jahr feiern sie dann ihre Eiserne Hochzeit. Und schwelgen immer noch gerne in Erinnerungen an all die Jahre ihrer Ehe.

VON SIBYLLE BROCKSCHMIDT

Kennengelernt hat sich das Ehepaar in einem Kunststoffwerk in Essen-Kettwig. „Wir sind uns schon im Hof immer über den Weg gelaufen. Am Kameradschaftsabend haben wir dann endlich auch getanzt“, berichtet der 88-jährige Albert glücklich. Seine Frau hat die Geschichte etwas anders in Erinnerung: „Ich habe damals an der Stanze gearbeitet. Mein Mann musste sie dann immer reparieren kommen. Irgendwann hat er mich gefragt ‚Kennen Sie Kettwig?‘. Von da an sind wir immer spazieren gegangen, ein Jahr später haben wir uns verlobt und noch ein Jahr später geheiratet“, so Waltraud Seehafer lächelnd. Die 85-jährige Altmülheimerin ist hier geboren worden, und nach dem Krieg mit nichts als einem Handkarren zu Fuß auch wieder nach Mülheim zurückgekehrt. Ihr Mann Albert ist geborener Essener. Statt wie ursprünglich geplant in der Landwirtschaft zu arbeiten, begann er dann in Mülheim eine Lehre zum Werkzeugmacher. Eine gute Entscheidung, wie sich später herausstellte: In dem Haus, in dem das Ehepaar nun schon seit 1960 lebt, stammt vieles aus eigener Arbeit, von der Holzvertäfelung bis hin zum Stövchen hat Albert selbst Hand angelegt, und die ebenso geschickte Waltraud strickte, nähte und häkelte das Meiste allein. So lautet auch heute noch das Familienmotto: „Kann ich nicht, gibt et nicht“.

Dass sie ausgerechnet an Heiligabend geheiratet haben, hatte vor allem praktische Gründe. „Wir waren damals arm wie die Kirchenmäuse“, erinnert sich Waltraud lachend zurück. „Am 24. hat meine Mutter immer Kuchen gebacken und es gab Sauerbraten. Da dachten wir uns, da können wir ja auch direkt heiraten.“ Mit nicht viel außer einem von Albert aus einem Sägeblatt hergestellten Brotmesser und zwei Sesseln haben die Beiden dann ein gemeinsames Leben begonnen. Die kirchliche Hochzeit fand vier Jahre später statt und wurde durch die gleichzeitige Taufe aller vier Kinder an diesem Tag zu einem ganz besonders großen Fest.

Der 24. Dezember ist auch heute noch ein ganz besonderer Tag für sie, den sie auch jedes Jahr nur zu zweit verbringen. Bescherung gab es im Hause Seehafer auch immer erst am Morgen des ersten Weihnachtstages, der 24. war ganz allein ihr Tag. Im Urlaub waren die zwei nur selten, es gab immer viel zu tun. Aber Zeit für die Familie gab es immer, besonders die gemeinsamen Ausflüge auf Alberts Motorrad mit gesammeltem Obst im Anhänger sind beiden gut in Erinnerung geblieben. Daher wundert es kaum, dass Albert sich erst vor zwei Jahren von seiner 850er Honda getrennt hat und bis dahin häufig noch selber gefahren ist. „Genau wie früher,“ erinnert sich Waltraud, „da hat er früh morgens auf seinem Motorrad auch schon die ganze Siedlung geweckt.“

Heute können sie stolz auf eine große Familie mit vier Kindern, sechs Enkeln und fünf Urenkeln blicken. Für Januar hat sich schon Nachwuchs angekündigt, dann wird sich die Familie um zwei weitere Urenkel erweitern. Die Wand im Wohnzimmer, an der Fotos aller Familienmitglieder hängen, wird dann wohl bald nicht mehr genug Platz bieten. Am ersten Weihnachtsfeiertag kommen dieses Jahr alle im Ruhrkristall zusammen, dann feiern vier Generationen gemeinsam mit Albert und Waltraud ihren Jahrestag. Ein Rezept für die Liebe? Das ist laut Waltraud ganz einfach: „Man muss den Anderen respektieren und auch in schweren Zeiten zusammenhalten, dann bleibt die Liebe bestehen.“ „Und öfters auch mal nachgeben, aber wir Männer sind ja gütig“, ergänzt Albert schmunzelnd.
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