Mit Freifunk zum offenen WLAN

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Die Mülheimer Freifunk-Gruppe ist davon überzeugt, dass Freifunk die Lösung für einige der Probleme sind, die den Ausbau des öffentlichen WLans bisher verhindern. Das Foto zeigt (v.r.n.l.) Marina Körber, Andreas Körber, Rainer Nelbach und Yaroslav Dimont. (Foto: privat)

Kostenloses WLAN für alle ist in vielen Ländern schon Normalität, aber in Deutschland sucht man sogar in den Ballungszentren oft vergebens offene Netze. Mülheim bildet da keine Ausnahme. Inzwischen mahnt auch die Mülheimer Unternehmerschaft Internetverfügbarkeit und eine ausreichende Breitbandversorgung (schnelle Internetgeschwindigkeit) als existenziellen Standortfaktor an.



Während der Ausbau durch die Breitbandversorgung durch das Land gefördert wird, hängt die Internetverfügbarkeit eher von Einzelinitiativen ab. In Mülheim gibt es schon einige Hotspots, doch häufig ist ein Passwort erforderlich und die Nutzung in Hotels oder Cafés, aber auch im Medienhaus auf Kunden beschränkt. Das liegt auch daran, dass in Deutschland immer noch die Störerhaftung gilt. Das bedeutet: Betreiber offener Netze können für das verantwortlich gemacht werden, was ihre Gäste im Netz so treiben - eben auch für illegale Aktivitäten. Das scheuen die meisten. Dieses Gesetz soll zwar geändert werden, aber dafür werden voraussichtlich entsprechende Verschlüsselungsverfahren gefordert - freier Zugang bedeutet eigentlich was anderes.

Für die Mitglieder der Freifunk-Community in Mülheim ist ein städteweites, flächendeckendes WLAN-Netz, das frei zugänglich und dabei noch kostenlos ist, jedoch eine durchaus realistische Zukunftsvision. Und zwar eine, die man in relativ kurzer Zeit und mit minimalen Mitteln erreichen könnte, wie Yaroslav Dimont betont.

Das Prinzip von Freifunk sei bestechend einfach: Durch das Teilen der eigenen Bandbreite wird der Internetzugang für andere ermöglicht. In der Praxis funktioniert das so: Ein ganz gewöhnlicher WLAN-Router, den man mit spezieller und kostenfreier Software Freifunk-fähig macht, wird zu einem Knotenpunkt. Dieser verbindet sich mit einem anderen Freifunk-Router, und zusammen bilden sie ein Masch-Netz, das über große Flächen wie Straßenzüge oder gar ganze Stadtteile gespannt werden kann. Und je mehr Menschen bei dem Projekt mitmachen, desto schneller wächst dieses Netz und desto mehr freies WLAN gibt es in der Stadt.

Dieser Router wird zusätzlich zum eigenen Router am hauseigenen Internetanschluss installiert. Allerdings ist die Reichweite begrenzt, vor allem, wenn der Router in einer Wohnung steht. Daher wäre eine große Menge an Routern nötig, um einen flächendeckenden Empfang zu gewährleisten. Der große Vorteil: Die Störerhaftung greift hier nicht: „Durch den komplett abgetrennten Kanal - sogenannten VPN-Tunnel - wird der gesamte Datenverkehr durch den Freifunk-Router direkt über die Serverinfrastruktur abgewickelt, die dem Freifunk Rheinland e.V. gehört”, so der Mülheimer Fachmann für IT Sicherheit, Andreas Körber. „Damit hat der Anschlussinhaber kein Risiko und kann seinen privat genutztes WLAN nach wie vor mit Passwort vor unbefugtem Zugriff schützen. Zudem hat der Freifunk Rheinland einen Providerstatus und kann solche Dienste auch juristisch absichern.” Und die eigene Internetgeschwindigkeit zu Hause werde davon in der Regel nicht beeinträchtigt, betont Dimont.

So gibt es zum Beispiel in den Rathsstuben an der Bahnstraße bereits ein offenes Netz, das der Inhaber eingerichtet hat, wie auch an weiteren rund 15 Punkten in Mülheim. Darunter der komplette Hafenplatz vor dem Mezzomar. Dort wohnt Körber und sorgt mit seinem Router für einen freies WLAN an einem beliebten Ausflugspunkt der Stadt.

„Beim Freifunk gewinnen alle: die Gewerbetreibenden, die Bewohner der Stadt und die Kommune als Ganze“, meint Yaroslav Dimont, der zusammen mit seinen Mitstreitern den Freifunk-Ausbau in Mülheim plant. „Besonders die Dienstleister in der Gastronomie, Friseure oder Arztpraxen, wo man mit Wartezeit rechnen muss, bieten einen großen Vorteil, indem die Kunden unbeschwert surfen können.“ Auch die Stadt will man ins Boot holen, denn kostengünstiger wird auch die Verwaltung kaum Netze einrichten können. Am Freitag wurde man bereits vorstellig. Ganz kostenlos aber würde es zumindest für die Stadt nicht: Neben den Routern, die gekauft werden müssen, wäre auch eine Kostenbeteiligung für die Rechenleistungen des Vereines nötig. Die Beispiele aus den anderen Städten wie Arnsberg im Sauerland zeigen, dass mit Unterstützung seitens der Stadtverwaltung die Freifunk-Versorgung viel schneller erfolgen kann. Dort gibt es das flächendeckende WLan.

Für Privatleute sind die Kosten übrigens minimal. Sie müssten nur für den Router aufkommen, der ab 20 Euro aufwärts kostet, sowie für den Strom, den dieser jährlich verbraucht. Die Mitglieder des Vereines arbeiten ehrenamtlich, aber dennoch fallen Kosten an wie Antennen, Kabel und ähnliches. Finanziert wird das durch Mitgliedsbeiträge und Spenden. „Neue Mitglieder oder Spenden sind uns deshalb natürlich sehr willkommen“, erklärt Dimont.
Alle, die Interesse am Freifunk haben, können eine E-Mail an info@freifunk-muelheim.de schicken.
Mehr zum Thema Freifunk: www.freifunk-rheinland.de

Die Ergebnisse des Gespräches mit der Stadt lesen Sie hier.
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