Mülheimer Zeitzeichen - 12. August 1906: Geburt des „Raketenpioniers“ Erich Bachem

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Erich Bachem mit einem Modell seines Raketenflugzeugs „Natter“. (Foto: Quelle: Deutsches Museum, München)

Am 12. August 1906 wurde Erich Bachem, ein sehr vielseitiger Konstrukteur, Erfinder und Unternehmer, in Mülheim an der Ruhr geboren. Obwohl er fast die Hälfte seines Lebens in seiner Geburtsstadt verbrachte, fand die Arbeit, die ihn bekannt gemacht hat, vor allem an anderen Orten statt.

Von Johannes Fricke, Stadtarchiv

Nachdem er 1925 in Mülheim an der Ruhr das Abitur abgelegt hatte, begann er in Stuttgart ein Maschinenbaustudium. In dieser Zeit begann sein Interesse für die Fliegerei. Er nahm nicht nur an Flugwettbewerben teil, sondern orientierte sich auch beruflich hin zum Flugzeugbau. Ab 1933 war er technischer Direktor bei den Fieseler Werken in Kassel.

1942 gründete Erich Bachem zusammen mit einem ehemaligen Studienkollegen in Waldsee (Baden-Württemberg) die Bachem-Werke GmbH. Zunächst arbeitete die Firma vor allem als Zulieferer für die Luftfahrtindustrie. Erst im Frühjahr 1944 bekamen die Bachem-Werke eine besondere Bedeutung. Ein Jahr vor dem Ende des 2. Weltkrieges sollte die Niederlage Deutschlands noch mit „Wunderwaffen“ verhindert werden. Dazu gehörte ein preiswerter Kleinstjäger, der gegen die Lufthoheit der Alliierten eingesetzt werden sollte.

Bachem entwarf das erste senkrecht startende Raketenflugzeug, die „Natter“. Sie war aus Holz konstruiert. Beim Auftauchen feindlicher Bomberverbände sollte das Flugobjekt durch den Raketenmotor mit großer Geschwindigkeit in Schussentfernung katapultiert werden. Dort sollte der Pilot 24 kleine Raketen auf die Bomber abschießen. Anschließend war vorgesehen, dass der Pilot und das Raketentriebwerk mit getrennten Fallschirmen landen sollten. Am 1. März 1945 fand der erste bemannte und vertikal gestartete Raketenflug mit der „Natter“ statt. Auch wenn dies für die Raumfahrt ein bedeutendes Ereignis war, scheiterte der Probeflug. Nach steilem Aufstieg stürzte die Maschine ab, wobei der Pilot Lothar Sieber ums Leben kam. Er blieb das einzige Opfer dieser Waffe, da sie im Krieg nicht mehr eingesetzt wurde.

Nach dem Krieg erhielt Erich Bachem, der erst spät der NSDAP beigetreten war und von Freunden als eher unpolitisch beschrieben wurde, bei der Entnazifizierung eine nicht allzu hohe Strafe. Er war sofort wieder unternehmerisch aktiv und entwarf die verschiedensten Produkte, wie zum Beispiel Möbel, Lampen und Kopiergeräte, die von seiner jetzt Eriba genannten Firma produziert wurden.

Unklar sind die Gründe für seinen Argentinien-Aufenthalt von 1948-1952. Angeblich wollte er verhindern, dass ihn die Amerikaner wie andere Raketenexperten in die USA holten. In Argentinien baute der auch musisch sehr begabte Konstrukteur Gitarren. 1952 kehrte er nach Mülheim an der Ruhr zurück und wurde technischer Direktor in der Firma seines Schwiegervaters, der Ruhrtaler Maschinenfabrik. Dort entwarf er Grubenloks; gleichzeitig konstruierte er zusammen mit der Firma Hymer Wohnwagen. Ein weiteres Projekt für ein Sportflugzeug blieb unvollendet, da Erich Bachem schon am 25. März 1960 im Alter von 53 Jahren in Mülheim an der Ruhr starb.

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