Radtechnik und Frauen: Geht doch!

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Carsten Voß ist Werkstattleiter der Radstation im Hauptbahnhof. In Styrum stand er mit Rat und Tat bereit.
 
Die Styrumer Radstation feiert in den nächsten Woche das 20-Jährige Jubiläum: Erste Station in NRW 1997.

Zweimal jährlich bietet der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) eine „Reparaturkurs Räder“ in der Radstation Styrum an. Schon im Angebot des ADFC wird klar, dass der Veranstalter besonders gerne Frauen sieht, die sich dem unbekannten technischen Wesen Fahrrad mit Werkzeug und Sachkenntnis nähern wollen.

Premiere in der renovierten Styrumer Radstation

Am Sonntag, 2. April, startete der erste vierstündige Kurs des Jahres in der Styrumer Radstation.Ein zweiter Kurs wird im Herbst angeboten. Geleitet wird er von Carsten Voß, der schon viele Jahre Werkstattleiter der Radstation im Hauptbahnhof - und ein begeisterter Rad-Mechaniker ist. Vor genau 20 Jahren entstand in Styrum die erste Radstation in NRW und das wird in den nächsten Wochen gefeiert. Zum Jubiläum wurde die Radstation herausgeputzt und für Selbstreparierer gibt es das Angebot, bereitliegende Werkzeuge und den sehr praktischen, rückenschonenden Montageständer zu nutzen. Jeden Werktag von 7 bis 19 Uhr ist Personal vor Ort, das für Einlass sorgt. Schrauben und basteln am eigenen Rad – das muss man allerdings ganz alleine machen. Ratgeber sind in der Woche nicht vor Ort.

Frauen bringen viele technische Fragen mit
An diesem Sonntag sind es vier Frauen, die mit ihren Rädern kommen und viele Fragen an Carsten Voß und vor allem Probleme mitbringen:
Sind die Bremsen noch in Ordnung?
Die Gangschaltung hakt, woran liegt das? Irgendwas schleift beim Fahren, aber wo nur?
Mein Vorderrad „eiert“. Habe ich eine „Acht“ im Reifen?
Welches Werkzeug muss ich mitnehmen, wenn ich alleine auf große Tour gehe?
Welches Schmierfett ist richtig?

Montageständer erleichtert die Arbeit am Rad

Ein Rad nach dem anderen kommt auf den praktischen Montageständer und los geht es mit der Theorie, die gleich in die Praxis umgesetzt wird. Fachbegriffe - wie zum BeispielSchaltwerk, Bremszüge, Bremswerk gebrochen, gleichmäßige Kraftverteilung auf Zügen - und andere erreichen manches Frauenohr erstmalig. Und dann werden Inbusschlüssel (Sechskantinnenschlüssel) mit langem Hebel eingesetzt. Speichenschlüssel, Feile und ein Multitool kommen ebenfalls gelegen.

Werkstattleiter Carsten Voß mit Leidenschaft für Räder
Carsten Voß erklärt geduldig die Zusammenhänge, zeigt dann einmal wie es geht und macht seine Arbeit gleich danach wieder rückgängig. So kann jede Frau an ihrem Rad das Gelernte sofort einsetzen: "Mach es selbst" ist heute das Motto. Einige Arbeiten kommen der Feinmechanik gleich: Winzige Schrauben, Muttern und Unterlegscheibchen, die sich gerne mal auf dem Werkstattboden vergnügen. Auch kleine Frauenhände sind bei manchen Arbeiten feinmechanisch gefordert.

Ein schwerer Fall: Bremswerkbruch

Ein Fahrrad erweist sich nach wenigen Sekunden als schwerer Reparaturfall. „Das Bremswerk ist gebrochen. Da können wir heute nichts machen“, sagt Voß bedauernd. Er erklärt der Gruppe, was er damit meint und alle dürfen mal fühlen und sehen, was das bedeutet. Fazit: Gefährlich. Weitere Schäden an diesem Rad werden gefunden und die Spekulationen, ob nicht doch lieber ein neues Gebrauchtes angeschafft werden solle, beschäftigen ein paar Minuten. Schließlich wird das Rad so fit gemacht, dass die Fahrerin den Weg nach Hause wahrscheinlich unbeschadet übersteht. Aber dann muss es repariert werden – oder auf den Schrott.

Kurzweilig und spannend, aber vor allem sinnvoll
Kurzweilig, interessant und vor allem sinnvoll ist dieser Kurs. Nebenbei erfahren die Teilnehmer, dass eine Mitgliedschaft für Radfahrer beim ADFC keine 60 Euro jährlich kostet und man sich damit eine Pannenhilfe 24/7, eine Haftpflicht- und Rechtsschutzversicherung sowie jede Menge Infos über Radtouren, eine Zeitschrift und finanzielle Vergünstigungen bei vielen Partnern mit „einkauft“.

Verkehrssicher nach Hause fahren: Ein gutes Gefühl
Dieser Kurs ist - nicht nur für Frauen - ein sehr sinnvolles Angebot. Mit neuen Bremsbelägen, justierter Gangschaltung, gut geschmierten Ketten und vor allem dem guten Gefühl, ein verkehrssicheres Rad unter sich zu haben, fuhren die Teilnehmerinnen gut gelaunt nach Hause.

Von Heike Marie Westhofen

(Fotos: Heike Marie Westhofen)
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