SPZ feiert 25-jährige Kooperation

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Das SPZ im Katholischen Zentrum feiert ihr 25jähriges Bestehen.
Mülheim an der Ruhr: Katholisches Stadthaus |

Seit 25 Jahren betreiben Caritas und der Verein Mülheimer Kontakte gemeinsam das Sozialpsychiatrische Zentrum (SPZ) im Katholischen Stadthaus an der Althofstraße. Als es seinerzeit um die Trägerschaft ging, standen beide in harter Konkurrenz zueinander.

„Vor 25 Jahren versuchten beide Einrichtungen, in Mülheim das SPZ zu betreiben und bewarben sich beim Landschaftsverband Ruhr (LVR)“, erinnert sich Ralf-G. Schneider. Der diplomierte Sozialpädagoge ist heute Geschäftsführer der Mülheimer Kontakte. Doch der LVR spielte nicht mit und drängte beide Institutionen zusammenzuarbeiten. Schließlich bündelten sie ihre Ressourcen, erarbeiteten ein Konzept und einigten sich darauf, die Kontakt- und Beratungsstelle ins Katholische Stadthaus zu verlegen.

Zentrale Lage hilfreich

Die Kontakt- und Beratungsstelle bietet heute in zentraler Lage ein niederschwelliges Angebot für chronisch psychisch Kranke, deren Freunden oder Angehörigen an. Sie ist das Herzstück des Zentrums. Heike Diekmann-Pohl, Birgitta Becker, Ursula Preiss und Winfried Pasch teilen sich die beiden Vollzeitstellen. Sie hören zu und beraten, wenn Menschen zu ihnen kommen. „Anträge oder andere bürokratische Hürden gibt es bei uns nicht“, betont das Quartett.
Seit Bestehen des SPZ betreuen sie rund 320 Klienten im Jahr – mal mehr, mal weniger. Der Altersdurchschnitt der meisten Erkrankten liege zwischen 45 und 50 Jahren. Rund 80 bis 100 von ihnen kommen jede Woche, um die Angebote des SPZ zu nutzen. Denn neben der Beratungsstelle gehören noch Tagesstätte, Betreutes Wohnen, Integrationsfachdienst, Sozialpsychiatrisches Kompetenzzentrum Migration (SPKoM), Industriecafé und Psychiatriezeitung dazu. Die Integrierte Versorgung und die Praxis für Ergotherapie runden das Angebot ab.

Verlässlichkeit hat hohen Stellenwert

Das SPZ bietet ihnen individuelle Hilfe. Die kann sehr unterschiedlich aussehen: Der tägliche Besuch des Café hilft, Strukturen zu schaffen. Die Atmosphäre des Stadthauses vermittelt eine gewisse Geborgenheit. „Bei uns darf jeder so sein, wie er ist.“
Wichtig sei für die Betroffenen eine gewisse Verlässlichkeit: Der Wochenplan mit den Aktivitäten im Haus, die Öffnungszeiten des Café und natürlich auch die personelle Kontinuität. „Psychiatrische Arbeit ist persönliche Arbeit“, sagen die Berater. Neben ihren Kollegen in den zugehörigen Einrichtungen unterstützen rund 20 Ehrenamtliche die Arbeit des SPZ. Sie sind unter anderem bei Fahrten dabei oder organisieren das Frühstückscafé.
Immer häufiger, so der Eindruck der Berater, kämen jüngere Menschen mit Depressionen in die Beratungen. Auch ihnen helfen die Berater weiter und zeigen auf, wo Hilfe zu finden ist. Damit verhindern sie, dass es zu einer chronischen Krankheit kommt. Dafür nutzen die Mitarbeiter ihre enge Vernetzung zu Behörden, Ärzten, Institutionen und Organisationen.
Wie sich das SPZ künftig entwickelt, hänge von den künftigen Gesetzesveränderungen ab. Erweiterungen um Traumabehandlungen und Lotsendienste seien durchaus denkbar. Wünschenswert sei vor allem mehr Personal. In den vergangenen 25 Jahren wuchsen die Anforderungen, aber der personelle Schlüssel änderte sich nicht. „Wir können leider keine aufsuchende Arbeit leisten“, bedauern die vier Mitarbeiter, obwohl das eigentlich nötig wäre.

Vorurteile abbauen


Auch der Abbau von Vorurteilen gegenüber psychisch Kranken finde nur schleppend statt. „Niemand sagt seinem Arbeitgeber, er sei wegen einer Depression für sechs Wochen krankgeschrieben.“ Die Stigmatisierung der Betroffenen sei noch immer weit verbreitet, bedauern die SPZ-Mitarbeiter.
Psychische Erkrankungen seien immer ein langer Prozess. Er kann auf unterschiedliche Weise beginnen: Schlafstörungen, Angstvorstellungen oder nachlassende Motivation am Arbeitsplatz. Aber auch Kollegen oder Nachbarn, die eine Person links liegen lassen, können Anzeichen von psychiatrischen Krankheiten sein. Das bedeute aber nicht, dass – wie oft in Filmen gezeigt – eine Gefährdung von den Betroffenen ausgehe. Aber dieser Irrtum schwebe noch immer in den Köpfen. Deswegen würden sie sich wünschen, dass Begegnungen wie im Stadthaus zur Tagesordnung werden und die Erkrankung als normal akzeptiert werde.
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