Steffens und Müntefering bei Dialog-Offensive in Mülheim

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Im Dezember 2015 hatte es schon eine Info-Dialog-Veranstaltung mit über 100 Teilnehmern im Haus Ruhrgarten gegeben. Da dieser Dialog und vor allem das Thema von großem Interesse auch für hiesige ambulante und stationäre Pflege ist, waren am Mittwoch, 17. Februar, wiederum Persönlichkeiten aus Politik und Verbänden diesmal in den Altenhof gekommen. Thema der Dialog-Offensive war die geplante Einführung der einheitlichen Pflege-Ausbildung per Gesetz. Die Veranstaltung besuchten etwa 300 Interessierte, darunter auch eine große Anzahl von Auszubildenden.

Im Vorfeld hatte sich einer der Dialog-Initiatoren, Martin Behmenburg von „Pflege zu Hause“, bereits geäußert. Die Vereinheitlichung der Ausbildung in Pflegeberufen sieht bundesweit vor, dass jeder Auszubildende zu gleichen Teilen in der Kranken- , Kinder- und Altenpflege ausgebildet wird. Das führt nach Absprache auch mit den Schülerinnen und Schülern der Mülheimer Berufsfachschulen zu Unsicherheiten: Kinder- oder Altenpflege liegt von den Anforderungen her weit auseinander. Behmenburg: „Die Berufsbilder haben sich in den vergangenen 30 Jahren sehr verändert.“ Die Spezialisierung in der Altenpflege ist heute völlig anders als noch vor Jahren, weiß der Fachmann. Überspitzt formuliert gibt es ja auch keine einheitliche Ausbildung für Bäcker, Metzger und Koch.

Auch Thomas van der Most von amicu (Außerklinische Intensivpflege) bezweifelt, dass eine Vereinheitlichung attraktiv sein wird. Rückgänge Auszubildendenzahlen werden befürchtet. Bis jetzt gab es die Basisausbildung und dann die Möglichkeit der Spezialisierung. Nach 25 Jahren der Diskussion soll das Gesetz jetzt mit allen Mitteln durchgesetzt werden, ist die Meinung der beiden Fachleute. Beide Pflege-Unternehmen werden auch weiter ausbilden, befürchten aber, dass die Auszubildenden sehr viel weniger Zeit im Betrieb verbringen werden. „Das Curriculum – sprich: der Rahmen der Ausbildung – muss für die Altenpflege noch geprüft werden,“ so Martin Behmenburg. „Bislang haben wir mit der Umsetzung in der Praxis keine Erfahrung.“

Von politischer Seite anwesend waren zu diesem Thema am Mittwoch Barbara Steffens, NRW-Ministerin für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter und Franz Müntefering, ehemals Bundes-Arbeitsminister und Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen. Sowohl Steffens als auch Müntefering machten am Mittwoch deutlich, dass eine Verhinderung oder Änderung des geplanten Gesetzes sehr schwer möglich sein wird. Anschließend kamen Vertreterinnen von Altenpflegeseminaren zu Wort. Auch sie befürchten, dass das Gesetz zu einer Verschärfung des Personalmangels zumindest in der Altenpflege führen wird. Vertreter der Alzheimergesellschaft und Berufsorganisationen äußerten ebenfalls Bedenken zum geplanten Gesetz. Ergebnis der Dialog-Offensive Pflege war ein einheitliches Contra zum Gesetzentwurf.
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