Unterirdischer Geheimtipp - Niels Klim

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Niels Klim auf dem Weg nach Potu (Foto: Scherfig - Reclam)

Königin Luise und das Thema Hofläufer, das ich demnächst an dieser Stelle wieder aufnehmen werde, hat mir schon so manche literarischen Überraschungen am Rande beschert. Jetzt stolperte ich in eine ältere Satire. Sie ist bereits 1741 in Dänemark erschienen. Ihr Autor: Ludvig Holberg (1684 – 1754).

Der Suchbegriff „fürstlicher Läufer“, mit dem ich auf der Suche nach authentischen Lebensbeschreibungen im Internet unterwegs war, führte mich zu seinem kuriosen Werk, weil der Held Niels Klim von dem im Erdinneren lebenden Volk, das er besucht, als Läufer eingestellt wird. Leider nicht als Galaläufer vor der fürstlichen Kutsche, wie ich gehofft hatte, sondern nur als Botenläufer, da die baumähnlichen Einheimischen naturgemäß etwas schlecht zu Fuß sind.

Man glaubt es nicht! Frisch und fast aktuell wird hier über die merkwürdigen Selbstverständlichkeiten unserer „oberflächlichen“ Gesellschaft hergezogen, indem Ludvig Holberg sie einer „unterirdischen“ Phantasiewelt, die er Potu nennt (Utop), entgegenstellt. Hier basieren Lehren plötzlich auf Vernunft und nicht auf Autorität, die Bauern genießen höchste Anerkennung und Frauen bekleiden bereits (1741) staatliche Ämter. Ein Schock für seine Zeitgenossen.

Holberg, Holberg, Holberg? Kam mir sofort bekannt vor. Ich war schon in der Lektüre ziemlich fortgeschritten, da fiel es mir ein: Edvard Grieg, Holberg-Suite! Bisher nie beachtet, immer nur Peer- Gynt-Suiten gehört, rauf und runter, aber nie die Holberg-Suite. Dabei klingt sie sehr schön im Stil der Zeit dieses Komödienschreibers. Sein satirischer Roman „Niels Klims unterirdische Reise“ ist ein Reaktion auf den pietistischen König von Dänemark, der 1738 alle Lustbarkeiten verbot. Der Pietismus kennt ja keinen Spaß.

Weil es nun keine Komödien fürs Theater mehr zu schreiben gab, verfasste er, sich zum Zeitvertreib und uns heute noch zur Freude, den Niels Klim, und zwar auf Latein, er hatte schließlich Theologie studiert. Inzwischen ist er in fast alle Sprachen übersetzt aber immer noch so eine Art Geheimtipp. Hans Scherfig brachte es 1971 bei Reclam in seiner Übersetzung heraus und steuerte sogar eigene Holzschnitte bei.
Eine andere und leichter zu lesende Übertragung findet man kostenlos im Netz:

Niels Klim - Holberg - Jürgensmeier
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