Die Integration der Flüchtlinge bleibt ein Marathon: Der Sozialdezernent und der Leiter des Sozialamtes berichteten im Rat

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Zurzeit betreut die städtische Sozialagentur in Mülheim rund 4100 Flüchtlinge, von denen 50 Prozent jünger als 35 Jahre sind. Diese Zahlen gaben Sozialdezernent Ulrich Ernst und Sozialamtsleiter Klaus Konietzka jetzt im Sozialausschuss des Rates bekannt.

Bei den 4100 Menschen, die vor allem aus Syrien und dem Irak, aber zunehmend auch aus afrikanischen Staaten nach Mülheim gekommen sind, handelt es sich um Flüchtlinge, deren Asylantrag noch geprüft oder bereits anerkannt worden ist. Bezieht man die Flüchtlinge mit ein, die nur aus humanitären Gründen geduldet werden oder die bereits vor 20 Jahren, während der Balkan-Kriege nach Mülheim gekommen sind, schätzt der Sozialdezernent die Zahl der Mülheimer mit Fluchthintergrund auf insgesamt rund 7000. Bis August 2017 muss Mülheim noch einmal weitere 360 Flüchtlinge aufnehmen.
Ermutigendes konnten Ernst und Konietzka über die Integrationsarbeit der städtischen Sozialagentur berichten.

Vom Analphabeten bis zum Ingenieur

Alle Flüchtlinge, die in unsere Stadt kommen, werden in der zentralen Aufnahmestelle an der Mintarder Straße registriert. In Zusammenarbeit mit Bildungsträgern, wie etwa der Volkshochschule, dem Diakonischen Werk, der Kurbel oder dem ZAQ werden den Flüchtlingen die Grundlagen der deutschen Sprache vermittelt. Danach durchlaufen sie zunächst eine individuelle Potenzialanalyse, ehe es in die Phase der beruflichen Qualifizierung und Integration in den Arbeitsmarkt geht. „Das Spektrum der von Integrationsfachkräften und Fallmanagern betreuten Flüchtlinge reicht vom Analphabeten bis zum Ingenieur“, beschreibt Sozialdezernent Ernst die komplexe Herausforderung der Integrationsarbeit. Der Chef von Sozialamt und Sozialagentur, Konietzka, macht in diesem Zusammenhang deutlich: „Damit Flüchtlinge von Leistungsempfängern zu Leistungsträgern werden können, braucht es in der Regel nicht nur Monate, sondern Jahre.“

Erfolgsbeispiele, die Mut machen

Immerhin konnten Konietzka und Ernst im Sozialausschuss darauf hinweisen, dass fast 46 Prozent der rund 1700 erwerbsfähigen Flüchtlinge in Mülheim bereits einen Sprachkurs durchlaufen haben und 36 Prozent aktuell an einer berufsqualifizierenden Maßnahme teilnehmen. Rund 10 Prozent der Flüchtlinge konnten, nach einer vorhergehenden Beratung und Qualifizierung, in Arbeit vermittelt werden. Es sind Erfolgsbeispiele, wie die des 24-jährigen Herrn B aus Guinea, der 2011 nach Mülheim kam und seit März 2017 als Produktionshelfer für die Firma Turck arbeitet, die Konietzka und Ernst zeigen, dass die Integrationsbemühungen der Stadt keine Sisyphusarbeit sind. Neben Herrn B aus Guinea hat auch der aus dem Irak stammende Herr L (42), der seit 2013 in Mülheim lebt, im März 2017 bei Turck eine Anstellung als Produktionshelfer angetreten. Mut zur Integration macht auch die Beispiele des 20-jährigen Herrn A aus Syrien, der 2014 nach Mülheim kam und am 1. Mai 2017 im Gasthaus Am Kamin eine Ausbildung zum Restaurantfachmann begonnen hat. Das gilt auch für den 49-jährigen Apotheker (Herrn K) aus Syrien, der 2014 in Mülheim Zuflucht gefunden hat und nach einer entsprechenden sprachlichen Qualifizierung seit dem 1. April 2017 Mitarbeiter der Schloss-Apotheke ist.
Solche und ähnliche Paradebeispiele für gelungene Flüchtlingsintegration sind für die Stadt auch als Rechtfertigung für die in Anspruch genommenen Bundesmittel von zentraler Bedeutung. Derzeit fördert der Bund die Integrationsarbeit der Stadt mit 14 Millionen Euro. Hinzu kommen weitere 6 Millionen Euro aus verschiedenen projektbezogenen Förderprogrammen des Bundes. Thomas Emons
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