Ein Neuer für die Herkulesaufgabe

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Das Mülheimer Rathaus. Foto: Archiv / Henschke
 
Frank Mendack ist der neue Kämmerer. (Foto: Walter Schernstein)
Mülheim an der Ruhr: Mülheimer Woche NEU |

Nach heftigen Disputen im Rat wird Frank Mendack neuer Kämmerer der Stadt Mülheim

Frank Mendack (SPD), aktuell noch Personaldezernent in Ratingen, wurde zum neuen Kämmerer der Stadt Mülheim gewählt. Er wird auf diesem Posten Nachfolger von Uwe Bonan, der gleichberechtigter Geschäftsführer der mit Essen fusionierenden Verkehrsgesellschaft wird.

Oberbürgermeister Ulrich Scholten hatte sich für Mendack eingesetzt, war auch der Erste, der gratulierte und scherzhaft anmerkte: „Herr Mendack ist zufällig im Haus. Wir sollten uns kurz Zeit nehmen, ihn zu beglückwünschen.“ Dann wurde der Oberbürgermeister wieder ernst: „Seine Aufgabe beginnt im Prinzip morgen. Wir müssen nun alles an die Herkulesaufgabe setzen, unseren Haushalt schnell zu sanieren.“

Gegenseitige Vorwürfe

Zuvor jedoch wurde in quälenden zwei Stunden der gegenseitigen Vorwürfe das Verfahren reflektiert. Harte Töne, unversöhnliche Positionen, viel zerschlagenes Porzellan, obwohl immer wieder betont wurde, es gehe nicht um Personen, sondern um Inhalte. So konnte keine breite Mehrheit für den neuen Finanzchef entstehen. Besonders die Grünen betonten, Mendack habe einen guten Eindruck hinterlassen: „Fachlich versiert, kommunikativ und menschlich angenehm ist er eine gute Wahl.“ In dieser Funktion bedürfe es keines Finanzjongleurs, sondern eines soliden Verwaltungsbeamten mit administrativen Erfahrungen. Seriös sei dieses Auswahlverfahren nun überhaupt nicht, kam von der Gegenseite. Lothar Reinhard von der MBI deutete an, die Ausschreibung sei anscheinend in der Septembersitzung vergessen worden, daher ein Dringlichkeitsbeschluss, unterschrieben von OB Scholten und vier Fraktionsvorsitzenden: „Das ist nur noch peinlich - diese Geschichte fällt auf uns alle zurück!“


Gezielte Indiskretion

Es habe schlicht und einfach die nötige Zeit gefehlt, alle Kandidaten persönlich kennen zu lernen. Gespräche mit anderen Aspiranten kamen schlicht und einfach nicht zustande. Ob diese durch die vorzeitige Veröffentlichung in der Presse überhaupt noch wollten? OB Schulten hatte da seine Meinung: „Ich kenne zumindest einen Bewerber, der sich daraufhin zurückgezogen hat. Das war aber einem hohen Maß an gezielter Indiskretion geschuldet und nicht unserem Tun.“ Die Behauptung, CDU und SPD hätten sich bereits im Vorfeld auf Mendack als Kandidaten geeinigt, wurde von deren Fraktionsspitzen heftig dementiert. Dieter Wiechering von der SPD donnerte: „Das stimmt so nicht! Hier geht es doch nur darum, für Unruhe zu sorgen. Wir haben abgestimmt, dass die SPD das Vorschlagsrecht hat. Mehr nicht.“ CDU-Mann Wolfgang Michels legte nach: „Die Diskussion in unserer Stadt war unmöglich. Eine Schweinerei, was da passiert ist! Wir beantragen die Verschiebung der Wahl.“ Die Fraktion Bürgerlicher Aufbruch Mülheim hatte sogar die Bezirksregierung um Überprüfung des Verfahrens gebeten und ebenfalls Verschiebung beantragt.

26 Ja-Stimmen

Am Ende musste diese Abstimmung sogar noch wiederholt werden, da es vermeintliche Unstimmigkeiten gegeben hatte. Doch das Resultat blieb das Gleiche: Mit 28 Gegenstimmen von SPD, Grünen und FDP wurde der Antrag auf Verschiebung abgelehnt. Daraufhin nahm die CDU nicht an der geheimen Wahl des Kämmerers teil, die von den Grünen eingefordert worden war. Von den 53 anwesenden stimmten also nur 41 Stadtverordnete ab. Dadurch waren gerade mal 26 Ja-Stimmen ausreichend.
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