Hilfswelle rollt wieder

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Seit Dienstag sind 81 Flüchtlinge in der provisorischen Erstunterkunft in der Turnhalle an der Lehnerstraße untergebracht (die MW berichtete). Inzwischen wurden die Flüchtlinge ärztlich untersucht und registriert. Informationen, wie lange die Menschen in Mülheim bleiben, bevor sie auf andere Kommunen verteilt werden, und ob noch weitere kommen, hat die Stadt immer noch nicht.

Langsam spielt sich der Ablauf rund um die Turnhalle Lehnerstraße ein, beginnt eine Art Alltag. Die Hilfskräfte der Johanniter Unfallhilfe und des DRK, die die Versorgung und Betreuung der Flüchtlinge übernommen haben, wurden von rund 70 Mitarbeiter am ersten Tag auf zehn heruntergefahren, die rund um die Uhr vor Ort sind. Ergänzt durch Personal einer Putzkolonne sowie dem Sicherheitsdienst.
Gerade die Mitarbeiter von DRK und JUH sind vorwiegend ehrenamtlich aktiv und haben sich für diese Aufgabe teilweise Urlaub genommen oder werden von ihren Arbeitgebern freigestellt. Ebenfalls sehr aktiv sind die freiwilligen Helfer der Initiative „Willkommen in Mülheim (WiM)“, die die Organisation von privaten Spenden übernommen haben und eng mit DRK und JUH vor Ort zusammenarbeiten.

Zunächst einmal aber kamen die Flüchtlinge am Dienstagabend völlig ungeregelt mit Bussen in Saarn an. „Keine Papiere und auch sonst nichts hatten sie dabei“, so Kämmerer Uwe Bonan. „Ohne die professionelle Hilfe der Johanniter Unfallhilfe wären wir aufgeschmissen gewesen“, dankt Uwe Bonan im Namen der Stadt den Johannitern und auch dem DRK.

Am Mittwoch waren Mitarbeiter der Ausländerbehörde des Ordnungsamtes vor Ort, um Personalien aufzunehmen und die so genannte BÜMA (Bescheinigung über die Meldung als Asylsuchender) zu erteilen. Dr. Frank Pisani vom städtischen Gesundheitsamt nahm die erste „medizinische Sichtkontrolle“ vor.
„Wie ein Rädchen ins andere“, so läuft die Betreuung der 81 Flüchtlinge in der „Erstaufnahmestelle“ in der Sporthalle an der Lehnerstraße auch am dritten Tag nach der Zuweisung durch das Land ab.

In einer ruhigen und unaufgeregten Atmosphäre werden weiterhin die BÜMA ausgestellt. Es ist – versehen mit einem Foto – das erste amtliche Ausweispapier in Deutschland für die angekommenen Flüchtlinge.

Unter der Leitung des Leiters des ärztlichen Notdienstes bei der Feuerwehr, Thomas Franke, wurden nach und nach alle Flüchtlinge zur gründlichen Untersuchung in die Krankenhäuser gefahren. Die Kinder beispielsweise ins EKO Oberhausen, in die dortige Kinderabteilung. Alle 81 Personen müssen gesetzlich auf TBC untersucht werden, erläutert Thomas Franke. Die erwachsenen Männer wurden geröntgt; bei Schwangeren und Kinder ein Bluttest durchgeführt. Die Kooperation mit den Krankenhäusern laufe hervorragend, freut sich die Stadtspitze.

Neben der von der Stadt organisierten Hilfe und Betreuung der Flüchtlinge ist die Spendenbereitschaft von den Mülheimer Bürgern und Unternehmen nicht nur unverändert hoch, sie hat sogar noch zugemommen. Reinhard Jehles von der Initiative „Willkommen in Mülheim (WiM), die sich um die privaten Spenden für die Notunterkunft kümmert, gehen inzwischen die Superlative aus. „Die Mülheimer sind einfach Spendenweltmeister“, ist er beeindruckt.

Seit Dienstag stehen täglich Autos Schlange vor dem WiM-Warenhaus an der Solinger Straße 9. Dort helfen täglich 15 bis 20 Ehrenamtler, um die eingehenden Sachen zu sortieren und zu verpacken. Mitarbeiter von DRK und JUH melden sich täglich aus der Lehnerstraße, um durchzugeben, was gerade benötigt wird. Innerhalb kurzer Zeit sind die Sachen dann vor Ort. So erhielt eine Familie mit einem viermonatigen Baby ein Kinderbettchen und einen Buggy. Auch andere Familien erhielten Kinderwagen.

Wer etwas spenden möchte, sollte diese Sachen zum Warenhaus vom WiM bringen( montags bis freitags 10 bis 16 Uhr und samstags von 14 bis 17 Uhr geöffnet). Aber nicht jede Spende ist geeignet und wird benötigt. So dürfen zum Beispiel keine Lebensmittel angenommen werden. „Eine Frau hat einen ganzen Kofferraum mit Obst vorbeigebracht. Das war gut gedacht, durften wir aber aus hygienerechtlichen Gründen nicht verteilen“, bedauert Stadtsprecher Volker Wiebels.

Gesucht werden noch Kinderwagen, immer wieder auch Hygieneartikel wie Binden, Tampons, Duschzeug und ähnliches, als auch Unterwäsche und Spielsachen. „Inzwischen kommen Spender auch mit Einkaufstüten voll mit frisch gekaufter Ware aus dem Drogeriemarkt“, freut sich Jehles.

Auch Firmen engagieren sich, teils mit Geldspenden, teils mit Sachspenden, wie die Vollmergruppe, Edeka Paschmann oder McDonalds. Jehles ist voll Tatendrang. Da eines der größten Probleme ist, wie sich die Flüchtlinge beschäftigen können, ist geplant, dass das AWO-Spielmobil am Wochenende auf dem Schulhof vorfährt, eine Eisdiele schickt einen Eiswagen.
„Es ist geradezu meisterlich, was hier innerhalb kurzer Zeit für die bedürftigen Menschen geleistet wurde. Unsere Willkommenskultur ist deutlich spürbar“, freut sich auch Uwe Bonan.
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1 Kommentar
14.307
Willi Heuvens aus Kalkar | 24.07.2015 | 20:49  
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