Klare Kante, weiche Worte

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(Foto: Sven Krause)
 
(Foto: Sven Krause)

Von Sven Krause
Gongschlag 18.03 Uhr ging es los. Von den Radio Mülheim-Moderatoren Lina Artz und Stefan Falkenberg anmoderiert wie Box-Profis vorm entscheidenden WM-Fight, betraten die beiden OB-Kandidaten Werner Oesterwind (CDU) und Ulrich Scholten (SPD) die Talk-Arena im Schloß Broich.

Gut 50 Minuten plus Verlängerung nach dem Ende der offiziellen Live-Übertragung sollte das Talk-Duell zwischen den beiden potenziellen Nachfolgern der ebefalls anwesenden aktuellen OB Dagmar Mühlenfeld dauern.

Knapp 20 Fragen, zusammengestellt aus denen der Redaktion von Radio Mülheim, der Mülheimer Woche und einigen Leser-/Hörer-Fragen der beiden Medien mussten sich Oesterwind und Scholten stellen.

Abendliche Zustände am Rurhufer angeprangert

Während beide unisono die Entwicklung im ehemaligen Kaufhof-Gebäude begrüßten und sich beim Thema Flughafen an den Ratsbeschluss - der einen langfristigen Ausstieg der Stadt Mülheim vorsieht - gebunden sehen, wurden bei der Stellungnahme auf die ein oder andere Frage aus dem Zuschauerraum doch ein Unterschied deutlich. Mit einem klaren, „wenn es der Wahrheit entspricht, dass sich am Ruhrufer in den Abendstunden kriminelle Elemente tummeln und ihre Geschäfte abwickeln, dann müssen wir mit der Polizei und dem Ordnungsamt schnell und eindeutig Stellung beziehen“, äußerte sich Scholten als Erster zu der Schilderung einer besorgten Mülheimerin angesichts der subversiven Gruppen, die sich in den Abendstunden am Rande von Ruhrbania und in der Nähe des Forums tummeln. Überhaupt zeichnete sich in diesen Minuten im Anschluss an die Zuschauerfragen ein kleiner, aber feiner Unterschied ab.

Keine klare Stellungnahme zur VHS

Während Oesterwind freier und fließender formulierte, sich das ein oder andere Mal in Allgemeinplätzen verlor, ging Scholten rhetorisch etwas nervöser, dafür aber inhaltlich klarer in die Offensive. Gut nachzuverfolgen auch beim Thema VHS. So argumentierte Oesterwind inhatlich korrekt mit den verschiedenen Zahlen, was eine Sanierung des in die Jahre gekommenden Gebäudes kosten würde, aber die klare Kante, wie es in Zukunft weitergehen sollte, die kam eher von Scholten.
„Letztendlich müssen wir abwarten, für welche Sanierungsvariante sich der Rat entscheidet, jedoch können wir uns auch eine Sanierung für sechs Millionen nicht erlauben. Eines steht aber fest: Wir brauchen eine VHS in der Innenstadt.“ In welchem Gebäude, das ließ er offen.

Zum Abschluss durften die Kandidaten sich noch einmal 30 Sekunden lang ungestört rhetorisch austoben, was mit ihnen als jeweils neuem Oberbürgermeister möglich wäre. Und so legte diesmal CDU-Mann Oesterwind vor, „dass mit mir Mülheim noch lebenswerter werden wird und die schönen Seiten unserer Stadt noch schöner werden sollen. Dazu soll Mülheim wieder an dem guten Ruf anknüpfen, den es vor vielen Jahren inne hatte und der inzwischen ein wenig verwässert ist.“

Dieser Vorlage konnte sich Scholten nur anschließen, ergänzte am Ende seiner 30 Sekunden noch, dass er mit einigen potenten Investoren im Gespräch sei, die eventuell noch das ein oder andere prestige- und zukunftsfähige Projekt anschieben könnten.

Ob dies allerdings die Mülheimer nachhaltig beeindruckte oder aber eher Oesterwinds Detailkenntnisse von Zahlen und Vorlagen, das wird sich nun wirklich erst am 13. September entscheiden. Gut genutzt haben letztlich beide Kandidaten diese ihnen von Radio Mülheim und der Mülheimer Woche gebotenen Bühne im Schloß Broich.
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