Knappheit der Gewerbeflächen drückt weiter auf die Stimmung

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Oberbürgermeister Ulrich Scholten, Heinz Lison (Sprecher der lokalen Wirtschaft) und M&B-Geschäftsführer Jürgen Schnitzmeier stellten den Jahresbericht 2017 vor. Gastgeber war die Firma Menerga mit den beiden Prokuristen Tobias Richter und Stefanie Bekes. (Foto: RuhrText)
An Strukturwandel ist die Stadt Mülheim seit jeher gewohnt. Während sie in den 1960er Jahren als erste zeichenfreie Stadt von den Expansionen des Mittelstandes sehr stark profitierte, droht sie trotz der anhaltenden Wachstumsphase zur großen Verliererin zu werden. Dennoch zeichnet die Mülheimer Wirtschaftsförderung in ihrem Jahresbericht ein positives Bild des abgelaufenen Jahres. Schließlich gibt es zum Jahresbeginn 600 Arbeitsplätze mehr als noch vor einem Jahr. In manchen Statistiken liegt Mülheim sogar bundesweit vorne.
In den 60er Jahren war Mülheim besonders deswegen so erfolgreich, weil es jede Menge Gewerbeflächen zur Verfügung stellen konnte. Genau das ist heute das Problem. „Es bleibt ein Dauerthema“, sagt Jürgen Schnitzmeier, Geschäftsführer der Mülheim & Business GmbH. Aktuell stehen im Stadtgebiet nur noch vier Flächen mit einer Gesamtgröße von 66.000 Quadratmetern zur Verfügung. „Auf der anderen Seite hatten wir im letzten Jahr 85 Flächenanfragen mit fast 136 Hektar Bedarf vorliegen“, so Schnitzmeier. Dies bleibt für die Wirtschaftsförderung ein mühsames Geschäft, denn die meisten Unternehmen haben keinen Anreiz, nicht oder kaum genutzte Flächen extern zur Verfügung zu stellen.

Vielmehr wird Mülheim in den kommenden Jahren seine Strategie verfolgen, ein wissensbasierter Wirtschaftsstandort zu werden. Schnitzmeier lobte in diesem Bereich vor allem die jüngsten Entwicklungen bei Aldi Süd, Hans Turck, Elomech, PVS oder der Tengelmann-Gruppe. „Das schlägt sich auch im bundesweiten Städteranking nieder“, berichtet der Wirtschaftsförderer. Im sogenannten Dynamik-Ranking, welches die Entwicklung der letzten fünf Jahre berücksichtigt, ist Mülheim beim Wachstum der wissensbasierten Dienstleistungen und bei der Kita-Quote für Kinder unter drei Jahren bundesweit Spitzenreiter.

Ein großes Thema bleibt in diesem Zusammenhang freilich die Digitalisierung. „Wir wollen die bestehenden Unternehmen dafür sensibilisieren“, betont Schnitzmeier. Mit dem „ruhr:HUB“ hat M&B eine zentrale Beratungs- und Experimentierplattform für Industrie, Mittelstand und Gründer im ganzen Ruhrgebiet unterstützt sowie mit „Starbuzz“ ein Unterstützungsprogramm für Startups im Bereich digitaler Handel und Logistik gegründet. Dort arbeiten aktuell 13 Startups, davon vier internationale Teams. Darüber hinaus ist an der Hochschule Ruhr-West (HRW) der Studiengang E-Commerce erfolgreich angelaufen. „Dieses Thema ist ganz klar von der Wirtschaft ausgegangen“, betont Heinz Lison, Sprecher der lokalen Wirtschaft. Er nannte es „ein Paradebeispiel, dass Nachfragen aus der Wirtschaft zum Erfolg geführt haben.“

Hochschulnahe Immobilien im Visier

Ohnehin ist die HRW für Lison neben der Industrie der wichtigste Partner für die Zukunft. „Wir reden immer wieder vom Fachkräftemangel, deswegen muss die Hochschule auch in den entsprechenden Feldern ausbilden“, so der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende von M&B. Die Wirtschaftsförderung wird auch auf die Immobilien in Hochschulnähe 2018 und darüber hinaus ein Auge haben. „Wir versuchen alles, was im Umfeld der HRW greifbar ist zu sichern“, sagt Oberbürgermeister Ulrich Scholten in seiner Funktion als M&B-Aufsichtsratsvorsitzender. An der Xantener Straße gibt es bereits eine Veränderungssperre.

Der OB kündigte darüber hinaus für den Spätsommer die dritte Industriekonferenz an. 33 Projekte wurden darüber bereits aufgestellt, bei zehn hat Mülheim & Business die Federführung.

Wirtschaftsförderung betreut 230 Existenzgründer

Die Mülheim & Business GmbH war 2017 insgesamt 400-mal als Dienstleister für Mülheimer Unternehmen aktiv. 170 Nachfragen nach Gewerbeimmobilien wurden bearbeitet, 230 Existenzgründer intensiv beraten. Zudem betreute M&B 66 außerschulische MINT-Projekte für rund 1100 Schüler.

Zu den Highlights der 5700 Unternehmen am Standort Mülheim – 95 Prozent davon kleine und mittelständische – gehörten 2017 die Eröffnung des 3D-Druck-Zentrums von Thyssen-Krupp Presta im Gewerbegebiet Sommerfeld, der Baubeginn des Verwaltungsgebäudes der privaten Verrechnungsstelle PVS, der Hallenneubau bei Siemens für 350 Mitarbeiter und der Bau einer Großküche der Contilia-Gruppe zur Versorgung umliegender Krankenhäuser. 2018 wird unter anderem der internationale Technologieführer für Lüftungs- und Klimatechnik Menerga an der Alexanderstraße expandieren.
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