Mit einem Koffer nach Berlin - Mülheimer Schülerinnen für Preis nominiert

Anzeige
Sie sind in diesen Tagen in Berlin (v.l.): Jasmin Sondermann, Arno Klare (SPD), Schulleiter Jörg Brodka, Lehrerin Sabine Büttner-Kaminski und Sophie Steffen. (Foto: PR-Foto Köhring/SH)

Einen Koffer in Berlin haben Sophie Steffen und Jasmin Sondermann gleich in zweifacher Hinsicht. Die Schülerinnen des Berufskollegs Stadtmitte sind gerade in der Hauptstadt, um an der Preisverleihung für den Otto-Wels-Preis für Demokratie teilzunehmen. Ihr Beitrag: Ein Koffer voller Dinge, die über eine israelische Schulpartnerschaft erzählen. Welchen Platz sie damit belegen, entscheidet sich an diesem Mittwochabend.

Dabei ist es nicht unbedingt eine Überraschung, dass die beiden Schülerinnen - Auszubildende zur Erzieherin die eine und Fachabiturientin im Sozial- und Gesundheitswesen die andere - in dem bundesweiten Wettbewerb unter die ersten drei Plätze gekommen sind. Denn schon vor zwei Jahren haben Schüler des Berufskollegs den Demokratiepreis, der 2013 erstmals vergeben wurde, gewonnen.
Und das diesjährige Thema war wie zugeschnitten für das Berufskolleg. Anlässlich des 50. Jahrestages der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Israel und Deutschland waren Jugendliche zwischen 16 und 20 Jahren dazu aufgerufen, sich mit dem Thema „Freundschaft und Verantwortung“ in den deutsch-israelischen Beziehungen auseinanderzusetzen.

Seit Jahrzehnten wird Freundschaft mit Israel gepflegt

Das Berufskolleg pflegt seit den 80er-Jahren, ab 1993 auch schriftlich niedergelegt, eine Schulpartnerschaft mit einer Fachhochschule in Karmiel, die durch regelmäßige Schüleraustausche gepflegt wird. Und so zögerte Lehrerin Sabine Büttner-Kaminski, die die Israel-AG betreut, nicht lange, die Mitglieder der AG auf den Preis hinzuweisen. Sophie Steffen und Jasmin Sondermann (beide 18 Jahre alt) fühlten sich direkt angesprochen. Die Inspiration für den Beitrag ließ nicht lange auf sich warten. „Wir hatten ‚Schindlers Liste‘ gesehen und besonders das Bild der Koffer mit den Habseligkeiten der Juden, die im KZ gesammelt wurden, blieb haften“, erzählt Sophie. „Aber das waren Koffer des Todes. Wir wollten die Koffer mit Leben füllen“, erläutert Jasmin.

Material war durch die jahrzehntelange Schulpartnerschaft genug vorhanden. Also wurde gesichtet, fotokopiert, mit Metallösen aneinandergereiht. „Eigentlich ist der Koffer eine Installation. Ich hoffe, es gibt in Berlin eine Decke, die hoch genug ist, um die zu einer Kette aneinandergereihten Dokumente aufzuhängen“, schunzelt Sabin Büttner-Kaminski.

Dokumente über Schulpartnerschaft

Im Koffer finden sind sich Unterlagen wieder, Reiseberichte, Fotos, Dias, ein Drahtbügel, aber auch die Geschichte von Ariel. Der Israeli lernte bei einem Austausch eine Schülerin des Berufskollegs kennen und lieben. Nach Ende seines Studiums zog er vor sechs Monaten nach Mülheim. Hier versucht er nun, eine Arbeit zu finden. Ariel schrieb seine Geschichte für dieses Projekt in Hebräisch und Englisch auf.

Arno Klare, SPD-Bundestagsabgeordneter, freut sich über den Beitrag. „Das“, betont er, „hätte man ohne den Hintergrund der Schule gar nicht so schaffen können.“ An diesem Mittwoch drückt er den beiden Schülerinnen die Daumen. Sollten sie gewinnen, möchten sie ihr Preisgeld für die Israel-AG spenden - die nächste Fahrt dorthin in diesem Jahr ist schon in Planung.
0
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.