Mülheim ist Vorreiter bei neuem Einwanderungsprogramm

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In der kommunalen Erstaufnahme Erstaufnahmestelle in Saarn sollen mehrere Fäden zusammenlaufen. (Foto: PR-Foto Köhring)

Mit dem Programm „Einwanderung gestalten NRW“ möchte das Land die Integration vom zugewanderten Menschen erleichtern und beschleunigen. Eine enge Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen kommunalen Ämtern und Institutionen soll dabei helfen. Zwölf Städte oder Kreise werden in den kommenden zwei Jahren gefördert. Mülheim gehört nicht nur zu diesem erlesenen Dutzend, sondern nimmt sogleich eine Vorreiterrolle ein.


„Mülheim an der Ruhr ist für uns ein langjähriger Unterstützer bei der Umsetzung von innovativen Ansätzen“, sagte Thorsten Klute, Staatssekretär für Integration, beim Auftaktworkshop am vergangenen Mittwoch in Düsseldorf. Während sich die anderen Kommunen und Kreise erst einmal für das Programm bewerben müssen, ist Mülheim schon seit dem 1. August dabei. Der zuständige Dezernent Ulrich Ernst bezeichnet das Projekt als einzigartig in Deutschland. „Kein anderes Bundesland ist so unterwegs“, sagt Ernst.

Klaus Konietzka, Leiter der Sozialagentur, spricht davon, dass sie durch das Programm die Willkommenskultur in eine Willkommensstruktur verwandeln soll. Geflüchtete Menschen, von denen in Mülheim 80 Prozent eine Bleibeperspektive haben, stehen vor einem ganzen Dschungel an Unterstützungsbedarf. Dieser reicht von der Unterkunft, über Bildung, Behördengänge bis hin zur Gesundheitsversorgung. „Es ist die Kunst, diese zu verbinden“, sagt Konietzka. Die Säulen, auf die das Angebot an Unterstützungsleistungen aufgeteilt ist, müssten durchlässiger werden.
Dabei ist der Weg durch diesen Dschungel für jeden Flüchtling individuell, da jeder mit einer unterschiedlichen Geschichte, spezifischen Problemen und unterschiedlicher Qualifizierung aus dem Heimatland nach Mülheim kommt. „Es wird ein persönliches Tableau aufgestellt, mit einem Startpunkt A und einem gewünschten Zielpunkt B. Von A nach B kann es ein Zick-Zack-Kurs werden, der Begleitung und Fallmanagement bedarf“, erläutert Ulrich Ernst.

Wenngleich es einem langen Atem bedürfe, bis Flüchtlinge tatsächlich arbeitsmarktfähig sind, dürften laut des Beigeordneten keine Potenziale verschenkt werden. „Die Leute bringen Erfahrung, Motivation und Kompetenzen mit“, weiß Ernst. Deshalb müsse der Prozess bereits starten, selbst wenn die Flüchtlinge noch in der Warteschleife stecken.

Für die Umsetzung sind bereits zwei neue Stellen besetzt worden, deren Gegenwert das Land fördert. Das Ministerium übernimmt zudem die Kosten für die wissenschaftliche Begleitung durch Professor Claus Reis aus Frankfurt sowie Sachkosten. „Andere Städte müssen jetzt erst einmal in Vorarbeit gehen. Das Land hat aber gesehen, dass wir in der Hinsicht schon eine Menge machen“, sagt Ernst. Durch Mülheim konnte auch das Land NRW einen Erfahrungsschatz ansammeln, ehe die restlichen elf Kommunen an den Start gehen.

2.300 Flüchtlinge öffentlich untergebracht

In Mülheim sind aktuell 2.300 geflüchtete Menschen öffentlich untergebracht. Über die Hälfte davon sind unter 25 Jahren alt, mehr als drei Viertel sind Männer.
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