Pilotprojekt Energetische Sanierung in Mülheim-Heißen

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Manfred Rauschen, Dagmar Mühlenfeld, Justus Cohen, Jens Kohnen, Rasmus Beck (v.l.) informierten über das Projekt "Energetische Sanierung Heißen. (Foto: Julia Althoff)
 
Auch für dieses gut 100 Jahre alte freistehende Haus haben die Experten der Wirtschaftsförderung den richtigen Plan zur strukturgerechten ernergetischen Sanierung in der Schublade. (Foto: Kai Peters)
Mülheim an der Ruhr: Mülheim-Heißen |

Es war, als wenn die Organisatoren des Stadtteilrundgangs „Energetische Sanierung“ in Heißen den perfekten Draht zu Petrus hatten. Pünktlich zum Pressetermin in der Kreuzkirche war es kalt und draußen nass und einfach ungemütlich. Oder, um es mit den Worten von Rasmus Beck, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Ruhr, zu sagen: „Heute werden wieder diverse Geldscheine durch das geschlossene Fenster verheizt.“


Es ist dieser ganz besondere bauliche Mix, den Heißen zu bieten hat. Eine Mischung, die selbst im Ruhrgebiet unter den 20.000 von der Wirtschaftsförderung Ruhr untersuchten Wohnquartieren nicht so leicht zu finden ist. Hier in Heißen, wo die Welt rund um die Kreuzkirche noch in Ordnung scheint, da tummeln sich einträchtig die Villa aus den ersten Jahren des 19 Jahrhunderts neben den betont nüchternen Betonbauten aus den 1970er-Jahren. Dazwischen, so als wenn sie von einem mutigen Landschaftsplaner zur Auflockerung der Straßenszene mitten zwischen Villa und Betonbunker platziert worden wären, verbreiten Einfamilienhäuser aus den 1950er-Jahren den Charme der Wirtschaftswunderzeiten und liefern sich ein nur schwer zu entscheidendes Stilduell gegen die fünfstöckigen Wohnblöcke der 60er-Jahre, die inzwischen durch den SWB (Sozialer Wohnungs Bau) oder die MWB (Mülheimer Wohnungs Bau) unterhalten werden.

„Diesmal werden wieder Geldscheine durch das geschlossene Fenster verheizt.“ Rasmus C. Beck, Vorsitzender der Geschäftsführung der Wirtschaftsförderung Ruhr


Das bietet Potenzial für eine energieeffiziente Umgestaltung. Durch die zudem im Stadtteil vorhandene Kaufkraft hofft die WMR als Initiator des Projektes, dass die Eigentümer auch wirtschaftlich in der Lage sind, diese Potenziale zu stemmen und diesen Teil von Mülheim energetisch fit zu machen. Die große Frage, die vor dem Anlaufen des eigentlichen Projektes unbedingt geklärt werden musste, war einfach. „Wollen die Hauseigentürmer die energetische Sanierung überhaupt?“
Dieser alles entscheidenden Frage geht seit November Projektleiter Jens Kohnen mit seinem Team von NRW Urban im Auftrag für die WMR nach. Im Rahmen eines Adventsbasars in der Kreuzkirche, durch die direkte Bewohnerbefragungen bei Wind und meist schlechtem Wetter auf der Straße und durch einen extra ausgerichteten Informationsnachmittag für Hauseigentümer mit Migrationshintergrund sammelten und sichteten die Mitarbeiter die Stimmen von rund 50 Eigentümern in Heißen.

„Wir haben hier die idealen Rahmenbedingungen, um das endgültige Ergebnis dann auf das komplette Ruhrgebiet zu übertragen.“ Rasmus C. Beck, Vorsitzender der Geschäftsführung der Wirtschaftsförderung Ruhr


Die Essenz aus diesen Befragungen überraschte dann auch die Experten von NRW Urban: „„Viele haben sich bereits mit einem energetischen Umbau ihres Hauses befasst“, so Jens Kohnen. Wobei die Hauptkriterien, die meist gegen einen energetischen Umbau sprachen, die Kosten waren. Und: Woher und welche Fördermittel gibt es überhaupt? Wie kommt man da als Privatmann ran?
Angesichts der Vielzahl an sehr unterschiedlichen Immobilien und der Vielfältigkeit der Besitzer kann für jedes Haus auch nur ein individueller Plan erstellt werden. So würde etwa bei manchen Objekten eine moderne Heizungsanlage und neue Fenster und Türen mehr Sinn machen als eine Komplettsanierung. Bei anderen Einheiten würde wiederum an dieser kein Weg vorbeiführen.

"Bei historisch bedeutsamen Fassaden würden wir immer von innen dämmen." Manfred Rauschen, Öko-Zentrum NRW


Daher erklärte Manfred Rauschen vom zuständigen Öko-Zentrum NRWbeispielsweise: „Bei historisch wirklich bedeutsamen Fassaden oder anspruchsvoller Architektur wie beim Gemeindehaus der Kreuzkirche würde man immer von innen dämmen, um den optischen Charakter eines Gebäudes zu erhalten.“ Das große Ziel, das Land und Stadt gemeinsam erreichen wollen, ist eine Verringerung der CO2-Emissionen. Bis 2020 sollen es etwa 40 Prozent weniger sein als noch 1990. Doch das geht nur mit den Bürgern.
Das machte Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld noch einmal deutlich: „Energetische Stadtentwicklung kann nur dann gut funktionieren, wenn wir die privaten Eigentümer der jeweiligen Immobilien bewegen können, mitzuziehen. Dieses langfristige Vorhaben kann die öffentlich Hand nicht alleine stemmen.“

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In Heißen leben 6300 Einwohner in 1.000 Wohngebäuden. Im Quartier sind Gewerbe und Handel vertreten, der große Teil der Gebäude wird zum Wohnen genutzt. Das Quartier ist 147 ha groß, ein Teil von Mülheim-Heißen. Die meisten Gebäude wurden vor Inkrafttreten der ersten energiesparrechtlichen Vorschriften in den 1970er-Jahren gebaut. Knapp 70 Prozent der Gebäude sind nicht saniert, zirka 20 Prozent sind bereits teilweise modernisiert.
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