Polizei lobt Engagement für Flüchtlinge - Lage ist ruhig

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Polizeipräsident Frank Richter (3.v.l.) besichtigte unter anderem mit Dezernent Ulrich Ernst (2.v.l.) die Saarner Einrichtung. Foto: PR-Foto Köhring/KP (Foto: Foto: PR-Foto Köhring/KP)
 
Eine Aufenthaltshalle (Foto: Foto: PR-Foto Köhring/KP)

Im letzten Oktober wurde es "aus dem Boden gestampft", inzwischen ist das Flüchtlingsdorf auf dem Kirmesplatz fertiggestellt. Wer heute das gesicherte Gelände betritt, den erwarten einstöckige Häuser: Eins neben dem anderen, schön in Reih und Glied, die meisten inzwischen mit Holz verkleidet. Es wirkt sauber und aufgeräumt, typisch deutsch eben. Polizeipräsident Frank Richter ließ sich von Vertretern des DRK und der Stadt die Einrichtung zeigen.

Zwischen den Häusern führt seit einer Woche eine asphaltierte Straße her. "Das ist eine Riesenerleichterung im Vergleich zu dem bisherigen schlammigen Untergrund, vor allem bei schlechtem Wetter", freut sich Frank Langer vom DRK. Die Straße ist fast leer, während die Gäste durch das Dorf schlendern. Dabei ist das Dorf zu über zwei Dritteln belegt. 426 Bewohner aus rund 20 Nationen leben hier zurzeit. "Wir legen Wert darauf, dass die Bewohner auch Angebote außerhalb des Dorfes bekommen und wahrnehmen. Deshalb ist es am Nachmittag hier leerer, weil viele dann zum Beispiel bei Sprachkursen sind", erklärt Langer.

Hohe Bereitschaft sich zu engagieren

Nach wie vor, so freut er sich, sei die Bereitschaft, sich ehrenamtlich zu engagieren, groß. "Allein für diesen Standort haben sich bis jetzt 200 freiwillige Helfer gemeldet." Die neuen Angebote mit den Ehrenamtlichen sollen unter anderem in Zusammenarbeit mit Sozialpädagogen entwickelt werden, erklärt die hauptamtliche Leiterin des Dorfes, Svenja Serfort vom DRK. Schon jetzt gebe es neben den Aktivitäten in den Saarner Gemeinden, zu denen auch Sprachkurse gehören, zum Beispiel Willkommenspaziergänge. 25 Freiwillige zeigen den neuen Bewohnern die Umgebung, die Einkaufsmöglichkeiten, die Wege zu den Ämtern und die Nutzung des ÖPNV.

Regeln im Dorf

Wer hier lebt, erhält einen Ausweis und muss sich an bestimmte Regeln halten. So erhält jeder Flüchtling eine Garnitur Geschirr und Besteck, das er behält und für dessen Reinigung er nach dem Essen in der großen Spülküche selber sorgen muss. Geht etwas verloren oder kaputt, gibt es Ersatz nur gegen eine Gebühr von ein paar Euro. "Das klappt prima, hier kommt kaum was weg", betont Langer. Auch die Zimmer halten die Bewohner selber sauber.

Das Essen gibt es in der Verpflegungshalle. "Wir können hier in zwei Stunden rund 600 Menschen verköstigen", weiß Frank Langer. Auch hier gilt: Essen gibt es nur nach Zeigen des Ausweises und Desinfizieren der Hände. Natürlich kommen auch Streitigkeiten vor. "Aber es gibt bei so vielen Menschen immer ein paar, die Probleme machen. Das ist aber die absolute Minderheit. Es ist schlimm, wenn die Mehrzahl der Flüchtlinge darunter leiden muss. Wir haben hier Menschen, die gefoltert wurden oder an posttraumatische Störungen leiden." Auch Svenja Serfort bestätigt das. "Wir haben hier keine Probleme mit den Bewohnern, auch nicht gegenüber den weiblichen Mitarbeitern."

Polizei zeigt Präsenz

Frank Wißen, stellvertretender Leiter der Wache Mülheim, lobt das außerordentliche Engagement der Rettungshelfer. "In Mülheim gibt es keine nennenswerte Probleme mit Flüchtlingen auf der einen, aber auch nicht mit rechtsextremen Übergriffen auf der anderen Seite. Die immer noch ausgeprägte Willkommenskultur spielt da sicher eine Rolle, aber auch unser Konzept der Präsenz. Nicht jeder Einsatz basiert auf einer Straftat. Wir wollen auch einfach nach dem Rechten schauen, um auf der einen Seite Bürgern das Gefühl der Sicherheit zu geben und auf der anderen Seite vertrauensbildende und präventive Maßnahmen in den Flüchtlingsunterkünften durchzuführen."

Viele Flüchtlinge, so Polizeipräsident Richter, haben aufgrund ihrer Erfahrung Angst vor der Polizei. Angebote der Polizei zur Verkehrserziehung zum Beispiel helfen, Barrieren zu überwinden. "Saarn ist wirklich eine Vorzeigeeinrichtung", zeigt sich Richter angetan. Er sieht hier und in anderen Mülheimer Einrichtungen keine eklatante Häufung von Straftaten. "Ich will weder dramatisieren noch schönreden. Natürlich gibt es mehr Einsätze, wo so viele Menschen auf kleinem Raum miteinander leben. Aber ich halte es für bedenklich, das politisch nutzen zu wollen."
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