Sicherung der ÖPNV Mobilität

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Um über den aktuellen Stand des Nahverkehrsentwicklungsplans zu informieren, hatte die SPD Heißen vor wenigen Tagen in den Gemeindesaal der Gnadenkirche eingeladen.

Dass es sich bei dem vorgestellten Nahverkehrsplan lediglich um einen Entwurf handelte, stellte Rolf Mühlenfeld gleich zu Beginn der Veranstaltung klar: Er habe noch nie erlebt, dass ein von der Verwaltung aufgestellter Plan so zu 100 Prozent im Rat vorgelegt wurde. „Wir möchten zunächst zeigen, wie es aussehen könnte. Anschließend möchten wir folgende Fragen klären: Wo besteht Einverständnis seitens der Bürger, bezogen auf die Veränderungen des Nahverkehrsplans? Wo gibt es Knackpunkte? Wo gibt es möglicherweise auch Anregungen?“

Trotz finanzieller Vorgaben - ein Betrag von 2 Millionen Euro soll jährlich eingespart werden - soll der neue Nahverkehrsplan die Mobilitätgarantie in Mülheim aufrechterhalten: „Wir sind als Stadt verpflichtet den Bürger eine Mobilität zu ermöglichen, dass auch diejenigen, die kein Auto besitzen oder gehbehindert sind, am öffentlichen Leben teilnehmen können“, verdeutlichte Roland Jansen (Amt für Verkehrswesen). Obwohl man einsparen muss, habe man bei der Planung eine Steigerung der Qualität des ÖPNV berücksichtigt. „Die ÖPNV Qualität definiert sich nicht nur dadurch, wie oft welche Fahrzeuge wohin fahren, sondern definiert sich auch durch folgende Faktoren: Wie ist die Umsteigesituation? Wie verhält es sich mit der Fahrtenzuverlässligkeit? Welche Ausfälle habe ich an Fahrten im Stadtgebiet? Wie komfortabel kann ich an den einzelnen Haltestellen umsteigen? In welchen Zustand sind Straßenbahn, Busse und Haltestellen?“

Um trotzdem Einsparungen zu gewährleisten habe man versucht, einen bedarfsorientierten Verkehr zu gestalten. Das heißt man versucht auf Grundlage von Fahrgastzählungen und weiteren Daten wie der Bevölkerungsstruktur, Demographie, Schulen und Haushaltsbefragungen „in den Bereichen, zu den Zeiten, und auf den Strecken einzusparen, wo wir die geringsten negativen Auswirkungen auf die Fahrgäste bzw. für die Fahrgäste haben.“

Trotz der Einsparungsmaßnahmen habe man im Rat beschlossen, wesentliche Infrastrukturmaßnahmen vorzunehmen: „Wir brauchen neue Fahrzeuge und wir müssen etwas an den Haltestellen tun!“
Im weiteren Verlauf der Informationsveranstaltung stellte Jansen die Qualitätsstandards zur Sicherung der Angebotsqualität des ÖPNV am Beispiel der Entfernung zur Haltestellte detailliert dar. So liegen die akzeptablen Grenzwerte für Fußwegeentfernungen zur Haltestelle für Bus und Straßenbahn im Kernbereich bei 300, im Kernrandbereich bei 400 und im Außenbereich bei 500 Metern. „Nachdem ermittelt wurde, wie viele Bürger durch den ÖPNV erschlossen sind, kommt man für Mülheim - im Tagesnetz - auf eine Zahl von 96,6 Prozent. Das heißt 3,4 Prozent der Bevölkerung liegt außerhalb dieser Einzugsbereiche der Haltestellen. Im Nachtnetz liegen wir noch bei 91,1 Prozent.“ Diese Werte sei sehr gut und sprächen für eine gute Erschließungsqualität, wie Jansen betonte, da vom Verband deutscher Verkehrsunternehmen (VdV) Mindestwerte von mindestens 75 bis 80 Prozent vorgegeben seien.

Anschließend stellte Jansen ein von den Fahrgastzählungen abgeleitetes Belastungsbild vor, in dem alle Straßenbahn- und Buslinien von der Tagesauslastung her aufgenommen wurden. So wird morgens zwischen 6 und 8.30 eine ausgeprägte Belastungsspitze auf allen Fahrzeugen erreicht, danach lassen sich deutliche Einschnitte feststellen. Während sich Berufs- und Schülerverkehr am Morgen noch überlagern und das hohe Fahrgastaufkommen erklären, verteilen sich diese über den Nachmittag und Abend. „Das bedeutet für uns - wenn wir einen bedarfsorientierten Verkehr fahren wollen - das wir die Straßenbahn nicht, wie wir es heute machen, während der ganzen Tageszeit bis abends 20 beziehungsweise 21 Uhr im 10 Minuten Takt fahren lassen. Vielmehr können wir durchaus zu den nachfrageschwächeren Zeiten einen 15 Minuten Takt vorhalten.“ Diese Änderung der Taktzeiten würde bereits erhebliche Einsparungen bedeuten.

Die für den Stadtteil Heißen relevanten Maßnahmen im Rahmen des Nahverkehrsplan fasste Jansen im Folgenden zusammen: So bleiben Linienverlauf und Takt der U18 unverändert, für die Linie 110 schlägt die SPD vor, sie nicht länger als Straßenbahnlinie fahren zu lassen. Der Linienweg soll in Zukunft von anderen Straßenbahnen oder Bussen abgedeckt werden. Neu ist hier die Linie 130, die als Straßenbahnersatz für die 110 dient. Die Linie soll laut SPD von der Friesenstraße über den Hauptbahnhof und Walkmühle bis zum Flughafen führen. Damit soll der heutige Schienenersatzverkehr zwischen Hauptfriedhof und Flughafen in das reguläre Busnetz eingebunden werden. Auch Linienverlauf und Takt der 129 (Rhein-Ruhr-Zentrum bis Oberhausen Altstaden) soll unverändert bleiben. Allerdings schlägt die SPD vor, die Betriebszeit an Samstagen zu verlängern. Aufgrund der geringen Auslastung der 151 und der Gegebenheit, dass Friedrich-Ebert-Straße und Dohne im Einzugsbereich der Straßenbahn liegen, soll die Linie 151 gestrichen beziehungsweise durch die Buslinien 131 und 753 ersetzt werden. Die Buslinien 136 und 138 bleiben vom Verlauf unverändert, allerdings wird der Takt der 138 verändert.

Der neue Nahverkehrsplan wurde von den anwesenden Bürgern gut aufgenommen, Wortmeldungen bezogen sich unter anderem auf den Wunsch, Möglichkeiten für die Anbindung des Jugendzentrums Friedrich-Wennmann-Haus, Tinkrathstraße 68, an Heißen zu schaffen, eine bessere Regelung für den Einsatz von E-Bussen zu Schulzeiten zu finden sowie funktionierende Fahrgastinformationen an den Haltestellen zu realisieren. Denn noch sind viele Tafeln gestört und zeigen weder Verspätungen noch Ausfälle an.

Birgit Adler (Via Verkehrsgesellschaft) und Peter Schwarz (MVG) betonten, dass man seit zwei Jahren vor Schuljahresbeginn regelmäßig Kontakt mit den Schulen aufnimmt, um die Fahrtzeiten der Busse mit den Unterrichtsstunden abzustimmen. Man sei zudem seit zwei Monaten wieder voll besetzt, sodass auch bei Lautsprecherdurchsagen eine Kontinuität wieder erreicht wird.
Bis zur Ratssitzung im Oktober, wenn dem Rat die Endfassung des Nahverkehrsplans zum Beschluss vorgelegt wird, werden eine zweite Bürgerbeteiligung sowie ein TÖB-Beteiligungsverfahren organisiert.
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