SPD-Fraktion: Wiechering tritt nicht mehr an

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Dieter Wiechering kandidiert nicht mehr für den Fraktionsvorsitz.

Dieter Wiechering, einer der dienstältesten SPD-Fraktionsvorsitzenden in NRW, tritt nicht mehr zur Wiederwahl an. Das erklärte Wiechering heute Nachmittag während eines Pressegespräches in den Räumen der SPD-Fraktion an der Auerstraße. Die Frage der Nachfolge ist nach Aussagen Wiecherings noch nicht geklärt.


Der 74-jährige Wiechering ist seit 1989 im Stadtrat und seit 1994 Vorsitzender der SPD-Ratsfraktion. „Ich habe bereits zu Beginn der Wahlperiode gesagt, dass ich nicht bis zum Ende der Wahlperiode Fraktionsvorsitzender bleibe“, erinnerte Wiechering an sein Versprechen vor rund zweieinhalb Jahren. Seine Entscheidung sei während der Pfingsttage gefallen und „hat nichts mit dem heiligen Geist zu tun“, betont der (Noch)-Fraktionsvorsitzende.
In der derzeit laufenden Fraktionssitzung informiert Wiechering gerade die SPD- Fraktion über seinen Entschluss. Damit ist das Rennen um die Nachfolge des sozialdemokratischen Urgesteins eröffnet. Der Zeitpunkt ist günstig, denn in den kommenden Wochen steht ohnehin die Wahl des Fraktionsvorstandes turnusgemäß an.

Nachfolge offen

„Ein Nachfolger steht noch nicht fest“, so Wiechering. Ein künftiger Fraktionsvorsitzender "sollte mindestens zwei Wahlperioden im Stadtrat gewesen sein, um zu wissen, wie die politischen Machtverhältnisse funktionieren.“ Als weitere Kriterien für den Vorsitz nannte er die Fähigkeit, Mitarbeiter zu führen und einen offenen Umgang mit Bürgern zu pflegen.
Wiechering geht davon aus, dass die Wahl des neuen Fraktionsvorsitzenden in drei Wochen stattfindet.

Anforderungen gestiegen

„Die Anforderungen an einen Fraktionsvorsitzenden sind in den vergangenen 24 Jahren stetig gewachsen und anspruchsvoller geworden“, so Wiechering in der Rückschau am Mittwoch. „Wer den Fraktionsvorsitz übernimmt, benötigt vor allem eins: Zeit.“ Der Fraktionsvorsitz sei inzwischen mehr als ein Halbtagsjob. „Ehrenamtlich Politik zu betreiben, ist schwierig geworden“, sagt das SPD-Urgestein.
„Wer heute am Berufsanfang steht und Karriere machen will, zu dem passt bereits die Ratsarbeit nicht“, fügt Fraktionsgeschäftsführer Claus Schindler hinzu. Er kennt den Terminplan von Wiechering und weiß, wie viel Zeit der 74-Jährige für die Politik bislang aufbringt. Auch er sei von der Ankündigung überrascht worden. „Nein, ich stehe für das Amt des Fraktionsvorsitzenden nicht zur Verfügung“, winkt Schindler ab. Die Chemie in der SPD-Fraktion sei gut und die Fraktion hätte Wiechering auch mit großer Mehrheit wieder gewählt, ist sich der Fraktionsgeschäftsführer sicher. Es habe schon schwierigere Zeiten gegeben.
Neben Wiechering sind derzeit sein Stellvertreter Dieter Spliethoff und als Beisitzer Daniel Mühlenfeld, Sascha Jurczyk, Alexander Böhm und Johannes Terkatz im Fraktionsvorstand.
In der Rückschau zählt Wiechering die Verwirklichung der Broicher Mitte, an der er mitgewirkt habe, die MüGa, Ruhrbania und die Ansiedlung der HRW als größte politische Erfolge. Auf die Frage, welche Entscheidung er nicht mehr fällen würde, sagt Wiechering: „Mit dem Wissen von heute, hätte ich keine Zustimmung zum Verkauf der RWW-Gesellschafteranteile gegeben.“ Der Erlös habe den Haushalt nur kurzfristig entlastet. Die Frage, wie der Haushalt künftig ausgeglichen werde könne, bleibe spannend.
Er selbst bleibe als "einfacher" Ratsherr im Stadtrat. Einige seiner Positionen in Aufsichtsräten und Ausschüssen trete er an den neuen Vorsitzenden ab.
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