Tausende kamen zur Kundgebung

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„Bitte einmal umdrehen und winken“: Bevor am Freitagmittag die dritte Runde der Tarifverhandlungen zwischen Arbeitgebern und der IG Metall NRW in der Stadthalle Mülheim begann, ließ die Gewerkschaft noch einmal ihre Muskeln spielen.

Tausende drängten sich in Hör- und Sichtweite des Verhandlungsortes auf dem Platz am Hafen und begleiteten die Kampfansagen der Gewerkschaftsfunktionäre mit Beifall und Pfiffen.

6000 Metaller demonstrierten

Über 60 Busse mit Metallern aus ganz NRW sorgten bereits gegen 9 Uhr für ein Verkehrschaos rund um den Stadthallenparkplatz. Mit rund 6000 - von der Polizei geschätzten - Teilnehmern kamen mehr als doppelt so viele Beschäftigte aus der Metallindustrie als ursprünglich angemeldet.

Vom Parkplatz aus zogen sie in einer großen Demo über die Schloßbrücke bis zum kleinen Hafen von Ruhrbania, wo für die Kundgebung der IG Metall direkt vor den Verhandlungen eine große Bühne aufgebaut worden war. Hier drängten sich die Teilnehmer, versehen mit zahlreichen Plakaten.

Altersteilzeit soll verbessert werden

Auf der Bühne gaben sich die Gewerkschaftler kampfbereit. Und hatten damit ihre Zuhörer ganz hinter sich. Das bisherige Angebot der Arbeitgeber mit einer Lohnerhöhung von 2,2 Prozent sei indiskutabel, die IG Metall fordert 5,5 Prozent. Nicht hinnehmbar sei auch, dass die Arbeitgeber die bisherige Regelung zur Altersteilzeit halbieren wollen - nur noch die sollen in Altersteilzeit gehen können, die körperlich nicht mehr können. „Das ist ein Modell zum Entsorgen von kranken Mitarbeitern, die sowieso Kündigungsschutz haben“, ruft IG-Metall-Bezirksleiter und Verhandlungsführer Knut Giesler.

Auch Pietro Bazzoli, Betriebsratsvorsitzender von Siemens in Mülheim und Mitglied der Verhandlungskommission, betont: „Wer bis zu 45 Jahre lang Werte für Siemens geschaffen hat, der sollte in Würde in Teilzeit gehen können und nicht als Bittsteller.“ Allein von Siemens Mülheim waren 1000 Mitarbeiter vor Ort. Der Standort bangt um zahlreiche Arbeitsplätze, da das Management weniger rentable Bereiche dicht machen will. „Siemens ist ein gutes Beispiel: Hier nimmt man eine Milliarde Euro in die Hand, um Arbeitsplätze zu streichen und Kosten einzusparen, statt dieses Geld in die Entwicklung neuer Produkte zu stecken“, geißelt Giesler. „Mensch vor Marge“ steht auch auf manchem Plakat.

Bildungsteilzeit in den Tarifvertrag

Jugendvertreter David Lüdtke macht deutlich: Neben der Regelung für Altersteilzeit tritt die Gewerkschaft auch für Bildungsteilzeit als Bestandteil des Tarifsvertrages ein. „Die Arbeitgeber meinen, es gäbe genügend Arbeitsangebote. Viele können sich aber aufgrund ihrer ungünstigen Arbeitszeiten oder Schichten nicht so fortbilden, wie sie es möchten, und sie können in der Zeit auch nicht auf ihr Gehalt verzichten.“ Heute sei gerade im Industriesektor ständige Weiterbildung nötig. Dafür benötigen die Arbeitnehmer entsprechende Angebote bei Weiterzahlung des Gehaltes.

Knut Giesler weiß aus eigener Erfahrung: „Einfache Arbeiten werden ausgelagert ins Ausland, aber für komplexere Arbeitsgänge, die bleiben oder neu hinzukommen, sind die Beschäftigten dann nicht mehr qualifiziert genug. Heute muss der Grundstein dafür gelegt werden, dass die Belegschaft in zehn Jahren noch gut arbeiten kann.“

Zum Verhandlungsergebnis äußerte sich am späten Nachmittag auch der Unternehmerverband.

Fotos: PR-Foto Köhring

Siemens:

>>Siemens hat die Folgen der Energiewende falsch eingeschätzt, der Kraftwerksbau ist rückgängig. 2014 hat das Management den bisher größten Konzernumbau in die Wege geleitet.
>> In Deutschland sollen 3300 Plätz wegfallen. 299 davon in Mülheim, aber beim Dampfturbinen- und Generatorenwerk werden weitere Einschnitte befürchtet.
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Horst Mölders aus Mülheim an der Ruhr | 08.02.2015 | 18:58  
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