VIA nimmt Stellung zur aktuellen Situation des Nahverkehrs in Mülheim

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Die Verantwortlichen bei VIA, dem Zusammenschluss der Nahverkehrsbetriebe in Essen, Duisburg und Mülheim wissen um die Wichtigkeit eines funktionierenden Straßenbahnnetzes. (Foto: PR Foto Köhring/JA)
 
VIA-Pressesprecher Nils Hoffmann stellte sich den Fragen der Mülheimer Woche. (Foto: EVAG)
 
Vor allem die fehlenden oder verspäteten Informationen an vielen Haltestellen über Zugausfälle sind ein Ärgernis. Aber nicht für Nils Hoffmann und die VIA, die von einem funktionierenden Informationssystem ausgehen. (Foto: PR-Foto Köhring/JA)
Mülheim: MVG |

Richtungsstreit in der Mülheimer Verkehrsgesellschaft zwischen Aufsichtsrat, Gewerkschaft und Betriebsrat. Dazu drohen weitere Sparmaßnahmen im Hintergrund. Angesichts dieser eher ernüchternden Aussichten hat sich die Mülheimer Woche mit dem Pressesprecher der „VIA - dem Zusammenschluss auf Arbeitgeberseite zwischen den Verkehrsgesellschaften in Essen, Duisburg und Mülheim“ Nils Hoffmann über die aktuelle Situation, bisher bereits geschaffte und noch anzugehende Verbesserungen unterhalten.



VIA ist 2010 mit der Intention gegründet worden, Synergieeffekte zwischen den beteiligten Gesellschaften zu schaffen, Kosten einzusparen und für den Fahrgast spürbare Verbesserungen zu schaffen. Inzwischen sind fünf Jahre vergangenen, aber vor allem in Mülheim ist VIA immer noch eine große Unbekannte. Warum ist das so?
Nils Hoffmann: „Die Via wurde zunächst als Arbeitgebermarke gegründet. Der Ratsbeschluss aller drei Städte zur Gründung von Via beinhaltete ausdrücklich, dass Via zunächst nicht als Marke in Richtung Endkunden in Erscheinung tritt. Ob dies möglich und sinnvoll ist, soll zu einem späteren Zeitpunkt geprüft werden. Öffentlich wahrnehmbar wird die Via nur für den Fall, dass sie als Endverbrauchermarke eingeführt wird. Dies ist eine mittelfristige Option.“

In den letzten Monaten ist immer offensichtlicher geworden, dass es vor allem im alltäglichen Bereich auch bei gemeinsamen Linien mit dem Informationsfluss nicht funktioniert. Besonders die Linie 104 zwischen Mülheim Hauptfriedhof und Essen Abzweig Aktienstraße wurde von Fahrgästen immer wieder als Problemlinie genannt. So kommen Informationen über Ausfälle, Verspätungen und deren Gründe nicht an und die Fahrgäste stehen teilweise mehr als eine halbe Stunde ohne Info an der Haltestelle. Warum ist das so?
„Wenn Fahrzeuge Verspätung haben, ist unsere Kundenkommunikation das beste Mittel, um Fahrgäste zu befähigen souverän zu entscheiden, ob sie warten wollen, oder sich eine Mobilitätalternative suchen. Wir haben bereits auf das Kundenfeedback reagiert und informieren zeitnah über die digitalen Informationstafeln. Für 2015 wird es diesen Service wie in Essen auch online geben.“

„VIA wurde zunächst als Arbeitgebermarke gegründet.“ Nils Hoffmann, Pressesprecher der VIA


Angesichts der großen finanziellen Probleme der Stadt Mülheim und damit auch der Mülheimer Verkehrsgesellschaft stellt sich auch die Frage nach dem finanziellen Nutzen der VIA. Angetreten ist die VIA, um bei der MVG eine jährliche Strukturverbesserung von acht Millionen Euro zu erreichen. Wurde dieses Ziel erreicht und was wurde dafür getan?
„Die Via ist 2010 angetreten um in 10 Jahren eine jährliche strukturelle Verbesserung von 13,5 Millionen Euro zu erzielen. Derzeit sind davon 6,5 Mio. Euro realisiert. Die MVG ist an der Via mit 17 Prozent beteiligt. Alle drei Unternehmen haben umfangreiche interne Restrukturierungen hinter sich. Das Restrukturierungsprogramm der MVG beläuft sich auf rund 11,5 Mio. Euro (10,4 Mio.Euro plus Via-bedingt 1,1 Mio. Euro), wobei bis Ende 2013 plangemäß 8,7 Mio. Euro nachhaltig gehoben wurden.“

Bei der MVG schwelt aktuell ein interner Richtungsstreit zwischen dem Aufsichtsratsvorsitzenden und der Gewerkschaft Ver.di über die zukünftige Ausrichtung der MVG. In wie weit kann VIA in dieser problematischen Situation unterstützen, damit die Außendarstellung einer beteiligten Tochtergesellschaft nicht noch mehr leidet?
„Der von Ihnen benannte Konflikt findet nicht bei der MVG statt. Weder der Vertreter des Anteilseigners noch der Vertreter von Verdi sind MVG-Mitarbeiter. Die Via wird Auseinandersetzungen zwischen Parteien außerhalb ihres Betriebes nicht kommentieren.“

Es gibt konkrete Pläne seitens der Politik in Mülheim die Straßenbahnen abzuschaffen und den ÖPNV komplett auf Busse umzustellen. Von dieser Entscheidung wären auch die Partner und Nachbarstädte massiv betroffen. Wie stehen Sie dazu?
„Dies haben die jeweiligen Städte als Auftraggeber der Nahverkehrsleistung und Eigentümer der Verkehrsunternehmen zu bewerten.“

„Es ist einzig ein Streit zwischen Ver.di und Wolfgang Michels. MVG-Mitarbeiter sind nicht beteiligt.“ Nils Hoffmann, Pressesprecher VIA


Nach fünf Jahren VIA ist jede der beteiligten Gesellschaften immer noch mit einem eigenen Aufsichtsrat, eigenen Geschäftsführern und Betriebsräten versehen. Dazu hat die VIA selbst auch noch Geschäftsführer und Aufsichtsräte. Von personeller Verschlankung keine Spur. Wann tritt diese endlich ein und entlastet dadurch auch die Etats der beteiligten Gesellschaften?
„Die Notwendigkeit von Aufsichtsräten ist im Aktiengesetz festgelegt. Bei GmbHs kommt es darauf an, ob es der Gesellschaftervertrag vorsieht. Einfluss auf die Anzahl können im gesetzlichen Rahmen nur die Eigentümer nehmen durch Verringerung, Fusion der Betriebe oder ähnliches. Via kann darauf keinen Einfluss nehmen. Die Möglichkeit Betriebsräte zu gründen ist im Betriebsverfassungsgesetz festgelegt. Dies obliegt den Mitarbeitern der Betriebe.Die Via nimmt keinen Einfluss. In den vier Gesellschaften gibt es drei bezahlte Geschäftsführer/Vorstände, die jeweils in Doppelfunktion (im Falle von Herrn Wandelenus sogar in Vierfach-Funktion) in den Muttergesellschaften als auch in der Via Verantwortung tragen. Vor Via waren es acht Geschäftsführer/Vorstände. Hinzukommt, dass es nur noch eine Führungsstruktur in Via statt derer drei gibt. Diese Mail schreibt Ihnen der Via Pressesprecher, der für die EVAG und die MVG zuständig ist. Vorher gab es einen Pressesprecher bei der MVG und bei der EVAG. Ihre Aussage „von personeller Verschlankung keine Spur“ stimmt also nicht.“

Die Menschen in den drei in VIA zusammen gefassten Städten werden immer älter. Dennoch wurde etwa jetzt der Begleitservice in Mülheim aus Kostengründen eingestellt. Was kann die VIA in diesem Bereich tun, um Ihren Fahrgästen die tägliche Nutzung zu erleichtern?
„Die Via investiert seit Jahren in den barrierefreien Ausbau der Infrastruktur in den drei Städten und beschafft moderne Fahrzeuge mit Niederflurtechnik. Für Mülheim sind beispielsweise 15 neue Niederflurstraßenbahnen, eine Online-Fahrgastinformation sowie neue Automaten vorgesehen.“

"Wir investieren weiter in Barrierefreiheit". Nils Hoffmann, Pressesprecher VIA


VIA hat sich zudem eine Erhöhung der Dienstleistungsqualität auf die Fahnen geschrieben. Doch vor Ort beim Fahrgast ist davon noch nicht wirklich viel angekommen. Woran liegt das und was wird zeitnah getan, um dieses Ziel umzusetzen?„Ihre Aussage stimmt so nicht. Unter www.via-verkehr.de/fileadmin/dokumente/dimensionen/qualitative_dimension.pdf findet man das tatsächliche Statement zur Angebotsqualität. Die Qualität im Nahverkehr wird durch politische Entscheidung bestimmt. Sie finden direkten Eingang in den Nahverkehrsplan der Städte. Mit dem Nahverkehrsplan geht in der Regel ein entsprechendes Budget einher, das die Grundlage für die Wirtschaftspläne der einzelnen Betriebe ist.“

Es wird schwieriger qualifiziertes Personal im Bereich Bus-Straßenbahnfahrer zu finden. Woran liegt das und was bietet die VIA Interessenten, damit Sie diese anspruchsvollen Positionen auch ausreichend besetzen kann?
„Die Entlohnung der Bus- und Straßenbahnfahrer ist im Tarifvertrag Nahverkehr festgelegt und Ergebnis einer Tarifeinigung zwischen Verdi und Kommunalen Arbeitgeberverband und unterliegt nicht dem Einfluss der Via. Die ÖPNV-Branche kämpft mit dem Fachkräftemangel. Immer weniger junge Menschen stehen dem Arbeitsmarkt zur Verfügung. Eine Folge des demographischen Wandels. Via bietet krisenfeste Arbeitsplätze im Bereich der allgemeinen Daseinsvorsorge. Dies ist aktuell eher die Ausnahme als die Regel.“

Zur Ergänzung: Ver.di bleibt kämpferisch
Weiter kämpferisch geben sich Jürgen Sauer, Gewerkschaftsseketär von Ver.di und MVG-Betriebsrat Ahmet Avsar in Bezug auf ihre Rücktrittsforderungen gegenüber MVG-Aufsichtsratschef Wolfgang Michels. So sagte Sauer jüngst nach einer Sitzung mit dem Betriebsrat der MVG und den Vertrauensleuten. „Wir wiederholen unsere Forderung, dass Wolfgang Michels von seinem Posten als Aufsichtsratsvorsitzender zurück zu treten hat. Diese Forderung werden wir auch durch Aktionen, an denen sich auch die gewerkschaftlich organisierten Mitarbeiter der MVG beteiligen werden, eindrucksvoll unterstreichen.“
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