"Der Nächste, bitte!" - Aus der Praxis des Evangelischen Krankenhauses Mülheim. Heute: Hämorrhoiden

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Viel trinken kann Hämorrhoiden vorbeugen. (Foto: PR-Foto Köhring)
 
Prof Dr. Heinz-Jochen Gassel. (Foto: EKM/Köhring)

Sabine Z. ist das Thema so peinlich, dass sie es weder mit ihrem Mann noch mit ihrer Freundin und auch nicht mit ihrem Arzt bespricht. Ihr After juckt, in ihrer Unterwäsche findet sie Schmierspuren von Stuhlgang und Ausfluss und sie hat das Gefühl, dass da Knoten sind. Es stört sie, aber trotzdem ist es ihr so unangenehm, darüber zu reden, dass sie es lieber ganz lässt. „Und lebensbedrohlich sind Hämorrhoiden ja auch nicht“, denkt sie.

Professor Heinz-Jochen Gassel, Chefarzt der Chirurgischen Klinik am Evangelischen Krankenhaus Mülheim (EKM), kennt dieses Problem: Aus Schamgefühl verschweigen viele Menschen ihre Erkrankungen am Enddarm. „Dabei sind bei Hämorrhoiden die Heilungschancen ausgezeichnet“, sagt er. Mit kleinen Eingriffen können Chirurgen und Proktologen schnell dafür sorgen, dass sich die Patienten wieder wohlfühlen.

Das Hämorrhoidalpolster ist ein Teil des natürlichen Verschlussmechanismus des Afters. Dabei bilden Arterien ein Polster, das für die Feinregulierung des Schließmuskels wichtig ist. Wenn sich diese Arterien vergrößern, spricht man von Hämorrhoidal-Leiden, umgangssprachlich Hämorrhoiden. Es gibt vier Abstufungen: Bei Hämorrhoiden des ersten Grades wird selten etwas unternommen. „Und die Salben, die man besorgen kann, helfen meist nicht“, so Professor Gassel.

Wichtiger ist es, bei der Analhygiene nur warmes Wasser oder reine Seife zu verwenden. Duschgel oder feuchtes Toilettenpapier enthalten oft chemische Zusätze, die die Haut reizen können. Menschen, die unter Hämorrhoiden leiden, sollten beim Stuhlgang nicht fest pressen, denn dadurch sammelt sich mehr Blut in den Hämorrhoiden.

Ambulanter Eingriff

Bei Sabine Z. sind die Hämorrhoiden so ausgeprägt, dass sie beim Stuhlgang herausgedrückt werden. Sie spürt nun auch Schmerzen und überwindet sich schließlich, zum Arzt zu gehen. In einem ambulanten Eingriff bindet dieser ihre Hämorrhoide mit einem Gummiband ab (Gummibandligatur), so dass sie abstirbt. Ein kleiner Eingriff, der Sabine Z. aber enorme Erleichterung bringt. Diese Gummibandligatur wird bei Hämorrhoiden des zweiten Grades angewandt. Eine Alternative ist das gezielte Abbinden der Arterien (Dopplergesteuerte Hämorrhoidal-Arterien-Ligatur).

Bei dem weiter fortgeschrittenen Stadium kommen schmerzarme und gewebeschonende Operationsmethoden in Vollnarkose zum Einsatz. Viele Hämorrhoiden des dritten und vierten Grades müssen operativ entfernt werden. Im schlimmsten Fall können Hämorrhoiden des vierten Grades einklemmen. Das führt zu großen Schmerzen und kann nur durch eine rasche Operation behoben werden. Darum ist es sinnvoll, sich früh an seinen Arzt zu wenden.

Bei Blut im Stuhl zum Arzt

Professor Gassel rät allen, die Blut in ihrem Stuhl finden, umgehend zum Arzt zu gehen. Denn das kann nicht nur eine Folge von Hämorrhoiden sein, sondern auch auf andere Erkrankungen hinweisen. Darum muss ein Arzt genau abklären, woher das Blut stammt. Seine Tipps, um Hämorrhoiden zu vermeiden: „Bewegen Sie sich viel und trinken Sie ausreichend, um den Stuhlgang weich zu halten.“ Viel trinken kann Hämorrhoiden vorbeugen.
Foto: PR-Foto Köhring/SH Tipp Prof Dr. Heinz-Jochen Gassel. Foto: EKM/Köhring
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Anton Heidemann aus Bochum | 10.03.2017 | 23:49  
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