Der Nächste, bitte! Aus der Praxis des Evangelischen Krankenhauses Mülheim. Heute: Schilddrüsenkrebs

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Ist die Schilddrüse vergrößert? (Foto: Foto: EKM)

Maria S. will mit ihrem Mann ins Theater. Sie steht vor dem Spiegel und ärgert sich: Ihre Lieblingskette ist zu eng. Sie kann sie nicht mehr schließen. Vor dem Spiegel fällt ihr auf, dass sie an ihrem Hals einen Knubbel sieht. „Ob das der Grund dafür ist, dass ich immer einen Kloß im Hals habe?“, denkt sie. Maria S. geht zum Arzt.

Ihr Arzt verweist sie an einen niedergelassenen Spezialisten, der nach einer umfassenden Diagnostik in ihrer Schilddrüse Knoten feststellt. Ihre Schilddrüse, die normalerweise etwa walnussgroß ist, ist dadurch deutlich vergrößert. Diese Vergrößerung hat sie im Spiegel gesehen – und sie spürt sie auch. „Wenn die Schilddrüse größer wird, drückt sie auf die Speise- oder die Luftröhre und dadurch hat die Patientin das Gefühl, sie habe einen Kloß im Hals oder hat Beschwerden beim Schlucken“, sagt Prof. Heinz-Jochen Gassel, Chefarzt der Chirurgischen Klinik am Evangelischen Krankenhaus Mülheim (EKM).

Der Spezialist rät Maria S. zu einer Operation, denn die Gewebeproben haben ergeben, dass die Knoten bösartig sind. Vor der Operation hat Maria S. große Angst, denn sie hat gehört, dass diese nicht ganz unproblematisch ist.

„Die Schilddrüse ist klein, aber sie produziert Hormone, die für die Muskulatur, das Herz, das Hirn, das Nervensystem und für den Leberstoffwechsel sehr wichtig sind“, sagt Prof. Gassel. Bei einer Operation versuchen die Chirurgen daher, so viel gesundes Gewebe wie möglich zu belassen und nur das erkrankte zu entfernen. Wird Schilddrüsenkrebs rechtzeitig erkannt, so wie bei Maria S., sind die Heilungschancen sehr gut.

Mit Lupenbrille und kontinuierlicher Überwachung

Bei dem Eingriff handele es sich um Mikrochirurgie, sagt der Chefarzt. Es sei wichtig, bei dem Eingriff weder die Stimmbandnerven noch die Nebenschilddrüsen zu verletzen. Die zwei Stimmbandnerven liegen hinter der Schilddrüse und sind nur zwei Millimeter dünn. „Diese Nerven sind dafür verantwortlich, dass die Stimmritzen aufgehen. Wenn eine Seite verletzt wird, führt das zu Heiserkeit.“ Der operierende Arzt trägt daher eine Lupenbrille und kontrolliert über ein spezielles Neuromonitoring kontinuierlich die Funktion der Stimmbandnerven.

Auch die Nebenschilddrüsen, die für den Kalziumstoffwechsel verantwortlich sind, dürfen nicht geschädigt werden, sonst kommt es zu Krämpfen. Diese vier Drüsen sind kleiner als Erbsen. „Bei einem erfahrenen Chirurgen besteht bei dem Eingriff keine Gefahr“, sagt Prof. Gassel.

Wegen der nun verkleinerten Schilddrüse muss die Patientin ihr Leben lang Schilddrüsenhormone einnehmen. Der niedergelassene Spezialist stellt sie ganz individuell auf die richtige Dosis ein. „Es ist sehr wichtig, die richtige Balance zu finden und immer wieder zu kontrollieren“, sagt Prof. Gassel. Die Schilddrüse ist wichtig für die Gesundheit. 
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