Königin Luise (3)

Anzeige
Luise und Friederike (Foto: gemeinfrei)

Der bis hierher treue Leser (beiderlei Geschlechts in jeglicher Form) möge sich bewusst werden, dass er hier der Entstehung einer Luisenerzählung beiwohnt, die ihresgleichen gar nicht erst sucht und nicht weiß, ob und wie sie enden wird.
Falls der oben näher bezeichnete Leser aber zwischenzeitlich oder anschließend eine andere Meinung einholen möchte, seien ihm hier drei empfohlen:

Paul Bailleu, Königin Luise,1908
Dr. Karl Deicke, Aus den Jugendjahren einer Königin, 1910
Heinz Ohff, Königin Luise von Preußen, 1992 (kostenfrei im Internet zugänglich)

Die Oma war die wichtigste Person ihrer Jugendjahre. Mutter und Stiefmutter starben früh. Das war der Grund, warum sie und ihre zwei Jahre jüngere Schwester Friederike bei ihr in Darmstadt aufwuchsen. Die Oma lebte da im schönen Alten Palais als Landgräfin. Unter anderem hieß sie auch Luise, wurde aber meist George genannt, nach ihrem Mann Georg. Ich nenne sie Albertine, weil das von ihren Namen der einzige ist, den man sich gut merken kann.
Sie redete ohne Unterbrechung, meist im Pfälzer Dialekt, denn sie stammte aus Heidesheim am Rhein, nicht weit von Mainz. Das von ihr geerbte Broich hätte sie also bequem auf dem Wasserweg erreichen können, was sie einmal ansatzweise tatsächlich auch gemacht hat. Ansonsten steckte sie ständig in Geldnöten, fand aber immer jemand, der ihr was borgte. Bei ihrem ersten Besuch in Broich befand sie sich nicht nur in einer fast unbewohnbaren karolingischen Burganlage, sondern auch zwei Jahre vor der französischen Revolution: 1787
Luise ist da gerade mal 11 und Friederike zum selber ausrechnen.

">Prinzessinnenpaar

Später lief da immer auch noch der ganz kleine Karl durch die Beine, der gleichfalls schon mutterlose Halbbruder.
Ehe wir zu den schönen Geschichten mölmscher Luisenmythologen kommen, sollten wir uns die äußere Lage klar machen:
Mülheim war noch ein Dorf mit höchstens 5000 Einwohnern, es gab keine Brücke, man konnte fast von Sandbank zu Sandbank hüpfen, eine Furt auf dem Hellweg eben, die Ruhr ganz am Anfang der Schiffbarmachung.
Aber es gab den Hermann Scholl , der war Tengelmann. Entschuldigung: Fährmann.
Den ärgerte schon ein paar Jahre, dass er die Broicher „umsonst“ übersetzen sollte. Gut, mit Tengelmann (wörtl. Sensenschärfer) habe ich etwas vorgegriffen. Aber aus seiner Familie stammte Louise(!) Scholl, die Gattin des Inhabers von Tengelmann.
Wegen der Regelungen von Streitigkeiten, es war sogar vom Fährgeldkrieg die Rede, und der Sorge um den baulichen Zustand der alten Burg war sie wohl hauptsächlich in Broich. Die Sommerfrischen um Darmstadt herum waren um einiges attraktiver.

Und was wir auf keinen Fall vergessen sollten, ist, dass die wilde Hummel Jungfer „Husch“ und ihre Geschwister ständig von einem Hofstaat mit Lakaien und Gouvernanten umgeben waren. Sicher milderte die Leutseligkeit und Direktheit der Albertine wohl einiges ab, aber sie war eine Landgräfin von Hessen-Darmstadt und spielte adelsmäßig in der Oberliga. Sie war es schließlich, die Luise und Friederike im Doppelpack ans preußische Königshaus vermittelte.

2
Diesen Mitgliedern gefällt das:
2 Kommentare
3.734
Renate Smirnow-Klaskala aus Essen-Nord | 14.01.2017 | 10:41  
9.663
Franziskus Firla aus Mülheim an der Ruhr | 14.01.2017 | 11:24  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.