Nasse Füße, coole Kinder

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Gespannt und auch ein bisschen aufgeregt waren die Viertklässler der Selbecker Dependance Grundschule am Oemberg, bevor es auf die Expedition in die Ruhr ging, die sie bei der Verlosung der Agentin Schlaumeise gewonnen hat. Was sie dort so alles erwartet hat, beeindruckte Schüler wie Lehrer gleichermaßen.

von Alexander Horn

Zu Beginn des abwechslungsreichen Vormittags nahmen sich die Kinder der 4a noch fünf Minuten um sich entsprechend zu stärken. Abenteurer müssen schließlich gut essen! Dieser Umstand lockte jedoch ganz andere Tierchen an, als die, um die es an diesem Vormittag eigentlich gehen sollte. Einige Wespen hatten es auf das Frühstück der Kinder abgesehen, denn ähnlich so manchem Grundschüler bevorzugen sie süße Speisen wie Kuchen und Plätzchen.
„Die Wespen müssen sich nun nicht mehr um die Aufzucht ihrer Brut kümmern und gehen auf Nahrungssuche“, erklärte Christa Schragmann, Chefin des Haus Ruhrnatur und „Expeditionsleiterin“ das Verhalten der Zweiflügler.
Nachdem dieser erste Schreck überwunden war, ging es aber gleich mit einer Fragerunde, bei der die Schüler zeigen konnten, dass sie sich durchaus schon auskennen, weiter. Rückenschwimmer, Wasserläufer und Mücken wurden auf die Frage, was da so in der Ruhr kreucht und fleucht, ebenso genannt wie Egel, kleine Muscheln und Flokrebse. Diese haben auch einen ganz praktisch Nutzen wie Christa Schragmann betonte: „Wo Flusskrebse vorkommen, ist das Wasser sauber genug zum Baden.“
Bevor es dann aber wirklich losgehen sollte, zog noch ein anderer alle Aufmerksamkeit auf sich. Der Niederländer Paul Wilmsen, der mit seiner kleinen Yacht „Dalí“, benannt nach dem spanischen Maler, direkt vor dem Haus Ruhrnatur Halt machte, erklärte den Kleinen die Funktionsweise seines Bootes. „Ich komme gerade von der Mosel und dachte, die Ruhr nehme ich gleich auch noch mit“, schilderte der aus der Provinz Südholland Stammende.
Danach fiel der Startschuss. Mit Eimern, Schalen, Keschern und Sieben bewaffnet machten sich die Schüler auf den Weg. Schon nach wenigen hundert Metern begrüßte ein typischer Anrainer die Schulklasse. Auf dem Dach des alten Rückpumpwekes am Wasserwerk blickte rekelte sich ein Wasserreiher lässig in der Sonne.
Von dieser frühen Sichtung angetan ging es für die Gruppe weiter über Schleuseninsel und Kahlenbergwehr an das linksruhrische Ufer, schräg gegenüber der Jugendherberge an der Mendener Straße. Dort angekommen schlüpften die Jungs und Mädchen in ihre Gummistiefel und machten sich daran, mit Pinseln die kleinen Ruhrorganismen von den großen Steinen, unter denen sie sich gerne Steinen verstecken zu lösen und sie anschließend in den mit Wasser gefüllten Schalen unterzubringen. Ein ähnliches Schicksal ereilte die Lebewesen, die im Schlamm am Boden des Flusses verweilen und mit Sieben aus selbigen herausgefiltert wurden.
Vom quirligen Treiben sichtlich angetan nahm sich auch das spazierende Rentnerpaar Horst und Inge Scharch einige Minuten Zeit, dem Geschehen beizuwohnen. „Goldstücke findet man aber leider keine mehr in der Ruhr“, bemerkte der 84-Jährige treffend.
Dafür förderten die Kinder aber ganz andere Schätze zutage. So kamen Muscheln, kleine Libellen, Fluss- und Flokrebse und sogar der ein oder anderer verirrte Regenwurm zum Vorschein.
Bei allem Spaß den die Kinder hatten - Kollateralschäden blieben nicht ganz aus. So war der 9-jährige Björn der erste, der in die Ruhr geplumpst ist und Arleen beschwerte sich bald, sie hätte mittlerweile „die halbe Ruhr in den Stiefeln“.
Dass sich die Kinder von ein bisschen Wasser nicht beeindrucken lassen erklärte der kleine Leo so: „Als wir auf Klassenfahrt in Haltern waren hatte es am ersten Tag in Strömen geregnet - da ist das hier gar nichts gegen.“
Nach einem kollektiven Entwässern der Gummistiefel ging es mit Schalen voller Getier auf den Rückweg zum Haus Ruhrnatur, wo glücklicherweise trockene Wechselkleidung wartete.
Gestärkt durch eine kleine Pause, waren die Kinder auch gleich wieder Feuer und Flamme, als es ans Mikroskopieren ging. Durch besonders einfach zu bedienende sogenannte Stereolupen konnte die „Beute“ in den museumseigenen Lehrräumen näher betrachtet und begutachtet werden.
Unbestrittener Höhepunkt des Tages war das Video-Mikroskop, mit dem Christa Schragmann auf einer großen Leinwand ganz neue Einblicke in die Welt der winzigen Organismen gewährte.
So erblickten die Kleinen erstmals die einzelnen Facetten eines Insektenauges und konnten erkennen, wie schmal eine Wespentaille tatsächlich. Auch Ruderwanzen und aus Neuseeland „importierte“ Schnecken, die sich nun in der Ruhr breit machen sorgten für große Augen. Mit solchen Eindrücken wird man nahtlos an den Nachmittag anknüpfen können, wenn sich der Unterricht demnächst dem Thema „Ruhr“ widmet.
Das ein oder andere Kind äußerte schon an diesem Vormittag den unbedingten Wunsch, bald mit den eigenen Eltern zurückzukehren. Und auch Klassenlehrerin Annette Beck Ähnlich zeigte sich ähnlich begeistert wie die Schüler: „Das hier ist eine tolle Sache, die wirklich alle interessiert. Ich bin total beeindruckt.“
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