Von nichts kommt nichts 

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Kurze Sprüche werden seit Generationen als bare Münze gehandelt und haben sich unauslöschlich in den aktiven und passiven Sprachschatz eingeprägt. Und irgendwie ist ja auch meist was dran. Aber denkt man da wirklich drüber nach? Nehmen Sie z.B. „Doof bleibt doof!“ oder „Live is Life, nanananana!“ Die Weisheit „Dreck scheuert den Magen“ erinnert mich an meine Jugend, als Sofortverzehr in Nachbars Garten eine Dringlichkeit war.
So eine knappe Redewendung ist auch „Von nichts kommt nichts!“ Was ist aber dran an diesem Spruch, der sich so leicht daher sagt, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt, dass nichts von nichts kommt? Ist damit wirklich nichts gemeint oder das Gegenteil, also vielleicht doch etwas? Schauen wir uns zunächst mal den Kontext an, in dem wir diesen Spruch meist verwenden.



Da ist der kleine Marcel, der keine Lust hat, für die Mathearbeit zu üben, aber sich über die anschließende schlechte Note bitter beschwert. Ist hier nichts von nichts gekommen? Oder der Herr Minister, der trotz vollmundiger Reden keine vernünftige Politik zustande bringt. Resultiert auch hier nichts von nichts?

Man kann unseren Spruch mit zwei Betonungen lesen. Legt man den Schwerpunkt auf das erste „nichts“, dann bedeutet er, dass aus dem Nichts nichts entstehen kann. Betont man dagegen das „kommt“, meint man lapidar, dass das Nichts selbstverständlich aus dem Nichts stammt. Das ist aber eigentlich das genaue Gegenteil der ersten Interpretation, mag das im Ergebnis auch ziemlich gleich sein.

Obendrein stehen beide Deutungen in auffälligem Gegensatz zur alttestamentarischen Schilderung der Erschaffung der Welt. Nur böse Zungen würden behaupten, Gott habe aus Nichts tatsächlich weiteres Nichts, jedenfalls nichts Richtiges, geschaffen. Vielmehr hat er sozusagen erstmalig bewiesen, dass man aus Nichts doch noch was Passables machen kann. Und zwar nachhaltig. Das mag unserem Marcel und dem Minister wie auch so manchem Glossenschreiber, der etwas über das Nichts schreibt, zum Trost gereichen.

Allerdings klappt das bei irdischen Wesen höchst selten und ist meist bloße Eulenspiegelei. Für uns Sterbliche gilt im Allgemeinen, was die Redensart in Wahrheit meint: Nur wer etwas hineinsteckt, bekommt etwas heraus. Es sei denn, er ist wirklich zu dämlich. Siehe den Spruch „Doof bleibt doof!“

Also sagen wir’s deutlicher in der Umkehrung: Vorläufig kommt etwas immer von etwas!
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4 Kommentare
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Renate Croissier aus Lünen | 19.01.2018 | 07:48  
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Franziskus Firla aus Mülheim an der Ruhr | 19.01.2018 | 10:55  
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Elmar Begerau aus Kamp-Lintfort | 19.01.2018 | 13:37  
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Gottfried (Mac) Lambert aus Goch | 19.01.2018 | 16:05  
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