Am Raffelberg schwelt Konflikt über die Rennbahn-Zukunft

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Der Rennbetrieb am Raffelberg ist von den Problemen im Verein aktuell noch nicht betroffen. Die Mülheimer Turf-Fans müssen sich aber wohl auch in Zukunft mit wenigen Renntagen im Jahr zufriedengeben. (Foto: RuhrText)

Die Zukunft des traditionsreichen Mülheimer Galopprennvereins am Raffelberg ist ungewisser denn je. Seit Jahren schiebt der Verein Schulden in Höhe von 1,4 Millionen Euro vor sich her. Durch neue Außenstände steht nun der Trainingsbetrieb auf der Rennbahn vor dem Aus, der nächste Renntag war zudem stark gefährdet. Mitglieder und Trainer sehen die Entscheidungen des Vereins äußerst kritisch.

Offene Rechnungen von 105.000 Euro musste der Vorstand auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung eingestehen. Eine Betriebsprüfung der Jahre 2012 bis 2014 durch das Finanzamt hatte dem Verein allein eine Steuernachzahlung von 20.000 Euro eingebrockt. Dazu kommen Rechnungen für Handwerker und Steuerberater. Auch der erste Renntag am Fronleichnamstag konnte bislang nicht abgerechnet werden. Trainer und Besitzer warteten auf Prämien in Höhe von 29.950 Euro. Ohne Abrechnung hätte der Verein den für den 19. August geplanten letzten Renntag im Jahr 2017 nicht ausrichten dürfen.

Eine Absage ist aber nun vom Tisch, da Vizepräsident Ralf H. Schmitz, eine selbstschuldnerische Bürgschaft abgab. Damit liegt das Risiko allein bei Schmitz und nicht beim Verein. Der After-Work-Renntag am 24. Juli war komplett durch den französischen Wettanbieter PMU finanziert worden. Die Franzosen werden auch am 19. August fünf der geplanten acht Rennen sponsern. „Ich denke, dass wir den Rest stemmen können“, gibt sich Rennvereinspräsident Hans-Martin Schlebusch optimistisch.

Damit aber genug der guten Nachrichten. Denn an der Akazienallee schwelt ein Konflikt zwischen den beiden benachbarten Partnern: dem Rennverein und seinem Untermieter, dem Golfclub Raffelberg. Im Fokus steht auch hier Ralf Schmitz, dem als Geschäftsführer des Rennvereins und gleichzeitig Betreiber des Golfclubs ein Interessenkonflikt angelastet wird. Manche Mitglieder gehen sogar soweit, um Schmitz eine bewusste Steuerung der Vereinspolitik zu seinen Gunsten vorzuwerfen. In der Tat hat sich die Mitgliederzahl des Rennvereins im letzten Jahr von 60 auf 97 erhöht. Dass sich unter den neuen Mitgliedern auch Golfer befinden, bestätigt sogar Schlebusch. Er benötigt Schmitz aber als finanziell potenten Untermieter. Schmitz selbst verabschiedete sich an diesem Wochenende in den Urlaub und war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Auch Dank der neuen Mitgliederstruktur wurde das Aus des Trainingsbetriebes mit 60:22 Stimmen beschlossen, was wiederum die Befürworter auf die Palme bringt. Denn die am Raffelberg ansässigen Trainer wollen gerne bleiben. Zudem habe es bereits vor einem Jahr Angebot zur Übernahme des Trainingsbetriebes gegeben. „Warum werden den Investoren Steine in den Weg gelegt“, fragt ein Mitglied, das anonym bleiben möchte.

Trainer lehnen Aufstockung der Beiträge ab

Zuletzt hatte der Verein versucht, seine Kosten durch eine Aufstockung des monatlichen Beitrags pro Pferd von 150 auf 210 Euro zu decken. Dies wurde von den Trainern jedoch abgelehnt. „Sie sind nicht mehr bereit, das Unvermögen des Vorstandes hinzunehmen und den eigentlich schon seit Jahren insolventen Rennverein weiter zu unterstützen“, heißt es. Dieser konzentriert sich jetzt nur noch auf die satzungsgemäße Mindestzahl von drei Renntagen pro Jahr. Besonderes Marketing und neue Ideen Fehlanzeige!

Noch scheint aber nicht alles verloren. Zwar wurde allen Trainern am vergangenen Wochenende fristgemäß zum 31. März 2018 gekündigt, in dem Schreiben heißt es aber auch, dass der Rennverein weitere Entwicklung rund um seinen Trainingsbetrieb abwartet. Das Gestüt Auenquelle und der Hof rund um den Stall Baltromei sind interessiert. „Ohne eine Kooperation passiert aber gar nichts“, gibt Präsident Schlebusch die Richtung vor. Dies gilt vor allem für die Trainer Bruce Hellier, William Mongil, Julia Römich und Doris Smith. Vielleicht kann der Verein schon bei der nächsten Mitgliederversammlung am 22. August neues verkünden. Dort werden auch der Präsident und sechs statt bislang drei Vizepräsidenten neu gewählt.

Politik schaltet sich in das Thema ein

Auch die Politik schaltet sich bereits in das Thema ein, schließlich ist das Gelände eine begehrte Gewerbefläche in Hafennähe. „Durch die prekäre Situation gewinnt unser Vorschlag, den Verein innerhalb Mülheims zu verlagern, an Aktualität. Das jetzige Gelände eignet sich hervorragend zur Erweiterung des Gewerbegebietes an der Ruhrorter Straße“, sagt Michael Wasnick, planungspolitischer Sprecher der Ratsgruppe Mülheim 5vor12.

Anders sieht es die FDP, die einen Antrag an den Hauptausschuss gestellt hat, den Rennverein vor dem Gremium einen aktuellen Bericht vorlegen zu lassen. „Einer der weichen Faktoren von Mülheim, der unsere Stadt unterscheidbar und attraktiv hält, ist unsere Rennbahn“, so der Fraktionsvorsitzende Peter Beitz.
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