Die Initiative Tschernobyl-Kinder lebt seit 25 Jahren internationale Solidarität jenseits der Weltpolitik

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Norbert Flör, Vorsitzender der Initiative Tschernobylkinder (Foto Emons)
 
Lehrer Alexander Lutskevovic trägt ein Volkslied aus Weißrussland vor. (Foto Emons)

25 Jahre Initiative Tschernobyl-Kinder. Das wird an diesem Sonntag im Schloss Broich gefeiert. Die Gründerin der Initiative kann den Festakt nicht mit erleben. Ihr Gesundheit lässt es nicht zu. Doch ihr Geist ist präsent, in dem der Vorsitzende der Initiative, Norbert Flör und Gründungsmitglied Hannah Unkelbach die Projekte der Initiative Revue passieren lassen. Und nicht von ungefähr sieht man auf dem Titelblatt der Festschrift Dagmar van Emmerich, wie sie bei der Beladung eines Hilfstransportes zupackt.

Zupacken, um damit Kinder und Jugendliche in Weißrußland zu unterstützen: Das tun auch heute noch viele Menschen, die sich der Idee von Dagmar van Emmerich verpflichtet fühlen. Von montags bis samstags verkaufen sie in einem Trödelladen am Kohlenkamp 2 gespendete Dinge aus zweiter Hand. Die Erlöse von jährlich bis zu 60.000 Euro machen sich in Zhodino und Dobryn bezahlt.

Weiter entwickelt

Längst geht es der Initiative nicht mehr nur um Erholungsurlaube für Kinder und Jugendliche, die auch 31 Jahre danach an den Folgen der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl leiden. Auch die Hilfstransporte mit Dingen des täglichen Bedarfs stehen nicht mehr im Vordergrund. “Stattdessen geht es uns heute um Projekte, die Hilfe zur Selbsthilfe leisten”, betont der Vorsitzende der Initiative, Norbert Flör.

Nachhaltig gewirkt

So hat die Initiative im Laufe der Jahre zum Beispiel ein Jugend- und Therapiezentrum ins Leben gerufen, eine Fortbildung für Sozialarbeiter und Sozialpädagogen möglich gemacht und einen Fahrradclub ins Leben gerufen. Das Zentrum und der Fahrradclub haben dazu geführt, dass Kinder mit Handicap oder Kinder aus sozial belasteten Familien eine neue Lebensperspektive bekommen und die Stadtverwaltung von Zhodino Radwege angelegt hat. Jetzt soll eine Holzwerkstatt entstehen, in der Menschen mit Behinderung eine Beschäftigung finden.

Außerdem bittet der Vorsitzende der Initiative dringend um Instrumentenspenden. “Wir nehmen alle Instrumente, die noch bespielbar sind. Denn am Gymnasium Nummer 5 gibt es ein großes Schulorchester, in dem 300 Kinder und Jugendliche musizieren, auch wenn sie kein eigenes, sondern nur ein geliehenes Instrument haben”, beschreibt Flör das neueste Hilfsprojekt.

Eine 2. Chance für alte Instrumente

Die Instrumente, die hier in Mülheim im Schrank, im Keller oder auf dem Dachboden im Dornröschenschlaf vor sich hin rosten, wären in Zhodino in besten Händen. Die musikalischen Darbietungen der 39 Schüler und Lehrer aus Zhodino zeigen es im und vor dem Schloss Broich eindrucksvoll. Eindrucksvoll ist auch der Brief eines ehemaligen Schülers, den Hannah Unkelbach bei der Feierstunde im Rittersaal vorliest. “Die Hilfe der Tschernobyl-Initiative und die unglaubliche Liebe und Fürsorge, die ich bei meinen Gasteltern erfahren habe, haben mein Leben verändert”, schreibt ein Mann aus Zhodino, der heute selbst Vater ist. Vor 25 Jahre gehörte er als Waisenkind zu den ersten Schülern aus Weißrussland, die bei Mülheimer Gasteltern eine für sie neue Welt entdecken durften. Seine in Mülheim gesammelten Erfahrungen inspirierten den Schüler, sich für Deutsch und Geschichte zu interessieren. Nach der Schule studierte er diese Fächer in Minsk und Duisburg. Nachdem er zunächst als Lehrer gearbeitet hat, ist er heute als Mitarbeiter der deutschen Botschaft ins Minsk tätig.

Weitere Informationen zur Initiative Tschernobyl-Kinder e.V. gibt es im Internet unter: www.tschernobyl-muelheim.org sowie beim Vorsitzenden der Initiative Norbert Flör. Er ist unter der Rufnummer 02054/4663 oder per E-Mail an: njaga@versanet.de erreichbar.Thomas Emons
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