Holländisches Zeichen 

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„Was die in Goch haben, haben wir doch auch hier ganz in der Nähe. Komm, wir fahren da mal hin und machen da unseren Sonntagnachmittag-Spaziergang!“

Also fuhren wir nach Kettwig. Da sollte er in der evangelischen Marktkirche anzutreffen sein. Erwartungsvoll mit Entdeckervorfreude angefüllt, gingen wir auf das schlichte Portal zu. Rhythmische Klänge drangen nach außen, aber die Tür war verschlossen. Probe für ein Gospel-Konzert, lesen wir auf dem Zettel. Das war’s dann.

„Kuck mal, da ist er!“ Meine frühere Verlobte war ein paar Schritte zurückgetreten und schaute zum Dach. Tatsächlich, da oben, auf einem seitlichen Dachreiter drehte er sich von der Sonne erleuchtet im Winde: Geusen-Daniel!

Natürlich hatte das wieder was mit dem Achtzigjährigen Krieg zu tun. Geusen (eigentlich geuzen)nannten sich die niederländischen Freiheitskämpfer und Oppositionelle gegen die Spanier. Das war abgeleitet von dem französischen Wort für Bettler, eigentlich ein Schimpfwort, mit dem die Spanier die aufständischen Niederländer bedachten. Im Widerstand wurde es aber zu einem Ehrentitel.

Die geflohenen calvinistischen Geusen suchten Unterschlupf im nahen Herzogtum Jülich. Dort hatten die reformierten Christen erst noch einfache Hauskirchen, die den Geusenengel als Erkennungszeichen trugen. Als sie dann auch Glocken-Dachreiter oder Türme bekamen, diente so ein Posaunenengel als Wetterfahne. Wahrscheinlich geht die Figur auf die Offenbarungen des Johannes zurück, wo von einem verkündenden Engel die Rede ist.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde der Geusenengel oder Geusen-Daniel zum Symbol der Evangelischen am Niederrhein. Heute noch kann man ihn u. a. in Goch, Geldern, Düsseldorf (Neanderkirche) , Bonn-Oberkassel (St.Cäcilia, mitten auf der Straße)- und eben Kettwig bewundern.

Da sag noch einer, die Evangelen hätten es nicht so mit den Engeln!
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Renate Smirnow-Klaskala aus Essen-Nord | 13.11.2017 | 18:34  
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