Schriftsetzerlatein!

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Dies LINOTYPE Setzmaschine von 1970 ist noch voll funktionsfähig in meinem Betrieb vorhanden.
Der Teufel und die Setzmaschine
Der Teufel! Das kann doch nur der Druckfehlerteufel sein (den es in der vermeintlichen Form ja garnicht gibt, denn bei fehlerhaftem Text ist immer der Setzer schuld, also handelt es sich um einen Satzfehler)! Weit gefehlt. Ein anderer Teufel kommt hier in Frage. Es trug sich nämlich folgendermaßen zu: Es war im Jahr 1902 in einer größeren Buchdruckerei, dort wurden zwei Setzmaschinen aufgestellt und vier Kunstjünger wurden daran ausgebildet. Damals war es nicht so wie heute, wo sich alles nach arbeitserleichternde Maschinen drängt. Im Gegenteil, es machte Mühe, diese vier Leute zusammenzu bekommen, da die meisten Kollegen Handsetzer von der Setzmaschine nichts hielten und auch gesundheitliche Nachteile befürchteten. Diese vier Kollegen wurden nun von einem Instruktor (einem verbissenen Vegetarier) in die Geheimnisse der Maschine eingeweiht, und zwar einige Stunden täglich. Die andere Zeit musste produktive Artbeit geleistet werden. Seine freie Zeit benutzte der Herr Instrukteur zu Spaziergängen und abends ging er in alle möglichen Naturvereine, wo er auch als eifriger Verfechter seiner Ideen große Reden schwang. Als er nun zu seinem Entsetzen entdeckte, dass einige von uns "Stiften" (Auszubildende) regelmäßig zum Frühstück (und auch sonst) dem Biergenuss frönten, hielt er uns erbauliche Vorträge über die Schädlichkeit des Alkohols und schleppte uns auch einmal in einen vegetarischen Vortragsabend mit. (Wir ließen uns aber nur einmal verführen). Nun herschte damals noch die schöne (der Herr Instrukteur behauptete "höchst verwerfliche) Sitte, des Ein- und Ausstandgebens. Und eines schönen Sonnabends wurde ein solches Fest gefeiert. Schon in aller Frühe wurde ein großer Nordhäuser kaltgemacht und dann kamen die diversen Bierchen dran. Unser Instrukteur verließ die ungastliche Stätte und ging an die frische Luft. Als die Feier im schönsten Gange war, kam plötzlich ein kleiner Schnellschuss herein und die beiden Jünger an der Maschine legten sich mächtig ins Zeug. Da plötzlich, ein hörbarer Ruck, und die eine Maschine stand still. Was war das? Der andere Pachulke (Hilfskraft allgemein) kam hilfsbereit hinzu und nun mühten sich beide mit hochroten Gesichtern, den eisernen Kollegen wieder in Gang zu bringen. Die Handsetzerkollegen standen mit "teilnahmsvollen" Mienen dabei. Aber alle Liebesmüh war vergebens. Zurück konnte man die Maschine wohl drehen, aber vorwärts ging sie nur bis zu einem gewissen Punkt. Nun war guter Rat teuer! Nachdem man sich so eine gute halbe Stunde abgemüht hatte, ging die Tür auf und als retender Engel betrat der Herr Instrukteur den Saal. Die beiden "Operateure" stürzten ihm entgegen und teilten ihm das Unglück mit. "Wer weiß," sagte er, "was Sie da gemacht haben!" Entrüstet wies der vom Malheur Betroffene
dies zurück und meinte, das wären eben die Mucken der Setzmaschinen, wenn man sie am nötigsten brauche, dann gingen sie nicht. Ein vernichtender Blick des Herrn Instrukteurs streifte ihn. Nun begaben sich alle drei, umringt von den "neugierigen" Handsetzerkollegen, an die streikende Maschine. Der Instrukteur rückte den Hebel ein und siehe da, sie ging ein wenig vorwärts, um dann plötzlich wieder stillzustehen. Ein Blick nach unten, und, mit den Händen durch die üppigen Locken fahrend, stieß der "Meister" wütend die Worte heraus: "Da haben wir es! Der Alkoholteufel! Der verfl . . . . . Alkohol!" Was war geschehen? Das durstige Setzerlein hatte, um sie den neugierigen Blicken des Faxes zu entziehen, einige volle Flaschen in den Hohlraum des Fundamentes der Maschine gestellt, und diese Flaschen verhinderten nunmehr das Heruntergehen des Elevators. Von dem nun folgenden Vortrag des vegetarischen "Meisters" will ich nicht reden. Die beiden, der Sünder sowohl als der andere, der den Fehler auch nicht gefunden hatte, sollen geschworen haben, keinen Tropfen Alkohol wieder anzurühren, solange sie an der Maschine sitzen und setzen. Ob sie es gehalten haben, bleibt dem Leser hier als Meinung offen.
Diesen Text habe ich aus einem kleinen Büchlein aus dem Jahr 1928 entnommen!
Solche Bleisatzmaschinen wurden bis in die 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts noch eingesetzt und so nach und nach durch die Computertechnik ersetzt.
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18 Kommentare
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Rüdiger Pinnig aus Neukirchen-Vluyn | 27.10.2015 | 17:34  
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Annegret Freiberger aus Menden (Sauerland) | 27.10.2015 | 17:37  
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Rüdiger Pinnig aus Neukirchen-Vluyn | 27.10.2015 | 18:16  
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Rüdiger Pinnig aus Neukirchen-Vluyn | 27.10.2015 | 18:19  
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Renate Schuparra aus Duisburg | 27.10.2015 | 23:47  
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Fritz van Rechtern aus Neukirchen-Vluyn | 28.10.2015 | 08:50  
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Rüdiger Pinnig aus Neukirchen-Vluyn | 28.10.2015 | 09:53  
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Fritz van Rechtern aus Neukirchen-Vluyn | 28.10.2015 | 10:42  
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Renate Schuparra aus Duisburg | 28.10.2015 | 10:54  
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Christian Tiemeßen aus Emmerich am Rhein | 29.10.2015 | 14:30  
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Fritz van Rechtern aus Neukirchen-Vluyn | 29.10.2015 | 14:41  
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Christian Tiemeßen aus Emmerich am Rhein | 29.10.2015 | 16:51  
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Fritz van Rechtern aus Neukirchen-Vluyn | 29.10.2015 | 17:27  
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Christian Tiemeßen aus Emmerich am Rhein | 29.10.2015 | 17:57  
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Fritz van Rechtern aus Neukirchen-Vluyn | 29.10.2015 | 18:22  
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Fritz van Rechtern aus Neukirchen-Vluyn | 29.10.2015 | 18:41  
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Christian Tiemeßen aus Emmerich am Rhein | 29.10.2015 | 20:12  
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Fritz van Rechtern aus Neukirchen-Vluyn | 30.10.2015 | 08:47  
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