Alter Hauerkrug von Seltmann Weiden

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Bergheuer in alter Tracht
Ein Hayer! Ist ein Bergmann, der auf Gängen arbeitet. Erb-Hauer sind die ihr Hauerwerck gelernet und ausgelernet haben, und den der volle Hauer-Lohn, durch die Geschwohrenen erkant ist. Es wird keiner zu einem Geding gelassen, der nicht ein Erb-Hauer ist. An einem guten Hauer ist gar viel gelegen. Die gewisse Zeit von etlichen Stunden, so lange ein Bergmann nacheinander an seiner Arbeit bleiben muß, heisset eine Schicht. Die 24 Stunden also von Nacht und Tag, werden in 3 Schichten abgetheilet, eine jegliche Schicht hat 7 Stunden, die übrigen 3 Stunden sind zwischen den Schichten die Ruhe-Stunden, in welchen die Hauer an- und ausfahren.
Die erste Schicht fängt sich an früh Morgens um 4 Uhr, und währet biß zu sieben; diese zwo heisset man Tage-Schichten. Die dritte ist die Nacht-Schicht, die gehet an den Abend um 8 Uhr, und währet biß gegen Morgen um 3 Uhr; diese läßt man nicht gerne zu, es erfordert es dann die Noth. Einem Hauer ist nicht zugelassen, zwey Schichten zu fahren, damit er nicht für Müdigkeit in der grube schlafen, oder sonsten langsam arbeiten möge. Wann einer seine Schichten der Gebühr nach nicht verfahret, so wird ihm von seinem Lohn was abgezogen. Weil aber eine Schicht gar leicht, ohne sondere Verrichtung vorbey streichen kann, sonderlich bey denen, die auf abgelegenen Oertern arbeiten, bey welchen der Steiger nicht stets alle Stunden seyn kann; Als hält man gedingte Arbeit vor die Hauer nach dem Lachter-Maß, oder Tonnen und Zentner Erzes, so wohl in Schrömen, als vor Oertern und in Schächten. Das Verdingen auf dem Gestein geschicht durch die Geschwohrnen. Das Gestein und Erz wird von den Hauern unterschiedlich gewonnen, nachdem es feste und gebräche, nemlich durch Hand-Arbeit, durch Feuer, und durch Schüssen. Von Gezeug zur Hand-Arbeit, so ist Schlägel und Eisen ihr vornehmstes Gezeug, damit sie sich am besten und allenthalben unter und über sich beruhn, und Erz gewinnen. Einem jeden Hauer wird ein Hand-Fäustel
mit ein oder zwey Riemen-Eisen, nachdem er fest oder gebräche Arbeit hat, zugestellet. Ein Riemen ist meistens von 12 Eisen. Bey gebrächen Gestein gebrauchet er die Keil-Hauen meistentheils. Bey dem Gesteine, so wegen der Feste mit der Hand und Gezeug nicht zu gewinnen sind, so brauchet der Hauer das Feuer
setzen mit Holtz, und lässet die Lohe des Feuers wohl dran schlagen. Denn das Holtz hebet oder löset über und neben sich, die Kohlen aber unter sich. Wo er aber mit Feuer nicht ankommen kann, da schiesset und sprenget er mit Pulver, welches erstlich Anno 1627 aus Ungarn in das Teutsche Gebürge gekommen. Bey mächtigen Gängen muß er, wie einen Pfeiler in der Mitten des Ganges stehen lassen, daß die Grube eine sichere Haltung habe, und nicht zum Bruch komme, welches dann die Berg-Feste heisset. Bey jeden Ein- und Ausfahren, wird allemal von den Hauern ein Gebet zu Gott verrichtet; indem sie grosser Gefahr unterworffen. Wenn die Beamten in die Gruben fahren und nachsehen, ob ein jeder Hauer auf seinen Schlägel oder vor seinen Ort an der Arbeit ist, so sagt man: Dem Hauer wird nachgestochen. Wird der Hauer nicht angetroffen, so heist es: Der Hauer ist erstochen worden. Bey Berg-Leuten heist die geringste Kost, als Käse und Brod, und eine ungemachte Wasser-Suppe: Eine Berg-Henne.
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4 Kommentare
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Paul Scharrenbroich aus Monheim am Rhein | 24.05.2013 | 16:56  
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Armin Mesenhol aus Kamp-Lintfort | 24.05.2013 | 16:59  
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Fritz van Rechtern aus Neukirchen-Vluyn | 24.05.2013 | 17:36  
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Elmar Begerau aus Kamp-Lintfort | 24.05.2013 | 22:49  
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