SARIN – Nervengift aus Deutschland

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SARIN - Ausstellung im Kirchturm von Falkenhagen
- SARIN, ein hochgiftiges, tödliches Nervengas ist ursprünglich eine deutsche Erfindung. Im syrischen Bürgerkrieg ist dieser chemische Kampfstoff wieder zu trauriger Berühmtheit geworden.
In einem Prospekt zu einer Sonderausstellung in der Gedenkstätte / Museum Seelower Höhen in Seelow fand ich zum Thema SARIN einige interessante Informationen. Auch in Falkenhagen selbst wo ich Mai diesen Jahres war, gibt es im Turm der Kirche dazu eine Dauerausstellung.
„Kurz vor Weihnachten 1936 entdeckte der Chemiker Dr. Schrader in den Leverkusener Bayer-Labors der I.G. Farben das erste Nervengas – den später TABUN genannten Stoff. Einige Monate später wurde dessen hohe Giftigkeit im Heeresschutzlaboratorium in Berlin festgestellt. 1938 entdeckte Schrader in einemabgeschirmten Labor der I.G. Farben in Elberfeld das noch giftigere SARIN.“ (a.a.O. S.5)
Nach erfolgreichem Produktionstest baute die I.G. Farben zusammen mit einer Tochterfirma „im Auftrag des Reiches das Werk Dyhernfurth (bei Breslau an der Oder) zur TABUN-Großfertigung“ (bis Kriegsende 12 000 t). „In der 1943 begonnen SARIN-Anlage kam es nicht mehr zur Produktion.“ (a.a.O. S.6)
Ein zweiter Produktionsstandort sollte der kleine Ort Falkenhagen werden. Dazu musste zunächst ein am Schwarzen See gelegenes Schloss abgerissen werden. Im Auftrag der I.G. Farben entstand dort eine groß geplante Produktionsanlage, die neben den oberirdischen Gebäuden auch eine große Bunkeranlage (13.700 qm) zur Produktion und Verladung umfasste. KZ-Arbeiter aus Sachsenhausen mussten dazu in einem Außenlager in Falkenhagen leben und wurden zu schweren Arbeiten herangezogen. Zunächst produzierte man nur das „aggressive und hochentzündliche Chlortrifluorid …, eine Verbindung, deren endgültige Verwendung noch unklar war.“ (a.a.O. S.7).
Die SARIN-Anlage in Falkenhagen erreichte nie ihre Fertigstellung und Produktionsfähigkeit.
„Im Zweiten Weltkrieg kam es nie zu einem Einsatz dieser neuen Nervengase…, in einer Versuchsanlage des Heeres in Munster wurden 500 kg Sarin hergestellt…
Das Wissen der deutschen Chemiker und Ingeneure über die neuen Nervengase eigneten sich Spezialeinheiten der alliierten Mächte unmittelbar nach Kriegsende an. Die USA und ihre Partner waren bereits einige Jahre später in der Lage, selbst diese Kampfstoffe zu produzieren. Die Sowjetunion, die das Werk in Dyhernfurth komplett hatte demontieren lassen, konnte nach dem Krieg ebenfalls diese Nervengase herstellen.“ (a.a.O. Impressum)
Die Texte, aus denen zitiert worden ist, stammen von Heiner Röger,Katja Neppert, Rainer Potratz und Simone Tippach-Schneider. Die Schrift wurde von der Berlin-Brandenburgischen Geschichtswerkstatt e.V. herausgegeben. Gedruckt wurde der Prospekt bei Dreher & Marx, Moritz-Druck Berlin

V.H.G.
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Myriam Weskamp aus Castrop-Rauxel | 22.09.2013 | 15:43  
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