Stringent verschriftlicht! - Auch Beamte sprechen deutsch!

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Damals hatte ich aber einen Zylinder auf, und keine Grafschafter Tracht an!

Deutsche Sprache - schweres Sprache?

Aus der Mottenkiste (2008) fiel mir eine Rede in die Hände, die ich anlässlich der Pensionierung unseres Rektors geschrieben und auch gehalten habe. Der anwesende Schulrat versank dabei langsam in seinem Sessel.
Vorausgegangen waren wortreiche Forbildungen zum Thema "Selbstständige Schule", die uns von Düsseldorf über die Bertelsmann Stiftung verordnet wurden.
Die zahlreichen "Fachbegriffe" habe ich fleißig gesammelt und in der Rede verarbeitet.
Wer sie bis zum Ende durchhält, verdient ein besonderes Lob.
Viel "Vergnügen"!

Lieber Herr N.N., liebe Gäste!

Den Anstoß zu dieser Rede gaben zurück liegende Fortbildungsver-anstaltungen zum Thema "Selbständige Schule" und der Erstellung eines Schulprofils, sowie die darauf folgenden Gruppensitzungen.

Ich habe daraufhin keine Mühe gescheut, meine Gedanken zum Schulalltag, der ja nun glücklicherweise hinter Ihnen liegt, in angemessener Form zu verschriftlichen:

Als Sie vor etwa 41 Jahren die Schullaufbahn betraten, wollten Sie sicherlich Schule in individueller Gestalt kennenlernen.

Dazu innovierten Sie Ihr Rollenverständnis mit Hilfe einer Orientierung an den internen Bedingungen des zu allen Zeiten leider nur fragmentarischen Gebildes Schule.
Doch mit Ihrer Sprach- und Gesprächskompetenz haben Sie neue Prioritäten gesetzt, haben strukturiert und die Arbeit organisiert. Durch diese Organisationskultur gelangten Sie selbstverständlich zu einer neuen Gewichtung der schulprogrammatischen Arbeit.

Ihre Adaption von neuartigen Begründungssträngen und die Orientierung an internen Bedingungen (z.B. Schulklima) ließen neue Zielvereinbarungen entstehen , und diese führten unmittelbar zur Partizipation beispielsweise am Amt des Konrektors.
Im Anschluss daran habe Sie die damals noch neuen Stoffverteilungspläne in Geschichte und Mathematik auf Stringens durchforstet , suchten in Ihrer Mindmap nach Lernerfahrungsräumen, übten sich in Kooperation und gelangtest durch die Reflexion der Zielvereinbarungen zu einer Fokussierung auf das nächsthöhere Amt des Schulleiters.
Sie haben unsere Schule zunächst als lose gekoppelte Institution erlebt, in der oft nur ein Minimalkonsens zu finden war. Dennoch arbeiteten Sie sich von peripheren zu zentralen Leitideen hoch und fanden im Laufe der Jahre sogar verträgliche Fachkonferenzstrukturen, in denen sich der Synergieeffekt potenzierte. Es ließen sich über teilweise heftige Konsensbildungsprozesse und lautstarke Kommunikation sogar märchenhafte Zielvereinbarungen und marginale Konsensfindung erreichen.
Aufgrund Ihrer Text basierten Argumente war die Schulkonferenz oft BASS-erstaunt.
(Anm.: Die BASS ist eine sehr umfangreiche Vorschriftensammlung für Schulen)

Aber auf einer dieser Fortbildungen gab es dann auch für Sie, als Höhepunkt Ihrer VITA SCOLAE sozusagen, noch etwas Schwierigkeiten mit der Begriffsvergewisserung:
Denn ob nun jemand, der eine Schulpräambel als medialen, fiktionalen Text Produktionsorientiert schreibt, ein „Präambulator“ ist, oder ob Ranking etwas mit Ränkespielen bei Personalfragen zu tun hat, konnte selbst mit dem Einsatz eines modernen Touchscreens nicht endgültig geklärt werden, so dass sich die Gruppenergebnisse nur schwierig im Kollegium implementieren ließen.

Sollten Sie nun wider Erwarten nicht alles in diesem Vortrag verstanden haben, empfehle ich Ihnen wärmstens, via Systemadministrator in der Internetpräsentation von Frau Sommer in Düsseldorf nachzufragen.

Kontakte:
Ministerium für Schule, Jugend und Kinder des Landes Nordrhein-Westfalen
Barbara Sommer
Ministerin für Schule, Jugend und Kinder
....

Dort wird man Ihnen zumindest lebenslanges Lernen empfehlen. Vielleicht können Sie auch eigenverantwortlich, trotz Pensionierung, einem Kompetenzteam beitreten und uns über die geschlossene Arbeitsplattform WebWeaver noch so manches schöne Paper of Intention servieren.

Ansonsten aber genießen Sie Ihren verdienten Ruhestand Ziel gerichtet, und vergessen Sie schleunigst all die herrlichen Fachvokabeln Ihrer Schulzeit!


© Volker H. Glücks
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1 Kommentar
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Paul Scharrenbroich aus Monheim am Rhein | 05.08.2013 | 06:51  
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